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„Leser helfen“: Warum ein Mini zu mini ist für „Mülli“ aus Zwickau

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Nach einem Schlaganfall pflegt Sven Müllers Partnerin ihn rund um die Uhr mit all ihrer Liebe. Doch mit Liebe lässt sich ein bestimmtes Problem leider nicht lösen. Wie „Freie Presse“-Leser dem Paar helfen können.

Zwickau.

Wer Annett Franke erlebt, hat das Gefühl: Es gibt nichts, was diese Frau nicht schafft. Ihre Stärke zeigt sich nicht in Muskeln. Ihre Leistung bekommt keine Preise. Doch jeder Tag, den sie mit ihrem Lebensgefährten Sven Müller (53) meistert, ist für die beiden ein Sieg. Nach einem Schlaganfall ist Müller, vom ehemaligen Team im Zwickauer Clarios-Werk augenzwinkernd „Mülli“ genannt, auf Pflege rund um die Uhr angewiesen. Die Kraft dafür findet Annett Franke (51) in der tiefen Liebe zu ihrem Partner. Doch diese Liebe stößt nun an eine Grenze.

Von Sven Müllers Auto bleibt nur noch ein Bild an der Wand

Alle anderen Veränderungen, die durch den Hirnschlag vor zweieinhalb Jahren aus heiterem Himmel über die beiden hereingebrochen sind, hat Franke gemeistert. Im früheren gemeinsamen Schlafzimmer ihrer Wohnung steht nun ein Pflegebett, in dem Müller liegt. Direkt gegenüber an der Wand hängt ein großes Bild von einem Seat Cupra Leon. „Das Auto war sein Schmuckstück“, sagt Franke, während sie einen Pulli für Müller zurechtlegt. Müller lächelt. Er muss fast alles wieder lernen. Doch lächeln – das kann er schon wieder. Nun ist sein „Schmuckstück“ verkauft. „Wenigstens ist es in guten Händen“, sagt seine Lebensgefährtin, die ihm behutsam die Brille abnimmt. Im Fenster leuchten Schwibbögen. Familienfotos stehen in Sichtweite. Im Hintergrund läuft ein Radiosender. „Manchmal hören wir Ostseewelle“, sagt Franke. Früher war das Paar oft an der Ostsee.

„Ich hebe deinen Kopf jetzt an“, sagt sie leise und schaut ihm in die Augen, während ihre Hände sanft zufassen. „Prima.“ Die beiden wollen nach draußen gehen, trotz kaltem Schmuddelwetter. „Es dauert etwa eine Stunde, bis wir fix und fertig unten im Hausflur stehen“, sagt Franke. Pfleger Jörg Tittel kommt und hilft, ein Lifternetz unter Müller zu platzieren. Das wird an einen Lifter gehängt, den Franke aus dem Wohnzimmer hereinrollt. „Achtung, es geht bergauf, Schatz“, sagt sie und drückt auf einen Knopf. Langsam bewegt sich der Lifter nach oben und hebt Müller aus dem Bett.

Franke platziert ihren Partner langsam, Stückchen für Stückchen, im Rollstuhl. „Man muss auf vieles gleichzeitig achten“, erklärt sie. „Dass er gut sitzt und dass die Beine nicht eingeklemmt werden.“ Aus jeder vorsichtigen und zugleich routinierten ihrer Gesten spricht Liebe. Eine Liebe, die trotz der herausfordernden Probe, auf die sie seit Monaten gestellt wird, nicht wankt. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Franke und lächelt. Müller lächelt zurück und zwinkert einmal. Das heißt: Ja. Die täglich nötigen Handgriffe hat Franke sich von einem Pflegedienst abgeschaut. Und einige selbst ausgedacht, wie sie sagt. Schuhe, Jacke, Mütze und Schal fehlen noch. Die Decke über seinen Beinen und Händen steckt sie gut fest. „Okay, Schatz? Können wir starten?“ Müller zwinkert einmal. Kaum stehen sie draußen im Hof, an der frischen Luft, ist es wieder da: sein Lachen.

So können "Freie Presse"-Leser Sven Müller und Annett Franke helfen

Die beiden sind vor dem Schlaganfall viel draußen gewesen: zum Beispiel im Werdauer Wald oder im Leubnitzer Forst. Jetzt kennen sie die Umgebung der Wohnung auswendig. „Wir gehen immer am Marienthaler Friedhof vorbei“, sagt Franke. „Der Besuch bei Svens Schwester, die vor knapp zwei Jahren verstorben ist, gehört dazu.“ Zu gern würden sie im Frühling auch mal wieder ins Grüne fahren. Zum Durchatmen und Erholen. Bei dem Gedanken küsst Annett Franke ihren Partner auf die Wange. Diesmal ist sein Lächeln so breit, dass auch seine Augen aufleuchten. Doch der Mini von Franke ist genau das, was der Name schon verrät: zu mini für Sven Müller mit seinem Rollstuhl. Jede Fahrt, die er machen muss, zum Zahnarzt oder zu einer Therapie, ist ein organisatorischer Riesenaufwand. Und teuer. Für die Hin- und Rückfahrt per Krankentransport für eine Woche Kurzzeitpflege zahlte Franke um die 300 Euro. Deshalb hoffen die beiden, dass über die „Freie Presse“-Aktion „Leser helfen“ genug Spenden für ein größeres Auto zusammenkommen. Damit Sven Müller bald noch mehr Grund hat, wieder zu lachen. (em)

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