Fremdenhass in Aue: OB Kohl will weiter diskutieren

Im Gespräch bleiben, lautete das Fazit einer Diskussionsrunde in der Stadt. Offen ist, was passiert, wenn das nächste Mal Männer in Springerstiefeln marschieren.

Aue.

Eineinhalb Wochen liegt der Diskussionsabend im Auer Rathaus zurück, bei dem es um die Frage ging, ob die Stadt ein Problem mit Fremdenhass hat oder nicht. Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) sagt nun: "Die Debatte war gut, das muss ich Herrn Thelen zugute halten." Und: Im Herbst sei eine Fortführung der Veranstaltung geplant. Kohl möchte weiter diskutieren.

Auch Raphael Thelen hat sich noch einmal zu Wort gemeldet. In seinem Internet-Blog fragt er: "Wie wird Heinrich Kohl reagieren, wenn das nächste Mal Männer in Springerstiefeln durch seine Stadt laufen? Wird er wieder stumm bleiben, um ,den Nazis keine Aufmerksamkeit zu schenken', wie er sagt? Oder wird er seine Autorität nutzen, um das weltoffene Aue hinter sich zu versammeln und die Wankelmütigen und Unzufriedenen zurückzugewinnen?"

Zur Erinnerung: Raphael Thelen, Journalist, in Bonn geboren, hatte im Mai einen Aufschrei in der erzgebirgischen Stadt verursacht. Auslöser war ein Interview, das er der Wochenzeitung "Die Zeit" gegeben hatte und in dem er der Stadt Aue attestierte, dass hier braunes Gedankengut allgegenwärtig sei. Unter anderem wegen eines Neonazi-Sternmarsches, der hier im April stattfand.

Thelen wurde dafür beschimpft und OB Kohl äußerte öffentlich seinen Unmut. Was erst jetzt bekannt wurde: Der Journalist bekam noch andere Post. Thelen dazu in seinem Blog: "Jemand schickte mir ein Glas voll Exkremente."

Die Stadt lud Thelen schließlich zu einem Podium ein und steckte dafür die Rahmenbedingungen ab: Nur Auer sollten Zutritt haben, wofür sich OB Kohl wiederum Kommentare unterhalb der Gürtellinie anhören musste. "Du blöder Drecks-Wessi lässt uns hier nicht rein", habe es am Telefon von einem Unbekannten geheißen.

"Wir wissen, dass rechtsextreme Ansichten in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind", sagt Kohl heute. Die Frage sei, wie man das wieder ändert. Die nächste Diskussionsrunde, bei der Heinrich Kohl abermals auf die Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung hofft, soll deshalb ohne Zugangseinschränkung offen sein. Kohl: "Das wird harte Arbeit, die Leute wieder zurückzugewinnen."

Thelens Fazit in seinem Blog: "Die Schreihälse der Neuen Rechten sind eine überlaute Minderheit, die unserer Gesellschaft ihren Stempel aufdrückt, Andersdenkende einschüchtert und Politiker vor sich hertreibt." Frank Richter von der Landeszentrale spricht in diesem Zusammenhang "vom moralischen Grundwasserstand, der gesunken zu sein scheint."

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