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Die Damen, die im "Kiss Club" in Potucky arbeiten, wollten sich nur von hinten fotografieren lassen. Hier an der Bar nehmen sie Kontakt zu Freiern auf.

Foto: Georg Ulrich DostmannBild 1 / 3

Tschechisches Rotlicht lockt Erzgebirger

Josef K. betreibt in Potucky an der Grenze zu Johanngeorgenstadt offiziell nur einen Stripclub. Hinter verschlossenen Türen bieten die Damen jedoch sexuelle Dienstleistungen an. Meist kommen die Gäste von deutscher Seite.

Von Georg Dostmann
erschienen am 06.12.2017

Potucky. Nachts parken vor allem Autos mit ERZ-Kennzeichen nahe dem "Kiss Club" im tschechischen Potucky, unweit der deutschen Grenze. Was ist das für ein Etablissement, das die Deutschen lockt?

Laute Musik dröhnt aus den großen Boxen, das Licht ist gedämpft, eine Frau mit langen Beinen tanzt leicht bekleidet und lasziv an der Stange. Einem vor ihr sitzenden Mann wirft sie ihren paillettenbesetzten BH zu. Die Männer haben ihren Spaß an der Strip-Show, der Beschenkte steckt der Dame einen Geldschein in ihren Stringtanga. An der Bar unterhalten sich unterdessen weitere Damen mit männlichen Gästen. Nachdem die Sektgläser ausgetrunken sind, überreicht ein drahtiger Mann mehrere Geldscheine an den 37-jährigen Josef K., der den Club betreibt und seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dann verschwindet der Drahtige mit einer Dame in einem der Nebenzimmer, die mit großen Betten ausgestattet sind - wie vor kurzem noch auf der Internetseite zu sehen war. Dass in diesem Club auch sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, ist offenkundig.

Der Bürgermeister von Potucky, Vlastimil Ondra, sagt: "Das Objekt, indem sich der Club befindet, gehört nicht zum Eigentum der Gemeinde Potucky. Wir können nicht ausschließen, dass in diesem Etablissement sexuelle Dienste angeboten werden. Wir haben auch keine Informationen darüber, ob der Betrieb einen Einfluss auf die Besucherzahlen von Potucky hat." Regelmäßige Polizeikontrollen sollen allerdings stattfinden. Dies bestätigt auch die tschechische Polizei. Katerina Böhmová von der Presseabteilung sagt: "Den Beamten im Karlsbader Bezirk liegen keine Beschwerden in Bezug auf den Club in Potucky vor. In unregelmäßigen Intervallen führen die Beamten dort Personenkontrollen durch." Was das Thema Prostitution anbelangt, so gebe es in der Tschechischen Republik keine Rechtsnorm dazu. Unter Strafe stünden allerdings Taten gegen die Menschenwürde im sexuellen Bereich - zum Beispiel Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch und Kuppelei. War die Geldübergabe an den Betreiber Kuppelei?

An Wochenenden besuchen laut Josef K. bis zu 30 Gäste seinen Club, wovon ein Großteil aus Deutschland kommt. Der Grund: Clubs auf tschechischer Seite seien wesentlich günstiger als vergleichbare in großen deutschen Städten. Außerdem gibt es im deutschen Erzgebirge keine ähnlichen Einrichtungen.

Bei Städten und Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern gilt in Deutschland ein Sperrbezirk, der Prostitution verbietet. Das ist im ganzen Erzgebirgskreis der Fall. Nur Annaberg-Buchholz hat etwas mehr als 20.000 Einwohner, aber auch dort ist kein Bordell bekannt.

"Die Gäste, die zu mir zu Besuch kommen, möchten Party machen, in Gesellschaft der Damen etwas trinken oder auch eine Stripshow genießen. Dabei besteht auch die Möglichkeit, mit der jeweiligen Dame ganz alleine zu sein", sagt der 37-Jährige. Fünf bis zehn Frauen arbeiten in seinem Club. Sie kommen ihm zufolge alle aus Moldawien und der Ukraine. Nur zwei bis vier Wochen seien die Frauen vor Ort, weil sie meist kein längerfristiges Visum bekommen. Der Club-Betreiber Josef K. sieht das als Vorteil: "Die Gäste bekommen dadurch immer wieder neue Damen zu Gesicht." Er macht keinen Hehl daraus, dass er mit den Frauen ein Geschäft betreibt.

80 bis 90 Prozent seiner Kunden sind Stammkunden, einige schon seit über zehn Jahren, erklärt er. Die Übrigen werden über die Leuchtreklame im Ort auf den Club aufmerksam. Er sagt: "Wenn das Geschäft weiter gut läuft, kann ich mir vorstellen, auch noch in ein paar Jahren hier zu arbeiten."

Der Club wurde 1992 eröffnet, 2006 übernahm er ihn von einem Freund, der sich zu alt für den Job gefühlt hatte, berichtet Josef K. Damals arbeitete er noch als Maler. Um mehr Geld zu verdienen, habe er "die Chance genutzt"und machte sich selbstständig. Seine Hauptaufgabe im Lokal liege hinter der Bar, von wo er einen Blick auf die Damen habe. "Meines Erachtens gehe ich einer ganz normalen Arbeit nach. Das Beste an meinem Beruf ist, dass ich immer hübsche Damen um mich herum habe", sagt Josef K. grinsend. Weniger schön findet der Familienvater, dass seine Gäste oft betrunken sind. Außerdem ärgert es ihn, wenn eine Gruppe von Männern nur ein Bier bestellt und die Damen aus der Ferne anschaut.

Über die Arbeitsbedingungen der Frauen im Club möchte er nicht sprechen. Die Angestellten selbst können oder wollen sich nicht äußern. Auch wenn sie viel scherzen - sind sie freiwillig hier, warum sind sie hier, wie viel verdienen sie und wofür? Josef K. sagt, sie würden kein Deutsch sprechen. Die deutschen Gäste wollen nicht reden.

Muss man sich Sorgen um die Frauen machen, die in diesem Etablissement arbeiten? Die hohe Fluktuation mit Angestellten, die nur bis zu vier Wochen am Ort bleiben, sei auch in deutschen Bordellen üblich, heißt es vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen. Der Verein setzt sich für die Entstigmatisierung von Sexarbeit ein, mit der die Mitglieder alle ihr Geld verdienen. Gerade ausländische Sexarbeiterinnen würden sich oft selbst wünschen, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen, um damit in die Heimat zurückzukehren. Allerdings seien die Arbeitsbedingungen für sie dort oft schlechter, wo Prostitution sich in einer gesetzlichen Grauzone abspiele - wie in Tschechien. Denn sie können sich dort im Ernstfall nicht auf Gesetze berufen, die sie schützen. (mit tlie)

 
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