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Nach Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung und Absolvierung der vorgeschriebenen Armeezeit bestand Eckhard Weißbach 1967 seine Meisterprüfung. jetzt bekam er dafür den Goldenen Meisterbrief.

Foto: Jens Uhlig

Anfang der 1950er-Jahre schwer: Als Junge Uhrmacher werden

Fast wäre es für ihn nichts mit dem Wunschberuf geworden. Letztendlich aber blickt der Thalheimer Eckhard Weißbach heute auf runde 50 Meisterjahre zurück.

Von Petra Wötzel
erschienen am 07.12.2017

Thalheim. Uhrmacher war Eckhard Weißbachs Wunschberuf, aber eine Ausbildung nicht so einfach möglich. "Eigentlich durften den Beruf 1953, als ich mit der Lehre begann, nur Mädchen lernen. Nur weil mein Vater, seit 1932 Uhrmacher mit eigenem Geschäft, beinamputiert war, bekam ich eine Ausnahmegenehmigung", erinnert sich der Thalheimer. Jetzt ist er als Anerkennung für 50 Jahre Arbeit im Handwerk mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt worden.

Das Meisterstück von damals besitzt er heute noch. Die Aufgabe war das Herstellen von mechanischen Teilen für eine Uhr. Das Werkzeug, einschließlich Pinzette und Lupe für die filigrane Handarbeit, mussten die zwölf jungen Leute selbst mitbringen. "Jeden Nachmittag wurden die angefangenen Teile eingesammelt, so konnte keiner zu Hause weiter dran arbeiten", erzählt der 78-Jährige. "Wir haben alle zusammen gehalten. Als einem Mädchen ein Fehler passierte, halfen wir ihr heimlich. Ihr Uhrwerk funktionierte am Ende wie das der anderen, alle bestanden die Prüfung".

Stolz auf die Meisterurkunde übernahm er im September 1968 das Geschäft vom Vater. Die eigentliche Selbstständigkeit verzögerte sich aber noch unfreiwillig. Er wurde für drei Monate in die Volksarmee zur Reserve eingezogen, erst kurz vor Weihnachten kehrte er zurück.

50 Jahre ist Eckhard Weißbach nun als Uhrmachermeister tätig. Ein Grund einmal zurück zu blicken Viel Spielraum für Kreativität und Individualität habe es bis zur Wende nicht gegeben, das meiste wurde zugeteilt. "Die Trauringe für unsere Hochzeit haben wir 1962 im heutigen Chemnitz gekauft. Mein Vater konnte zu dieser Zeit nicht mal für den eigenen Sohn welche beschaffen", erinnert sich Weißbach. Das Problem: Gold gab es nicht so einfach. Nur wer selbst welches beschaffen und abgeben konnte, bekam beim Juwelier, was er sich wünschte. Da ließ sich mancher etwas einfallen. Wie der junge Mann, der seiner neuen Freundin unbedingt eine Goldkette schenken wollte. Wegen der Absage habe er traurig das Geschäft verlassen. "Nach ein paar Stunden war er wieder zurück - mit Gold aus seinen eigenen Zähnen. Nach dem Umtausch des Zahngoldes in Schmuckgold haben wir ihm die gewünschte Kette angefertigt", erzählt der verheiratete Vater eines Sohnes. Der führt inzwischen den Betrieb weiter und biete mit der Restaurierung von alten Uhren einen speziellen Service an.

Ein Grund zur Freude war der Umzug des Geschäftes von der Uferstraße in die Salzstraße. Beim Neubau auf der grünen Wiese ging man einen ungewöhnlichen Weg. Zuerst war die in einem Geschäft in Coburg nicht mehr benötigte, hochwertige Inneneinrichtung da. "Sozusagen darum herum hat der Architekt das Gebäude geplant", erzählt Eckhard Weißbach, der hier mit seiner Frau noch jeden Tag stundenweise arbeitet und den Sohn unterstützt. "Das Geschäft hat sich verändert. Heute macht es uns das Internet schwer, das tut schon weh. Und es ist so viel Misstrauen unter den Kunden."

 
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