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Adolf Hennecke mit seiner Familie beim Mittagessen. Das Foto entstand um 1949.

Foto: Sammlung BergbaumuseumBild 1 / 2

Ein besonderes Stück Alltagskultur nach dem Krieg

Rund 60.000 Exponate zählt die Sammlung des Bergbaumuseums, nur ein Bruchteil davon ist in der Ausstellung zu sehen. Darum werden einzelne Stücke als "Objekt des Monats" vorgestellt. Aktuell ist es ein Fahrradreifen.

Von Viola Gerhard
erschienen am 09.02.2018

Oelsnitz. Was hat ein Fahrradreifen im Fundus des Oelsnitzer Bergbaumuseums zu suchen? Man könnte meinen, nichts. Aber dieser Reifen ist ein besonderer, denn zum einen konnte man ihn nie in einem Laden kaufen, weil er "Marke Eigenbau" ist, zum anderen ist das Teil nachweislich Adolf Hennecke zuzuordnen. Also jenem Bergmann, der im Oktober 1948 auf dem Karl-Liebknecht-Schacht des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers in einer Sonderschicht die Norm weit übererfüllte, damit sämtliche Rekorde brach und Auslöser für die sogenannte Aktivistenbewegung wurde. Darum hat der ungewöhnliche Reifen im Februar den Weg in die Vitrine für das "Objekt des Monats" gefunden, die sich im Treppenhaus im Rundbau befindet.

"Man verbindet mit Adolf Hennecke zumeist seine Sonderschicht, doch vergisst leicht, dass der berühmte Aktivist ein Mensch von nebenan war, mit all den Nöten und Sorgen eines Arbeiters nach dem Krieg", sagt Matthias Hempel, Mitarbeiter im Oelsnitzer Bergbaumuseum. Bevor sich aber Henneckes Leben infolge jener Schicht schlagartig änderte, habe er die gleichen Probleme wie sie gehabt: Den täglichen Kampf ums Überleben, die Frage, wo bekomme ich etwas zu essen her, wo Schuhe und Kleidung - und eben auch, wo einen Reifen fürs Rad.

Weil es nach dem Krieg nichts gab und de facto an allem Mangel herrschte, hatte zwangsläufig der Erfindergeist Hochkonjunktur: Adolf Henneckes selbst gebauter Fahrradreifen besteht aus 72 Gummi-Kegelstümpfen. Die haben an der dicksten Stelle jeweils einen Durchmesser von etwa 3,5 Zentimeter und sind eigentlich zum Verschließen von Weinballons gedacht. Miteinander verbunden wurden sie durch einen Stahldraht. "Der Reifen konnte so über die Felge gezogen werden, man musste ihn jedoch vermutlich noch mehrfach fixieren", erklärt Matthias Hempel. Der Fahrkomfort mit einer solchen Bereifung ließ sicherlich zu wünschen übrig, jedoch war so das Fahrrad wenigstens nutzbar. Hempel: "Ein einfaches, aber doch besonderes Stück Alltagskultur nach dem Krieg."

Seinen Weg ins Bergbaumuseum fand das Stück, nachdem Adolf Hennecke nach Berlin umgezogen war - auch eine Folge seiner Aktivistenschicht. Er hatte den Reifen im Keller seines Hauses zurückgelassen, wo man ihn später fand und schließlich dem Museum übergab.

 
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