Schweigemarsch, Protest und Polizisten

Abtreibungsgegner haben zum neunten Mal in Annaberg-Buchholz demonstriert. Rund 700 Menschen beteiligten sich am Samstag daran. Sicherheitskräfte setzten darauf, den Zug strikt von etwa 600 Gegendemonstranten zu trennen. Laut war es, aber es blieb friedlich. Auch wegen der 400 Polizisten vor Ort.

Annaberg-Buchholz.

Etwa 700 Menschen haben sich am neunten Schweigemarsch für das Leben in Annaberg-Buchholz beteiligt. Veranstaltet vom Verein Lebensrecht Sachsen, liefen die Gegner von Abtreibungen und Sterbehilfe am Samstagnachmittag vom Erzgebirgsklinikum bis zum Markt.

Das Bündnis Pro Choice Sachsen hatte dagegen schon im Vorhinein erneuten Protest gegen diese Demonstration angekündigt. Laut Polizei folgten dem rund 600 Teilnehmer. Bereits am Vormittag griffen Straßensperrungen in der Innenstadt, waren viele Beamte vor Ort. Insgesamt seien es rund 400 Einsatzkräfte gewesen, informiert Polizeisprecher Andrzej Rydzik. Die Versammlungen verliefen nach seinen Angaben friedlich und störungsfrei.

Die Gegendemonstranten wurden zunächst über eine andere Strecke geführt. Ab der Einmündung Felix-Weise-Straße/Adam-Ries-Straße nahe dem Gründerzentrum trennten dann nur noch wenige hundert Meter die beiden Lager, die hintereinander über die Wolkensteiner Straße zum Markt liefen. Während der Schweigemarsch still zum Zentrum zog, machten die Gegner mit lauten Rufen, Trillerpfeifen und Musik auf ihre Standpunkte aufmerksam. Das setzte sich auch während der Abschlusskundgebung des Vereins Lebensrecht Sachsen auf dem Markt fort.

Beide Lager kritisieren auf gegensätzliche Weise die Abtreibungspraxis in Deutschland, die mit den Paragrafen 218 und 219 im Strafgesetzbuch geregelt ist. Schwangerschaftsabbrüche sind demnach im Allgemeinen strafbar, aber unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Das gilt in der Regel in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft, wenn eine entsprechende Beratung stattgefunden hat und ein Arzt den Abbruch vornimmt. Auch die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche ist verboten. So war etwa eine Frauenärztin aus Gießen - der Fall sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen - im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie auf ihrer Internetseite über den Eingriff und andere Details informiert hatte.

"Je legaler Abtreibung ist, desto höher sind die Zahlen und umso einsamer die Frauen", sagte Alexandra Lindner, Vorsitzende vom Bundesverband Lebensrecht, bei der Abschlusskundgebung zum Schweigemarsch.

Begleitet wurde dies von Protestrufen der Gegendemonstranten wie "Mittelalter, Mittelalter". Sie setzten sich unter anderem für eine Legalisierung der Abtreibung ein. Weltweit würden jedes Jahr etwa 47.000 Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen sterben, informierte das Bündnis im Vorhinein. Die Demonstranten traten für die Abschaffung des Paragrafen 218 in Deutschland ein, außerdem für eine Aufhebung des Werbeverbots.

Alexandra Lindner kritisierte in ihrer Rede nach dem Schweigemarsch derartige Forderungen beziehungsweise Gesetzesentwürfe von Parteien. Die Veranstalter hatten zudem dazu aufgerufen, 400 leere Kinderwagen und Rollstühle auf den Annaberger Markt zu stellen. Diese sollten symbolisch dafür stehen, dass an jedem Arbeitstag in Deutschland 400 ungeborene Kinder "getötet" würden.

Am Ende kamen grob geschätzt etwa 100 Kinderwagen und Rollstühle zusammen. Als Abschluss der Kundgebung wurden mehrere Strophen des Liedes "Großer Gott, wir loben dich" auf dem Markt gesungen - erneut zeitweise begleitet von lauten Rufen der Gegendemonstranten.

Während die Kundgebung auf dem Markt sich gegen 16.30 Uhr auflöste, ging ein feministisches Straßenfest hinter dem Rathaus weiter. Es fand auf dem Parkplatz der Stadtverwaltung und auf dem Fleischerplatz statt, der mittels Papp-Schild an diesem Tag in "Platz der Emanzipation" umbenannt worden war. Laut Polizeiangaben blieb es auch dort friedlich, es sei generell zu keinen strafbaren Handlungen gekommen.

Zum Abschluss des neunten Schweigemarschs für das Leben gab Thomas Schneider, Vorsitzender des Vereins Lebensrecht Sachsen, den Termin für den zehnten bekannt. Dieser soll am 1. Juni 2019 in Annaberg-Buchholz stattfinden.

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