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Die Coin-Inspect-Maschine: Jonas Auerswald bedient sie testweise.

Foto: Jens UhligBild 1 / 2

Stollberger entwickeln die klügste Geld-Prüfmaschine

Ein einzigartiges Produkt, das reißenden Absatz findet: So umschreiben die Mühlbauer-Macher ihre neue Innovation. Sie soll auch Falschgeld besser erkennen können. Nur die Käufer selbst, die müssen geheim bleiben.

Von Jan Oechsner
erschienen am 19.08.2017

Stollberg. Geldbörsen, Automaten, Kassen, Banken: Fast 124 Milliarden Euro-Münzen sind derzeit im europäischen Währungsraum im Umlauf. So viele waren es noch nie.

Das ist schon eine satte Ansage. Vor allem dann, wenn Maschinen gebraucht werden, die alle diese Münzen nach und nach prüfen, davon alte oder verschlissene aussortieren sollen oder neue vor und nach ihrer Pressung ohne Wenn und Aber kompromisslos auf Qualität testen.

Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Coin Inspect, einer ganz neuen und laut Firmenaussage innovativen Münzinspektionsmaschine vom Stollberger Standort des Mühlbauer-Konzerns mit Hauptsitz im bayerischen Roding. "Es ist eine Entwicklung von uns und sie wird auch bei uns gefertigt", sagt Projektmanager Jonas Auerswald. "So etwas gibt es auf dem Markt sonst noch nicht." Das Unternehmen spricht offiziell von einer modularen, frei konfigurierbaren Maschine, die mit wenig Aufwand an spezifische Anforderungen der Münzinspektion angepasst werden kann.

Doch was kann die Maschine? Bisher war es so, wenn ein Staat Münzen herstellen wollte: Entweder, eine Maschine prüfte die Rohlinge der späteren Münzen - so genannte Blanks - von der Oberflächenbeschaffenheit bis zur korrekten Farbe nach dem Galvanisierungsprozess. Oder eine andere Maschine prüfte die Münzen nach ihrer Pressung auf die richtige Prägung der jeweiligen Währung, etwa ob dort Kratzer sind oder etwaige Details fehlen. Oder aber eine dritte Maschine kontrollierte bereits im Umlauf befindliche Münzen - auch hinsichtlich etwaiger Fälschungen.

Das alles gibt es aus Stollberg nun aus einer Hand, mit einer Maschine. Für jeden gewünschten Aufgabenbereich muss nur ein Lese-Modul mit einem anderen ausgetauscht werden - es können auch mehrere gleichzeitig geschaltet werden. "Das spart die Kosten für den Kunden in den Staaten, die zwei oder mehr Lösungen brauchen, um bis zu 40 Prozent", erklärt Auerswald. Hinzu kommt, dass ein Computer mit abgestimmten Daten gefüttert werden kann, wenn der Kunde spezielle Wünsche hat. Will er zum Beispiel bestimmte Münzen aus den 1970er Jahren prüfen, bekommt die Maschine eine sogenannte Erkennungsmatrix: Damalige Legierung, Durchmesser, Stärke, sonstige Besonderheiten der Münzen.

Die Stollberger hatten ihre Maschine erst Anfang des Jahres auf der "world money fair" vorgestellt, der Weltmesse rund um Geld und Münzen. Dort trifft sich fast alles - vom Numismatiker bis zum großen Konzern. "Unsere revolutionäre Mühlbauer-Maschine hat schon reißenden Absatz gefunden und ist bereits in Südamerika, Asien und Europa im Einsatz", sagt Regine Pflamminger von der Marketingabteilung im Haupthaus in Roding. Mit weiteren Abnehmern - vor allem in Europa - sei die Firma in engem Kontakt. "Genauer dürfen wir es noch nicht sagen, die Kunden sind sehr empfindlich", sagt Auerswald.

Die Coin Inspect, die bis zu 3000 Münzen oder Blanks in der Minute prüfen kann, ist übrigens ein richtiges Stollberger Kind: "Wir haben bei uns etwa sechs Monate benötigt, die Maschine mit Unterstützung aus unseren Standorten in Dresden, Hagen und Nitra zu entwickeln. Bei uns wird sie auch zusammengebaut", so Auerswald. Dafür braucht ein vierköpfiges Team etwa drei bis vier Wochen. Insgesamt sind es etwa 950 Fertigungsteile - Schrauben und Elektronikkomponenten nicht mitgezählt. Sie kostet in der Basisversion etwa 150.000 Euro.

Etwa 300 Leute arbeiten derzeit für Mühlbauer am Stollberger Standort, den es seit 1997 als Teil der internationalen Unternehmensgruppe Mühlbauer mit etwa 3000 Mitarbeitern weltweit gibt - in Serbien, China, USA, Slowakei, Malaysia. Die Konzernleitung hatte erst 2014 etwa 13 Millionen Euro in einen neuen Maschinenpark in Stollberg investiert.

Fälschungen von Münzen

Laut Bundesbank sind gefälschte Münzen nicht so häufig - zumindest in Deutschland. Laut der Behörde wurden im ersten Halbjahr 2017 rund 18.500 falsche Münzen im deutschen Zahlungsverkehr festgestellt. Im zweiten Halbjahr 2016 waren es noch 14.340. Damit fielen rein rechnerisch rund vier falsche Münzen pro 10.000 Einwohner und Jahr an.

"Laut Schätzungen ist jede dreißigste englische Ein-Pfund-Münze eine Fälschung", so Jonas Auerswald von Mühlbauer in Stollberg. Er spielt darauf an, dass das britische Schatzamt erst vor wenigen Monaten ein Lifting für das Ein-Pfund-Stück angekündigt hat: Nicht mehr rund, sondern zwölfeckig ist es. Unter dem Porträt der Königin, (wo ihr Dekolleté wäre) ist eine Art Hologramm eingeprägt. Je nach Blickwinkel sieht der Betrachter die Zahl eins oder das Pfund-Symbol. Kurz: ein Albtraum für jeden Fälscher, so die "Süddeutsche Zeitung" jüngst. Die Ein-Pfund-Münze ist seit 1983 nicht mehr aufgefrischt worden.

 

 
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