Zwickaus geheime Münze entdeckt

Die "Alte Münze" ist das älteste erhaltene Gebäude in Zwickaus Innenstadt. Die Geheimnisse des Hauses haben jetzt auch Einfluss auf die Stadtgeschichte.

Zwickau.

Geplant war lediglich die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes. Sensationelles hatte kaum jemand erwartet, als die Westsächsische Wohnungsbaugenossenschaft (Wewobau) 2010 das leerstehende Haus der früheren "Centralhalle" am Zwickauer Hauptmarkt kaufte und begann, es wieder herzurichten.

Doch schon bald wurden alle Pläne geändert. Immer mehr Fakten kamen ans Licht, die Denkmalforscher, Historiker und schließlich auch Münzexperten in Aufregung versetzten. Die Sensation förderte schließlich der Abriss einer nicht mehr zu rettenden Gewölbetonne aus dem 16. Jahrhundert zutage. Sie gab den Blick auf ein komplettes Geschoss eines historischen "Steinhuses" frei.

Fragen werfen Fragen auf

Die Entstehungszeit dieses technischen Bauwerkes wird auf das frühe 13. Jahrhundert geschätzt. An den Wänden mit insgesamt drei Rauchabzügen befand sich noch der Originalmörtel, der im Institut für Diagnostik in Halle an der Saale untersucht wurde. Die erste wichtige Erkenntnis: Im Mörtel wurden Spuren von Steinkohle gefunden. Das lässt den Schluss zu, dass bereits um 1190, nicht wie bisher angenommen ab 1350, in der Stadt Kohle abgebaut wurde. Damit gehört Zwickau definitiv zu den ältesten Steinkohlerevieren Deutschlands.

Die Existenz der Kohle an den Wänden des "Steinhuses" wirft weitere Fragen auf, deren Antworten erneut für Erstaunen sorgen. Wozu diente dort Kohle? Wozu die Luftabzüge? Und warum war der quadratische Raum zu einer Art Hochsicherheitstrakt ausgebaut? Das Haus am Zwickauer Hauptmarkt musste ein Geheimnis in sich bergen.

Eine Sensation birgt die nächste

Im eben erschienen Buch von Wewobau und Bauconzept kommt Licht ins Dunkel des Kellers. Norbert Oelsner vom Landesamt für Denkmalpflege geht davon aus, dass das Haus um 1200 der Herstellung königlicher Münzen diente. Das allein wäre schon eine Sensation, ging man doch bisher davon aus, dass in Zwickau frühestens ab 1437 Münzen geprägt wurden. Sollten die Forschungen die Sachverhalte bestätigen, gehörte Zwickau nach Altenburg zu den ältesten Münzprägestätten überhaupt. Wurden hier möglicherweise die ersten Silbermünzen geprägt?

Numismatiker Rüdiger Tanneberger, der sich nicht nur mit dem Sammeln von Münzen, sondern vielmehr mit deren Geschichte befasst, ist begeistert. Er hat die Geschichte der Münze aufgearbeitet und kann dieser nun ein weiteres Kapitel voranstellen. Tanneberger hofft, dass irgendwann einmal ein Münzschatz aus dieser Zeit auftaucht. Er geht davon aus, dass es sich dabei um Brakteaten handeln könnte. Das sind einseitig geprägte Münzen aus dünnem Silberblech, denen der Unterstempel fehlt. Diese Münzen waren um 1200 verbreitet. 1622 endete die Münzprägung in Zwickau.

Neuer Fakt für Geld-Geschichte

Das "Steinhus" bleibt für Historiker dennoch interessant. Bisher war die Fachwelt davon ausgegangen, dass keines der vor 1550 erbauten Münzgebäude erhalten ist. Das wäre damit widerlegt, und Zwickau verfügt über die älteste zumindest in Teilen erhaltene Münze Deutschlands.

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