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Kai Enger von der Sparkasse Mittelsachsen demonstriert eine Zählmaschine für Geldscheine. Hier werden die Scheine auf Echtheit und Beschädigungen überprüft und aussortiert.

Foto: ECKARDT MILDNER

Geldscheinprüfer sortieren Origami aus

Die Mode, Banknoten für Geschenke kunstvoll zu falten, bereitet Fachleuten Arbeit. In Mittelsachsen werden Tausende Euro deshalb pro Woche aus dem Verkehr gezogen.

Von Steffen Jankowski
erschienen am 13.06.2018

Freiberg. Im Internet wimmelt es von Anleitungen, wie Geldgeschenke überraschend gestaltet werden können. Die Tipps, wie aus Banknoten Häuser, Herzen, Hemden und Ähnliches gefaltet werden, füllen ganze Bücher. Für Kai Enger von der Sparkasse Mittelsachsen hat die monetäre Kreativität eine Kehrseite: Der zertifizierte Prüfer muss die geknickten Scheine aussortieren und gegen druckfrisches Geld austauschen. Genaue Zahlen nennt er nicht, aber so viel steht fest: Die Beträge gehen jede Woche in die Tausende Euro.

"Schon durch winzige Beschädigungen wie etwa kleine Risse oder eben das mehrfache Falten werden die Banknoten nicht mehr umlauffähig", erläutert der Fachmann. Das Geldschein-Origami, das beispielsweise in den Hochzeitsstrauß eingeflochten worden ist, wird den frisch Vermählten dabei mit vollem Wert erstattet. Es sei denn, es handelt sich um Blüten - Falschgeld wird ersatzlos eingezogen.

Letzteres komme aber nur sehr selten vor, erklärt Enger: "Die Sicherheitsmerkmale von Banknoten sind nicht so einfach zu kopieren." Zudem würden die Prüfgeräte immer besser und handlicher - inzwischen hätten selbst fliegende Händler entsprechende Technik an ihren Ständen auf dem Markt.

Für den Hausgebrauch empfiehlt der Sparkassenmitarbeiter: "Fühlen, sehen, kippen." So seien Teile der Schrift auf dem Spezialpapier einer Banknote herausgehoben, das Wasserzeichen im Gegenlicht erkennbar, und im Hologramm wechsle das Schriftbild aus verschiedenen Blickwinkeln. Wichtig sei, immer mehrere Merkmale zu prüfen. Kunden des Hauses könnten sich - beispielsweise beim Verkauf ihres Autos an einen Privaten - auch helfen lassen: "Sie können mit dem Käufer in unsere Filiale kommen, und wir lassen das Geld durch einen Automaten laufen - so haben beide Seiten Sicherheit", sagt Enger.

Abteilungsdirektor Klaus Borrmann begründet, warum das Angebot nicht für Kunden anderer Geldinstitute gilt: "Das Bargeschäft ist ein Vorteil von Filialisten, wie wir es sind." Immerhin ist Bargeld laut einer Studie der Deutschen Bundesbank nach wie vor das am häufigsten genutzte Zahlungsinstrument in der Bundesrepublik. 2017 seien 74 Prozent aller Transaktionen mit Banknoten und Münzen getätigt worden, heißt es in der Erhebung zum Zahlungsverhalten in Deutschland.

Beträge bis 5 Euro würden zu 94Prozent in bar beglichen, so die Analysten der Bundesbank, auch für Beträge bis 50 Euro werde in der Mehrheit der Fälle Cash eingesetzt. Allerdings sei der Bargeld-Anteil am Gesamtumsatz voriges Jahr erstmals auf knapp unter 50 Prozent gefallen, weil insbesondere größere Summen immer häufiger mit Karte oder online beglichen werden. Im Kommen sind Echtzeitüberweisungen via Internetbanking und Smartphone-App, bei denen Geldbeträge blitzschnell transferiert werden.

Während im Handel mehr und mehr das kontaktlose Bezahlen einzieht, bei dem entsprechend ausgerüstete Girokarten nur noch an das Lesegerät gehalten werden müssen, hat Kai Enger weiter auch mit ganz irdischen "Umgangsformen" beim Bargeld zu tun. So würden die Scheine zuweilen von Kindern bemalt und filetiert, vom Hund zerkaut oder im Schuh buchstäblich zertreten. Der bislang schwerste Brocken seien einbetonierte Münzen gewesen - ein Gag zum Polterabend.

Falschgeld hat 2017 einen Schaden von mehr als 80.000 Euro in Sachsen verursacht. Laut Landeskriminalamt waren am häufigsten gefälschte 50-Euro-Scheine (1136 Stück) und gefälschte 20-Euro-Scheine (328 Stück) aufgetaucht. Mit 533 Fällen wurden die unechten Banknoten am häufigsten in Leipzig entdeckt, gefolgt von Dresden (252) und Chemnitz (159). Bei Münzen sei die Tendenz rückläufig - von 2360 im Jahr 2016 auf 2110. Am häufigsten nachgemacht werde dabei das 2-Euro-Stück.

 
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