Briefmarkengestalter denkt mit 80 an Ruhestand

Der Chemnitzer Harry Scheuner hat in Auerbach aus seinem Berufsleben berichtet - und weshalb es der Moosmann nicht aufs Kuvert geschafft hat.

Auerbach.

Eine Ära geht zu Ende. Im Januar 2014 erschien Harry Scheuners jüngste Briefmarke - und möglicherweise auch die letzte. Im Alter von 80 Jahren will sich eines der Urgesteine aus der Briefmarkengestalter-Hochburg Chemnitz in den Ruhestand verabschieden. 40 Einzelmarken gelangten im Laufe seines Berufslebens in den Handel. Am Samstag erzählte er bei den Briefmarken- und Ansichtskartenfreunden Auerbach/Vogtland über seine Schaffenszeit.

Schon lange bevor der Grafikzeichner als freiberuflicher Briefmarkengestalter an den Start ging, kam er mit dem Genre in Berührung. Scheuner und der international bekannte Markengrafiker Manfred Gottschall bewohnten in Chemnitz das gleiche Haus. Neben seiner Arbeit auf dem Gebiet der Werbung und Illustration damit vertraut gemacht, entwickelte er Ende der 1970er-Jahre eigene Entwürfe. Pünktlich zur Leipziger Frühjahrsmesse gelangte die erste Scheuner-Marke mit eben jenem Themenbezug in die Postfilialen.

Seine größten Erfolge feierte Harry Scheuner mit jeweils einer Serie zur historischen Volkskunst der Lausitz und des Erzgebirges. Letztere bescherte ihm die "Goldene Briefmarke" als Auszeichnung. Auch einer vogtländischen Sagengestalt wollte der gelernte Grafikzeichner ein klebendes Denkmal setzen. Allerdings schaffte es sein Moosmänner-Entwurf 1989 nur bis in den Druck; die Wiedervereinigung verhinderte die für 1990 geplante Veröffentlichung. Ein ähnliches Schicksal ereilten zwei Olympiamarken im selben Jahrzehnt: Wegen des Boykotts zweier Olympischer Spiele fielen die Entwürfe aus der DDR dem Rotstift zum Opfer. Nach der Wende konnte sich Harry Scheuner weiter am Markt behaupten. Erst vor zwei Jahren erschien eine von ihm gestaltete Marke "175 Jahre Dampflokomotive Saxonia".

Die Frage, ob der Beruf heute noch als solcher existiere, konnte Scheuner bejahen. "Es gibt in Deutschland momentan 100 Briefmarkengestalter", sagte er. Die müssen nicht so viel praktischen Aufwand betreiben wie einst. "Wir haben damals alle Schriften in Einzelbuchstaben zu Papier gebracht, gedruckte Buchstaben zusammengeklebt und die Schriftzeichen in die Marken eingeklebt", berichtete er. "Aber wir konnten uns auch schon mit Reproduktionstechniken helfen." Werkzeuge von einst findet er auch in Computerprogrammen wieder, freut sich Harry Scheuner. Damit bearbeitet er heute seine Bleistiftzeichnungen.

Günter Feustel vom Gastgeber-Verein würde es gerne sehen, wenn sich der Trend zu Comic-Marken abschwächen und konkreten Anlässen Platz machen würde. "175 Jahre Deutsche Eisenbahn zum Beispiel. Da gibt es genügend Motive, die man bringen könnte", findet er. "Aber die Entscheidung liegt beim Kunstbeirat der Deutschen Post."

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