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Drei der zehn Busfahrerinnen im Göltzschtal am Rodewischer Busbahnhof. Von links: Romy Fischer (26) fährt seit 2014, Claudia Bräutigam (35) seit 2018 und Petra Sternkopf (57) ist seit 1997 Busfahrerin.

Foto: David RötzschkeBild 1 / 2

Frauenpower hinterm Steuer

Fuhren 1997 vier Busfahrerinnen durchs Göltzschtal, sind es heute schon zehn. Rückwärts einparken und schweres Schalten ist für sie ein Kinderspiel. Doch auch das Hören will beim Busfahren gelernt sein.

Von Kristin Vardi
erschienen am 17.04.2018

Rodewisch/Auerbach. Sie ist kaum älter als er: Romy Fischer (26) ist seit vier Jahren im Linienbusverkehr des Göltzschtals mit ihrem treuen Begleiter unterwegs. Er ist zwanzig Jahre alt, trägt die Farben rot und weiß und läuft noch mit Schaltgetriebe. "Ich hab meinen alten Bus richtig gern", sagt sie. Sie habe extra gefragt, ob sie ihn fahren könne, denn: "Mir macht das Schalten Spaß!"

Ihre Kollegin Petra Sternkopf (57) findet auch: Schalten tut gut. Aber mit ihrem neuen Automatik-Bus fahre es sich doch entspannter. Die Flotte der Göltzschtal-Verkehrs-GmbH (GVG) besteht heute fast nur noch aus Fahrzeugen mit Automatik-Getriebe, Busse mit Handschaltung sterben aus. Gelernt hat Petra Sternkopf das Schalten aber noch, damals, nachdem sie 1996 ihre Arbeit bei Aktivist Treuen verlor und in der Zeitung eine Anzeige fand: Bus und Lkw fahren lernen bei der Verkehrsakademie Plauen. Sie schlug dem Arbeitsamt vor, die Ausbildung zu machen. Die Behörde trug die Kosten. Sie lernte Lkw und Busse zu fahren.

Als sie 1997 als vierte Frau bei der Göltzschtal-Verkehrs-GmbH (GVG) unter Tino Dutzkys Vater schließlich angestellt wurde, fuhr sie einen echten Ikarus. Damals sei das Busfahren noch eine Männerdomäne gewesen. Aber blöde Sprüche habe es von den Kollegen nicht gegeben. Stattdessen viele Tipps, beispielsweise wie man sich als Fahrer bei starkem Schneefall verhält oder was bestimmte Geräusche bedeuten. "Oh, das ist die B-Achse. Die klappert, da ist der Kugelkopf kaputt", zitiert Romy Fischer scherzend die Auskenner. So erfahren sei ihr Gehör noch nicht, sagt sie, alles andere aber habe sie in der Ausbildung gelernt, wie man beispielsweise einen Reifen wechselt oder den riesigen Dieselfahrzeugen Starthilfe mit dem Startkabel gibt.

Die meisten Busse der Flotte sind zwischen acht und zehn Jahre alt und brauchten kaum Starthilfe. Peu à peu würden die ganz alten Busse ausgetauscht und die Flotte an die neuen Anforderungen angepasst: ein Bus muss sich absenken können und barrierefrei sein, so Tino Dutzky, Geschäftsführender Gesellschafter des Göltzschtalverkehrs. Dass man inzwischen so viele Frauen im Kollegium habe, sei Folge eines Genrationenwechsels, erklärt er. In den vergangenen zehn Jahren seien zwei Drittel des Bestandes altersbedingt ausgeschieden, in die Rente oder in den Vorruhestand. Sollte Rodewisch, so wie es aktuell geplant, in Zukunft Dreh- und Angelpunkt des Busverkehrs im Vogtland werden, dann würden sicher noch mehr Frauen Teil des Kollegiums werden, so Dutzkys Prognose.

Unter den Kollegen herrsche ein sehr angenehmes Klima, so Sternkopf. "Wir machen unseren Spaß untereinander und grüßen uns freundlich auf der Strecke mit Lichthupe", so Fischer. Und bringen auch die Fahrgäste gute Laune mit? Unsere Hauptfahrgäste sind Kinder und Rentner, so Claudia Bräutigam (35). Ärgerlich seien unfreundliche Mitfahrer oder Kinder, die sich nicht benehmen könnten, die durch den Bus rennen und sich an den Stangen entlang hangeln. Oder wie es vergangene Woche passierte: Teenager, die anfangen, im Bus E-Zigarette zu rauchen, erzählt Romy Fischer. Das gehe zu weit. Denn die meisten Fahrer fahren ihren Stammbus und fühlten sich für ihn verantwortlich. Auch werde der Stammbus ein bisschen persönlich eingerichtet und sauber gehalten: Nach Dienstschluss wird der Bus vom Fahrer ausgefegt, eventuell werden Öl und Wasser nachgefüllt, gelegentlich kommt der Bus auch in die Waschhalle. Auch Staub werde gewischt und die Scheiben geputzt - die Männer seien oft noch penibler als die Frauen, so Sternkopfs Erfahrung. So liebevoll gepflegt, verlässt der erste Bus das Depot in Rodewisch jeden Morgen gegen 4 Uhr - und am Abend halb neun kehrt der letzte zurück in die Bachstraße. "Dort haben unsere Busse einen überdachten ,Schlafplatz'", so Romy Fischer. Am nächsten Morgen vor Dienstbeginn nehmen sich die Fahrer erneut viel Zeit für ihren Bus. Eine Viertelstunde lang führen sie eine Abfahrtskontrolle durch: Reifen checken und Druck prüfen. Tropft es irgendwo, funktioniert die Beleuchtung, die Bremse und wie sind Öl und Wasserstand?

Die gelernte Restaurantfachfrau Romy Fischer hatte nach ihrer ersten Ausbildung noch eine zweite absolviert zur - so heißt es amtlich - Berufskraftfahrerin im Personenverkehr. Ihre Mutter ist Busfahrerin, ihr jüngerer Bruder ebenso - so habe sie gedacht: Das lerne ich jetzt auch. Von ihrer Familie gab es für diese Entscheidung viel Zuspruch.

Für die gelernte Mediengestalterin Claudia Bräutigam waren die Stufen in den Bus nicht ganz so beschwingt. Fahren und Motoren hätten sie schon immer interessiert. Als sie bei ihrer beruflichen Neuorientierung aufs Busfahren kam, reagierte ihr Umfeld zurückhaltend. Würde sie weiterhin ausreichend Zeit haben, um sich um den zehnjährigen Sohn zu kümmern? Wären die Dienstpläne denn familienfreundlich? Claudia Bräutigam entschied sich, ihren Traum wahr zu machen. Sie machte den Busführerschein und ein Praktikum. Schon nach einem Vierteljahr erhielt sie die Erlaubnis, Fahrgäste durch das Vogtland zu fahren. Inzwischen haben die Zweifler ihre Meinung geändert: "Sie finden gut, dass mir der Beruf so viel Freude macht, dass ich meinen Wunsch verwirklicht habe und mit Begeisterung auf Arbeit gehe", so Claudia Bräutigam, eine der zehn Frauen unter insgesamt 41 Kollegen im Streckennetz. Ein bisschen exotisch seien Frauen als Busfahrer aber immer noch. Erst kürzlich sei auf der Fahrt aus Rützengrün eine ältere Frau zu ihr nach vorn gekommen, um ihr zu sagen: "Ich bewundere Sie", freut sich die 35-Jährige.

Busfahrer werden: Die Ausbildung dauert je nach Vorkenntnissen drei bis zwölf Monaten und kostet 5000 bis 10.000 Euro.

 
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