Im Rebesgrüner Spitzenkleid auf dem Semperoper-Parkett

Die Robe aus Plauener Spitze ist ein einzigartiges Stück. Ihre Trägerin sieht den Semperopernball als Chance, mit vogtländischen Traditionen in Dresden zu glänzen.

Rebesgrün/Plauen.

Diesmal wird Beatrice Kober Ja sagen. Auf den Semperopernbällen der Vorjahre musste sie immer mit Nein antworten, wenn jemand fragte, ob sie als Plauenerin denn die berühmte Spitze trage. Am Freitag wird ihr Traum wahr: Das Spitzenmuseum leiht ihr für das hochkarätige gesellschaftliche Event eine Robe der Rebesgrüner Gerber Textil-Manufaktur.

Als das Kleid vor rund drei Jahren hergestellt wurde, hieß das Familienunternehmen noch Stickerei Gerber. Im September ging der Betrieb unter neuem Namen und mit neuer Führung aus der Firma hervor, die Insolvenz angemeldet hatte. "Dieses Einzelmodell wurde bisher nur auf der Fashion Week in Berlin getragen", sagt Jürgen Fritzlar, Vorstand des Fördervereins Plauener Spitzenmuseum. Und auf einem Pressetermin von Beatrice Kober, die sich 2013 um das Amt der Spitzenprinzessin beworben hatte.

Doch nicht jede kann sich im Museum solch ein kostbares Stück ausleihen. "Für eine Plauenerin, die auf dieses Großereignis geht, machen wir gern eine Ausnahme", so Fritzlar. Versichert sei die Robe mit 3300 Euro, falls sie beschädigt wird oder verloren geht.

"Ich habe mich sofort in das Kleid verliebt", erinnert sich Kober, während sie behutsam über das zarte Gewebe streicht: bestickter Sablé mit einem Blumenmuster, dazu ein überlanger Volant. Da heißt es aufpassen beim Gehen und Tanzen. Unterfüttert ist die Robe mit Polyester. "Sichtschutz", schmunzelt Fritzlar. Sonst sei das Kleid zu transparent für den Anlass. Kombinieren wird Kober es mit schlichten schwarzen Pumps, verrät sie. Das weitere Styling soll eher schlicht ausfallen, damit das edle Teil auch gut zur Geltung kommt. Vielleicht ein Dutt, vielleicht noch zwei Perlen-Ohrstecker. Bevor sie ins Kleid schlüpft, steht sowieso erst einmal Arbeit an. Denn zum bereits dritten Mal schminkt und frisiert die 31-Jährige vor Ort Ballgäste. Von 10 bis 18 Uhr. Danach wechseln sich die Styling-Experten beim Auffrischen der Besucher in der Lounge ab und stürzen sich selbst ins festliche Getümmel. Für Kober ist das schwarze Spitzenkleid nicht nur ein Traum zum Anziehen. Sie sieht den Ball auch als Chance, das Plauener Wahrzeichen und die geschützte Marke des Branchenverbandes Plauener Spitzen und Stickereien einem mode- und stilbewussten Publikum vorzuführen. Im Opernhaus werden 2500 Gäste erwartet. Und vielleicht bekommen das Kleid ja auch Millionen TV-Zuschauer zu sehen.

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