Stadt punktet bei Familienfreundlichkeit

Für Kinder entscheiden und trotzdem arbeiten - für Eltern oft ein Spagat. Auerbachs größter Arbeitgeber hilft dabei.

Auerbach.

In ihre Kindertagesstätten und Schulen hat die Stadt Auerbach in den zurückliegenden zehn Jahren die stattliche Summe von rund 25 Millionen Euro investiert. Das wissen auch die Auerbacher zu schätzen, die sich an der Umfrage der "Freien Presse" beteiligt haben. Die Qualität der Kindergärten und Schulen schätzten demnach über 40 Prozent als "Sehr gut" und "Gut" ein.

Für viele Arbeitnehmer ist es ein wichtiges Kriterium, dass sie in der Nähe von Wohn- oder Arbeitsort ihr Kind betreut wissen. Wichtig ist aber auch, die "Kinderfreundlichkeit" von Unternehmen. In der "Freie-Presse"-Umfrage gaben das viele als ein Kriterium an, das am ehesten Pendler überzeugen würde, wieder eine Arbeit in der Region aufzunehmen.

Wann ist ein Unternehmen kinder- und familienfreundlich? Der Deutsche Familienverband hat Kriterien formuliert. Einige davon sind: an den individuellen Zeitbedürfnissen der Familien die Arbeitszeit ausrichten, Elternzeit für Mütter und Väter in den ersten Lebensjahren der Kinder und danach familienorientierte Freistellungsangebote. Teilzeit wegen Elternschaft darf kein Hindernis für Karriere sein, der berufliche Wiedereinstieg muss funktionieren. Und: Familiengerechte Arbeitsorte wie Home Offices, familiengerechte Arbeitsorganisation, Hilfe bei Kinderbetreuung, finanzielle und sozialrechtliche Absicherung gehören dazu.

Vieles von dem setzt als Beispiel das Diakonische Werk in Auerbach um. Mit 500 Mitarbeitern ist es der größte Arbeitgeber der Stadt Auerbach. Vor allem in den Pflegeeinrichtungen wird 365 Tage im Jahr rund um die Uhr gearbeitet. "Um anderen zu helfen, brauchen wir ein durchgängiges Schichtsystem", sagt der geschäftsführende Vorstand Alexander Flachsbarth. Auch Frauen oder Männer, die kleine Kinder haben und in einer dieser Einrichtungen der Diakonie arbeiten wollen, müssen sich dieser Anforderung stellen. "Es geht nicht, dass eine junge Mutti mit Kind nur die Frühschicht machen kann, das würde zu Lasten der anderen Mitarbeiter gehen", erläutert Flachsbarth. Allerdings werden Dienstpläne langfristig geschrieben, man kann Wünsche für bestimmte Tage äußern. Im Einzelfall werde versucht, Mitarbeiter umzusetzen, wenn es problematisch wird, die Arbeitszeit mit den Bedürfnissen der Familie zu vereinbaren.

Die Diakonie ist einer der letzten Arbeitgeber in Deutschland, die ihren Beschäftigten noch einen finanziellen Zuschuss von 100 Euro im Monat pro Kind zahlt. Was vor Jahren in Westdeutschland eingeführt, aber von vielen aufgekündigt wurde, wird von der Diakonie weitergeführt, "weil wir sagen, dass die Kinder das Bedeutsamste sind für den Erhalt der Gesellschaft", nennt Flachsbarth die Motivation.

Die Diakonie hat seit 2007 einen eigenen Kindergarten. Ursprünglich als Betriebskindergarten gedacht, ist er heute für alle offen. "Das Projekt hat sich nicht so entwickelt, wie von uns gedacht. Für viele Arbeitnehmer passen Arbeitsweg und Weg zu diesem Kindergarten nicht zusammen", begründet Flachsbarth.

Bezahlt werden die Mitarbeiter nach der Arbeitsvertragsrichtlinie Diakonie Sachsen. Flachsbarth versichert, "dass der Verdienst gut ist". Das sei einer der Gründe, warum es der Diakonie bislang nicht schwer fällt, frei werdende Stellen neu zu besetzen. Wie eine Mitarbeiterbefragung der AOK vergangene Woche ergab, ist da aber noch mehr: 95 Prozent fanden die betrieblichen Rahmenbedingungen positiv. Dazu gehören Sozialleistungen, Urlaubsregelung, Regelung der Arbeitszeit und Sicherheit des Arbeitsplatzes.


Nachfrage steigt nochmals

Knut Kirsten ist Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Sport in der Stadtverwaltung Auerbach. Mit ihm sprach Heike Mann zum Thema.

Freie Presse: Von wie vielen potenziellen Arbeitnehmern geht die Stadtverwaltung für Auerbach aus, und wie viel Betreuungsplätze stehen für Kinder zur Verfügung?

Knut Kirsten: Sozialversicherungspflichtig sind nach Angaben der Arbeitsagentur 7181 Einwohner Auerbachs. In elf kommunalen und vier Einrichtungen in freier beziehungsweise privater Trägerschaft werden 1188 Betreuungsplätze angeboten. Laut der jährlich vom Vogtlandkreis erhobenen Bedarfsplanung liegt die Bedarfsdeckung in Auerbachs Kinderkrippen bei 77,2 Prozent, in Kindergärten bei 82,4 Prozent und im Hort bei 67 Prozent.

Wird das Angebot als ausreichend eingeschätzt?

Aufgrund steigender Geburtenzahlen wird die Nachfrage nach Krippen- und später Hortplätzen nochmals steigen. Aus diesem Grund wurden der Bau des Hortes Hinterhain und die Erweiterung der Kinderkrippenkapazität in der Kita Mischka beschlossen.

Die Qualität von Kindereinrichtungen und Schulen wurde in der Umfrage als gut und sehr gut gewertet. Wie viel hat die Stadt in den letzten Jahren in diesen Bereich investiert?

In den vergangenen Jahren für Schulen und Kindertagesstätten insgesamt 24,8 Millionen Euro. Die größten Projekte waren die Sanierung des Gymnasiums, der Oberschule Geschwister Scholl und der Diesterweg-Grundschule.

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