Bienen im Landkreis sind seit einem Jahr faulbrutfrei

Neun Sperrbezirke hatte es wegen der Krankheit in der Region gegeben. Seit 20. April 2017 sind alle aufgehoben. Doch das Veterinäramt warnt: Die Gefahr neuer Ausbrüche besteht weiter.

Zwickau.

Die Bienenvölker von Peter Gruner aus Mülsen St. Niclas sind gut durch den Winter gekommen. Bei dem warmen Wetter am Wochenende flogen die Insekten bereits fleißig zum Pollensammeln aus. Der erfahrene Imker, der auch als Bienenseuchengutachter für das Veterinäramt des Landratsamtes tätig ist, rät Züchtern, die Gesundheit ihrer Bienen jetzt sorgfältig zu prüfen.

Die Amerikanische Faulbrut, die im Herbst 2014 im Landkreis ausgebrochen war und sich von Crossen den Mülsengrund hinauf bis nach Wildenfels, Hartenstein, Langenweißbach und Kirchberg ausgebreitet hatte, gilt zwar seit 20. April 2017 als überstanden. Aber das Veterinäramt des Landkreises warnt: "Die Gefahr erneuter Ausbrüche besteht weiter, da es sich bei den Erregern um ein Sporen bildendes Bakterium handelt, das in der Umwelt Jahrzehnte überdauert."

Gruner weiß, dass nicht nur die Amerikanische Faulbrut gefährlich für die Bienen ist, sondern auch die Varroamilbe. "Diese sorgt dafür, dass die Bienen geschwächt und anfällig für Krankheiten wie die Faulbrut sind", sagt der Niclaser. Der Vorsitzende des Mülsener Imkervereins legt deshalb viel Wert auf eine gute Schulung der Mitglieder. "Im Dezember hatten wir beispielsweise Professor Hans-Hinrich Kaatz von der Universität Halle-Wittenberg zu Gast, um mit dem Experten über die Bienengesundheit zu sprechen", sagt Gruner. "A und O zur Vermeidung von Krankheiten ist die strenge Einhaltung aller Hygienevorschriften."

Das sieht das Veterinäramt genauso. Gemeinsam mit der Tierseuchenkasse bietet es deshalb regel- mäßig Schulungen für Imker an. Außerdem hat die Behörde Bienenseuchengutachter eingesetzt, die zwischen Callenberg und Crinitzberg flächendeckend im Landkreis tätig sind. Um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, brauchen Imker beispielsweise Gesundheitszeugnisse für die Völker, mit denen sie wandern wollen. Peter Gruner gehört zu jenen Experten, die solche nach gründlicher Prüfung der Völker ausstellen.

Aktuell gibt es im Landkreis 716Imker mit etwa 5400 Völkern. Das sind weniger als im vorigen Frühjahr. Landkreissprecherin Kerstin Scherff berichtet, dass etliche Bienenzüchter im Herbst Verluste zu verzeichnen hatten und die Imkerei zeitweise aufgaben. "Ein Teil davon beginnt aber erfahrungsgemäß im laufenden Jahr wieder mit der Bienenhaltung", sagt sie. Das kann Gruner bestätigen. "Die 35 Völker, die ich zum Verkauf an-geboten habe, sind weggegangen wie warme Semmeln", sagt er. Der Experte warnt Interessenten davor, Völker aus anderen Ländern zu kaufen. "Da kann es passieren, dass sich die Imker den Kleinen Beutenkäfer, einen Parasiten, gleich mit besorgen."

Der Niclaser freut sich, dass das Interesse an der Imkerei im Landkreis seit Jahren groß ist. Als er vor elf Jahren damit begonnen hatte, zählte der Mülsener Verein gerade mal zehn Mitglieder. Heute sind es fast 100. Seine Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene sind jedes Jahr ausgebucht, sagt er und berichtet, dass im April wieder welche beginnen. "Die meisten Teilnehmer sind zwischen 20 und 60 Jahre alt. Und die Honigproduktion steht nicht im Vordergrund", so seine Erfahrung. "Das ist für die Leute eher ein schöner Nebeneffekt. Einige wollen die Blüten der Obstgehölze in ihrem Garten bestäuben lassen, und viele, beispielsweise Ärzte und Ingenieure, sehen in der Bienenzucht einen Ausgleich für Stress im Beruf."

Imker-Schulungen für Anfänger und Fortgeschrittene beginnen Mitte April. Sie umfassen jeweils acht Wochenendtermine und laufen bis Dezember. Anmeldungen bei Peter Gruner unter Ruf 0152 53776853.

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