Die Welt schaut auf Waldenburger Sensationen

Mit 70.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sollen rund 500 Exponate digitalisiert und Forschern weltweit zugänglich gemacht werden. Ein Museum in Champagnerlaune.

Waldenburg.

So richtig fassen kann es Christina Ludwig, Leiterin des Museums und Naturalienkabinetts Waldenburg, immer noch nicht. Die frohe Botschaft aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung war für sie ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk: Das Museum bekommt 70.000 Euro aus dem Förderprogramm "eHeritage". Davon soll von Februar bis Oktober ein Konzept zur Digitalisierung aller Kunstsachen aus der Linck-Sammlung aus dem 17. und 18. Jahrhundert erarbeitet werden.

Dass ausgerechnet ein kleines Museum einer 4000 Einwohner Stadt in den Genuss einer Bundesförderung kommt, ist tatsächlich etwas ganz Besonderes - und für Christina Ludwig eine große Ehre. "Die Förderung ist wirklich außergewöhnlich, da normalerweise nur große Forschungs- und Universitätsmuseen solche Zuwendungen erhalten", freut sich die Museumschefin. In der Töpferstadt tritt zudem der Sonderfall ein, dass an die Förderung keine Eigenmittel geknüpft sind.

Durch Zufall ist Christina Ludwig vergangenen Sommer über den Newsletter des Bundesministeriums auf die Förderrichtlinie aufmerksam geworden. "Ich habe den Ausschreibungstext gelesen und ihn erstmal beiseite gelegt", erinnert sie sich. Denn ihr Projekt schien ihr chancenlos. Fünf Monate saß sie an dem Antrag, überarbeite ihn fünfmal und reichte ihn immer wieder ein. "Dabei habe ich viele Nerven gelassen", sagt die Museumsleiterin.

Am Ende hat sich die ganze Mühe gelohnt. "Mit dem Konzept wird eine große Lücke geschlossen", sagt Ludwig. Die Förderrichtlinie schließt nämlich alle naturkundlichen Exponate aus, die ohnehin schon gut erforscht sind. Der große Bestand an Kunstsachen wurde bisher nie bearbeitet. "Ohne Fördermittel hätten wir das auch niemals geschafft." Teilweise stammt die "aktuellste" Beschreibung zu den Exponaten aus dem 18. Jahrhundert.

Christina Ludwig weiß, dass viele Schätze von weltweiter Bedeutung darunter sind. Die Nachfragen von Forschern geben ihr recht. "Wir haben Anfragen aus ganz Europa und den USA", sagt sie. Den Wissenschaftlern soll durch die Digitalisierung der Objekte der Zugang über eine Datenbank ermöglicht werden. Denkbar sind zum Beispiel dreidimensionale Darstellungen, Oberflächen-Scans oder winkelgetreue Dokumentationen.

"Wir sind ein Museum im ländlichen, strukturschwachen Raum", sagt Ludwig. Da sei es schon schwer, Wissenschaftler aus Berlin zum Forschen in die Töpferstadt zu locken, weil die Reise zu aufwendig ist. Renommierten Forschern muss man daher die Objekte mit modernster Technik zugänglich machen. Eines davon wird die 400 Jahre alte Holzfigur einer Frau sein, die weltweit einzigartig ist. Welcher Meister sie gefertigt hat, ist aber immer noch unklar. Die filigranen Organe der Frau können einzeln herausgenommen werden. In ihrer Gebärmutter liegt ein Mini-Fötus aus Elfenbein.

Von den Fördermitteln aus dem Bundesministerium wird der Kunsthistoriker Thilo Habel finanziert, der gemeinsam mit Christina Ludwig das Konzept erarbeitet. Zusätzliche Expertisen will sich Ludwig durch Besuche in Digitalisierungszentren in der Schweiz und über externe Fachwissenschaftler holen.

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