Graf hat die Nase voll: Schäden gehen auf keine Kuhhaut

Abgebrochene Bäume, zerstörte Bänke - vom Ausflugsziel im Rümpfwald ist nur der Monolith übrig. Der Waldbesitzer will jetzt nur noch das Nötigste tun.

Glauchau/Lichtenstein.

Die Steinerne Kuh ist geduldig. Ihr würde vermutlich die Milch im Euter sauer werden, wenn sie ihr direktes Umfeld im Rümpfwald sehen könnte. Der touristische Anziehungspunkt hat gelitten. Hier fühlt sich offenbar keiner in der Pflicht.

Carmen Schauer aus Lichtenstein war schockiert, als sie mit ihrem Enkel das Ausflugsziel aufsuchte. Die Mängelliste geht auf keine Kuhhaut. Im Weg davor hat ein Harvester tiefe Spuren hinterlassen. Überreste einer Bank sind von zwei abgebrochenen Bäumen begraben, eine weitere ist nicht mehr benutzbar. Auf der Steinplatte im Boden, wo einst der Schriftzug "Steinerne Kuh" zu lesen war, lassen nur noch einige Punkte Schrift erahnen. Das im Boden eingelassene U-Eisen deutet darauf hin, dass sich hier eine Info-Tafel befand. Ein paar Meter entfernt lässt die windschiefe Schutzhütte darauf schließen, dass sich keiner mehr kümmert. Die Hütte am Abzweig vom Hauptweg ist zugewachsen. Teile der schützenden Dachpappe fehlen, der hölzerne Papierkorb daneben ist zusammengebrochen und samt Inhalt überwachsen. "Ich war einfach nur entsetzt", sagt Carmen Schauer. "Bis auf die Kuh selbst ist dort nichts mehr in Ordnung." Gern erinnert sich die Sprechstundenschwester an ihre eigene Schulzeit. Mindestens einmal im Leben sei jeder Lichtensteiner Schüler bei einem Wandertag an diesem Ausflugsziel unweit der Gaststätte "Zur Rümpf" gewesen. "So etwas muss man doch erhalten", ist Carmen Schauer überzeugt.

Doch genau dafür fühlt sich keiner mehr zuständig. Als Georg Graf von Schönburg-Glauchau vor 20Jahren den Wald gekauft hat, habe es bereits an der Steinernen Kuh kaum anders ausgesehen als jetzt, sagt der Waldbesitzer. Die umgestürzten Bäume und die vom Harvester eingedrückten Rillen seien kein Problem. "Dafür sind wir zuständig. Das ist noch eine Folge des Sturms Friederike, das lässt sich beheben", versichert der Schönburger. Neue Sitzgelegenheiten aufzustellen, lehnt er aber strikt ab. Der Grund: "Es wird einfach zu viel zerstört."

Ein Beispiel von Vandalismus hat er parat: Der Graf erzählt, dass Leute dabei beobachtet wurden, wie sie mit einem Seil einen Holztisch aus der Verankerung gerissen haben. Er habe nichts dagegen, wenn Heimatfreunde, Naturschützer, die Stadt oder ein Verein die Bänke erneuern und eine Infotafel mit dem Text der Sage aufstellen. Den Stein mit der unleserlichen Aufschrift würde er aber unangetastet als Denkmal so stehen lassen, rät er. "Mit zu viel Verbesserungswut kann man einem Denkmal auch die Ursprünglichkeit nehmen."

Kreiswanderwegewart Bernhard Müller ist derzeit wieder viel auf Kontrollgang im Wald. "Ich kontrolliere die Beschilderung, registriere die Schäden und melde sie weiter. Am schlimmsten sieht es immer nach Himmelfahrt aus", sagt der 74-Jährige. Er wäre glücklich, wenn ein Verein die Initiative ergreifen würde. "Wir als Wanderfreunde Glauchau haben nicht das Geld und die Mittel, um an der Steinernen Kuh etwas zu tun." Er bedauert: "Und das Landratsamt als Behörde stellt auf privatem Grund und Boden nichts auf."

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