Der Druck steigt

Das darf man sensationell nennen: Die Ruhrpott-Band Burning Down Alaska hat mit ihrem Debüt "Values & Virtues" die wohl beste Emo-Hardcore-Platte seit Bring Me The Horizon veröffentlicht.

Recklinghausen.

Wer gern Metalcore hört, braucht Ausdauer und Einfühlvermögen: Das Genre ist die nächste Schwemme seit dem Indie-Boom. Fabrizierten noch vor wenigen Jahren gefühlte zwei von drei Nachwuchsbands irgendwas zwischen Hives, Killers und Tocotronic, so versucht sich die Folgemusiker-Generation ähnlich zahlreich im Fahrwasser von Parkway Drive, Emmure oder Asking Alexandria an der beliebten Kreuzung von Metal und Hardcore. Erfolgreiche Szenebands rollen die großen und kleinen Festivals von unten auf, und Gitarrenhersteller müssen bei Einsteiger-Modellen zunehmend umsatteln: Statt Indie-Vintage-Instrumenten á la Gibson oder Fender sind vermehrt Metalcore-kompatible Musiksport-Marken wie Ibanez gefragt.

Das macht es für junge Bands nicht leicht: Das spielerische Niveau ist selbst in der unteren Klasse oft schon exorbitant hoch, und die stilistischen Verästelungen des Genres sind mittlerweile so inflationär ausgeleuchtet, dass es selbst mit hoher Qualität schwerfällt, sich eigenständig abzuheben. Umso bemerkenswerter ist da, was das Recklinghausener Quintett Burning Down Alaska wie aus dem Nichts soeben auf den Markt geworfen hat: Die mit acht Songs als EP kategorisierte Debütplatte "Values & Virtues" gehört kompositorisch schlicht zum Besten, was die Emotionsabteilung des Metalcore seit 2013 zu bieten hat: Die Platte kommt mit ihrer sagenhaften Hit-Dichte und einer ergreifenden Atmosphäre verblüffend nah an "Sempiternal" von Bring Me The Horizon heran - ein Gottalbum, dass im Metalcore einen ähnlichen Stellenwert hat wie Metallicas "Master Of Puppets" unter Metallern.

Burning Down Alaska hat gleich mehrere Trümpfe im Ärmel: Sänger Tobias Rische bringt es fertig, mit seiner irren Brüllstimme melodisch und verständlich zu singen, was den im Genre üblichen Zweitvokalist als Kontrastmittel überflüssig macht. Die beiden superben Gitarristen Marvin Bruckwilder und Dario Sanchez hören wohl noch sehr viel Indie und verzichten für klare Strukturen und kitschfreie Melodien selbstbewusst auf Griffbrett-Turnübungen. Und: Als Songschreiber sind sie Weltklasse, setzten statt auf Klang-Extremismus eine Schippe Thirty Seconds To Mars ein. Allein die Stücke "Phantoms", "Savior" und "Monuments", zu denen die Band saustarke Eigenbau-Videos am Start hat, genügen der Ewigkeit. Nur die Produktion lässt noch ahnen, dass die Jungspunde sich vor anderthalb Jahren erst gegründet haben! Alexander Dietz, Gitarrist der europaweit führenden Metalcore-Band Heaven Shall Burn, sieht in Burning Down Alaska die originellste Genre-Band seit Jahren, und auch das With-Full-Force-Festival hat zugegriffen: Die Recklinghausener werden zwischen dem 3. und 5. Juli dort neben In Flames, Parkway Drive oder Lamb Of God zu erleben sein.

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