Elektrische Schwingungen für die Welt

Auf der Internationalen Musikmesse ist mit dem neuen Synthesizer "14" die letzte Schöpfung eines der vielleicht am meisten unterschätzen vogtländischen Musikinstrumentenbauer vorgestellt worden.

Erlbach/Frankfurt (Main).

Es ist eine späte, aber um so schönere Genugtuung, dass Instrumente der Marke Vermona mittlerweile international für Aufsehen sorgen, wenn sie präsentiert werden: Synthesizer und andere elektronische Musikgeräte aus dem Vogtland standen, anders als traditionelle Klangerzeuger, zu DDR-Zeiten als erste symbolisch für die Mangelwirtschaft und litten im Ruf: Außer dem heutigen Rammstein-Keyboarder Christian "Flake" Lorenz, der einst auf einer in Schöneck gefertigten "Weltmeister"-Orgel seine musikalische Karriere begann, hat sich wohl kaum ein Ostmusiker vor der Wende je positiv über die Klangelektronik seiner Heimat geäußert.

Doch sowohl auf der NAMM-Show zu Jahresbeginn bei Los Angeles als auch auf der am Wochenende zu Ende gegangenen Internationalen Musikmesse in Frankfurt (Main) sorgte das neueste Gerät mit dem alten Logo für Aufsehen: Der "14" ist ein opulenter monophoner Analogsynthesizer mit sehr großem Klang. Das Gerät, einzeln von Hand hergestellt bei der Firma HDB aus Erlbach, ist zugleich auch ein Vermächtnis, stammt es doch im wesentlichen vom Synthesizer-Entwickler Bernd Haller, der am 11. Februar plötzlich verstarb. Der am 28. Juli 1951 geborene Markneukirchener war einer der führenden Musikelektronik-Köpfe beim VEB Klingenthaler Harmonikawerke und arbeitete in dessen Schönecker Vermona-Werk maßgeblich an den Instrumenten-Schaltungen. Sein Wissen bezog er vor allem aus dem Selbststudium klassischer Analoggeräte wie dem Moog, aufgebaut aus gelöteten Schaltungen. Der Entwicklung ab Ende der 70er, als japanische Digitaltechnik aus Spezialchips den Markt beherrschte, konnte man aber in der DDR zwangsläufig nicht folgen.

1990 war er Mitbegründer der Erlbach Firma HDB, die im Jahr 2000 die Markenrechte an Vermona kaufte und darunter neue Musikelektronik entwickelte: Plötzlich war die alte Analogtechnik wieder gefragt, und Haller konnte zeigen, was er draufhatte: Schöpfungen wie der Drumsynthesizer DRM 1 sind in der Szene legendär, das Gerät nutzt Oscarpreisträger Trent Reznor ebenso wie Star-Produzent Deadmau5.

Mit zehn Mitarbeitern fertigt HDB heute zudem Einzelmodule für Modularsynthesizer und Effektgeräte. Nur einen "echten" Bühnensynthesizer konnte man bis dato nie verwirklichen - das entsprechende Projekt "Mephisto" musste vor einigen Jahren eingestellt werden. Doch Haller hatte Lust auf so ein Instrument - und packte alle Erfahrung, allen Geist, alles Können in den "14". Den Kampf gegen den Krebs verlor er erst, als er damit fertig war.

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