Für Oberschulen bewerben sich nur wenige ausgebildete Lehrer

Am 1. Februar müssen in Sachsen 660 Lehrerstellen neu besetzt werden. Dafür gibt es 2097 Bewerber. Das ist aber nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht.

Dresden.

Sachsen kann den Lehrermangel weiter nur durch einen besonders hohen Anteil an Seiteneinsteigern ausgleichen. Für die ab 1. Februar neu zu besetzenden 660 Lehrerstellen meldeten 2097 Bewerber Interesse an, wie das Landesamt für Schule und Bildung der "Freien Presse" mitteilte. Darunter befänden sich exakt 323 ausgebildete Lehrer.

Von den verbleibenden 1774 Interessenten könnten 1472 ein "Hochschulstudium mit entsprechender Fachzuordnung" vorweisen, sagte Behördensprecher Roman Schulz. Er hatte zuerst in der "Sächsischen Zeitung" versichert: "Wir gehen davon aus, dass wir alle frei werdenden Stellen besetzen können."

Dies könnte trotz der großen Gesamtbewerberzahl schwer werden. So fanden von den 150 Stellen, die "schulscharf" an Einrichtungen ausgeschrieben waren, nur 29 das Interesse der Lehrer-Bewerber. Zudem gab es auch insgesamt nur für die Gymnasien deutlich mehr ausgebildete Bewerber (197) als Stellen (92). Bei allen anderen Schularten ist das Verhältnis anders: Für die 83 Stellen an Förderschulen meldeten sich 22 Bewerber, auch an den Grundschulen (56 Lehrer für 217 Stellen) und Oberschulen (22 Lehrer für 208 Stellen) werden die Lücken vorwiegend durch Seiteneinsteiger gestopft.

Hinzu kommen die regionalen Vorlieben der Bewerber, die nicht dem Bedarf entsprechen: Für den Landesamt-Regionalbezirk Bautzen haben sich laut Schulz 18 grundständig ausgebildete Lehrer beworben, im Bezirk Chemnitz waren es 30 und in Zwickau 32, während sich für den Raum Dresden 86 Interessenten meldeten. Die anderen 157 - also fast die Hälfte der ausgebildeten Lehrer - wollen nach Leipzig.

Auch in den vergangenen Schuljahren war Sachsen bereits auf Seiteneinsteiger angewiesen. Als Ausweg aus der Misere hatte Ex-Kultusminister Frank Haubitz (parteilos) nicht nur die Einführung der Verbeamtung empfohlen, sondern auch mehr Anreize für Vollzeitjobs. Fast 11.000 der mehr als 32.000 Lehrer arbeiten demnach bisher in Teilzeit.

Haubitz hatte zudem darauf verwiesen, dass zur Abdeckung des Unterrichts zusätzlich 1000 Stellen nötig wären. Auch Linke-Bildungsexpertin Cornelia Falken kritisierte, dass "viel zu wenige Stellen ausgeschrieben" worden seien. "Das Kultusministerium muss dafür sorgen, dass fließend eingestellt wird und nicht nur zweimal im Jahr", forderte die Oppositionspolitikerin.

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2Kommentare
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    HHCL
    06.01.2018

    Es muss natürlich heißen: ...dass man zu wenige OberSCHULlehrer und deutlich zu viele Gymnasiallehrer hat, passiert gar nichts.

  • 8
    1
    HHCL
    06.01.2018

    Statistik ist geduldig! Dieses Lehrerungleichgewicht ist seit Jahren bekannt und außer der immer wiederkehrenden Feststellung, dass man zu wenige Oberstufenlehrer und deutlich zu viele Gymnasiallehrer hat, passiert gar nichts. Es wird noch nicht einmal nach Gründen gesucht; zumindest liest man davon kaum etwas. Warum sind die umbenannten Mittelschulen (Reine Augenwischerei für die Bevölkerung, selbst auf den gültigen Lehrplänen steht noch Mittelschule.) denn so unattraktiv? Herrscht dort das Chaos? Bekommt man weniger Geld? Hat man größere Klassen? Man hat nicht das Gefühl, dass sich in Dresden jemand diese Fragen stell. Gym-Lehrer können ja eigentlich in fast allen Fächern (außer denen, die es am Gymnasium einfach nicht gibt) problemlos an Mittelschulen eingesetzt werden. Warum ist das für diese so unattraktiv? Hier wird seit Jahren der Missstand verwaltet, sich öffentlichkeitswirksam und ergebnislos gewundert und dann geht das ganze von vorne los. So wurde in den letzten DDR-Jahren auch regiert. Ich bin gespannt auf den Wahlausgang in ein paar Monaten. Da werden in Dresden wahrscheinlich tonnenweise Schuppen von den Augen fallen und CDU-Leute, die sich unverzichtbar am Königshof wähnen, ganz blass vor sich ins Leere starren. (Ungefähr so, wie Frank Heinrich im September: https://www.freiepresse.de/DYNIMG/79/84/6047984_W620.jpg) Sonderlich wirksam war der Warnschuss "Bundestagswahl" leider nicht. Neues Make-up drauf und selbstherrlich weiter gewurschtelt; so wird das nichts! Ich frage mich auch, wie Lehrer, die seit Jahrzehnten vom Freistaat aus Kostengründen in die Teilzeit gezwungen wurden, nun am Ende ihres Arbeitslebens wieder 100% arbeiten sollen. Mit 60+ reduziert man für gewöhnlich eher und packt nicht noch 'ne Schippe drauf. Die meisten alten Kollegen werden das nicht mehr leisten können, sich aber aus antrainiertem Pflichtbewusstsein doch dazu überreden lassen. Der Krankenstand wird die dazugewonnenen Stunden ganz schnell dahinschmelzen lassen. Wir brauchen attraktive Bedingungen für junge Lehrer. Und zwar schnell, damit sie sich von den alten noch etwas abgucken können. Nur mit der Uni-Ausstattung sind die meisten für das Klassenzimmer nämlich ziemlich schlecht gerüstet. Dazu müssen endlich für ALLE Schulformen die Bedingungen geschaffen werden. Der Glaube, dass es schon ein Privileg sei an einer sächsischen Schule arbeiten zu dürfen und man dafür gern deutlich schlechtere Bedingungen in Kauf nimmt als in allen angrenzenden Bundesländern, erweist sich seit Jahren als Dresdener Hirngespinst. Kommt endlich von eurem hohen Ross herunter; ihr seid nicht August der Starke.



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