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Er war sichtlich gerührt, als ihm seine Mannschaftsgefährten des BSC Rapid eine großzügige Spende übergaben: David Duran (2. von rechts) wird seitBekanntwerden seiner schweren Krankheit viel Unterstützung zuteil, und das längst nicht nur aus dem eigenen Verein.

Foto: Andreas Seidel

Bewegende Momente bei BSC Rapid Chemnitz: Krebskranker Spieler zu Besuch

Der tschechische Fußballer David Duran ist beim Heimspiel seines Vereins gegen Niesky zu Gast gewesen - und fuhr mit der Gewissheit heim, seinen schweren Kampf auch künftig nicht allein austragen zu müssen.

Von Mario Schmidt
erschienen am 14.11.2017

0:0, den Heimsieg verpasst. Normalerweise hätte das Endresultat des Fußball-Landesligaspiels zwischen dem BSC Rapid Chemnitz und Eintracht Niesky für Verärgerung bei den Gastgebern gesorgt. Doch am Sonntag wurde das sportliche Ergebnis zur Nebensache. Grund war der Besuch eines jungen Mannes, dem im Frühsommer dieses Jahres eine schreckliche Diagnose mitgeteilt worden ist: Der Tscheche David Duran, seit Saisonbeginn 2016/17 beim BSC Rapid unter Vertrag, kämpft seitdem gegen eine heim- tückische Krankheit.

Es begann mit Rückenschmerzen, deren Ursachen für seinen Arzt zunächst ein Rätsel waren. Eine Computer-Tomografie brachte die schockierende Erkenntnis, dass der 26-Jährige an Hodenkrebs erkrankt ist. "Seitdem habe ich vier Chemotherapien hinter mir", berichtete David Duran im Gespräch mit der "Freien Presse". Vor einem Monat sei er aus dem Krankenhaus in Usti nad Labem entlassen worden. "Große Schmerzen habe ich nicht mehr. Das war vor einigen Wochen noch ganz anders, da konnte ich nicht einmal laufen", sagte der zweifache Familienvater. Demnächst müsse er eine Operation über sich ergehen lassen. Neben dem Hodenkrebs sei in der Bauchhöhle ein 18 Zenti- meter großer Tumor festgestellt worden. "Zudem ist David an Thrombose erkrankt. Dabei wurde die Lunge angegriffen. Es war fünf vor zwölf, als das festgestellt wurde", berichtete Jiri Jedinak, der ebenfalls bei Rapid spielt und seinen tschechischen Landsmann im Vorjahr nach Kappel geholt hatte. Jedinak telefoniert häufig mit seinem schwer erkrankten Teamgefährten, der in Litvinov zu Hause ist.

Seit Bekanntwerden des Krebsleidens erfährt David Duran eine Solidarität, die ihn und seine Angehörigen stark berührt. Beim BSC Rapid hatte man sich entschlossen, das Schicksal des jungen Mannes öffentlich zu machen - mit dem Ziel, Spenden für ihn und seine Familie zu sammeln. Duran ist selbstständiger Taxifahrer und hatte zumindest in den ersten Monaten nach seiner Erkrankung kein Einkommen. Was ihm seitdem an Hilfe und Unter- stützung zuteil wurde, übertraf die kühnsten Erwartungen. Am Sonntag vor der Partie gegen Niesky übergaben ihm seine Mitspieler einen Scheck in Höhe von 4300 Euro. Duran wusste gar nicht so recht, wie er sich bedanken sollte. Landsmann Jedinak betonte unterdessen: "Hut ab vor den Leuten in Deutschland. Viele kennen David Duran gar nicht und haben trotzdem für ihn gespendet", so der sichtlich gerührte Tscheche.

Nicht nur aus den Reihen des BSC hat Duran viel Unterstützung erfahren. Auch sein Ex-Verein Stahl Riesa sammelte Geld, genauso wie Landesligist FC Lößnitz und zahlreiche Chemnitzer Vereine. Rapid-Mannschaftsleiter Carsten Molch, der die Spendenaktion koordiniert, erinnerte an ein Kreisoberliga-Spiel zwischen der zweiten Kappler Mannschaft und dem CSV Siegmar. "Die Siegmarer haben spontan 150 Euro aus ihrer Mannschaftskasse für David Duran gespendet. Das hat uns sehr bewegt", sagte Molch. Auch der CFC beteiligte sich an der Hilfsaktion für "Dzeko", wie der Spitz- name des 26-Jährigen lautet. Die Himmelblauen stellten ein von allen Profis unterschriebenes Trikot aus dem DFB-Pokalspiel gegen Bayern München zur Verfügung, dessen Versteigerung bei Ebay satte 350 Euro einbrachte, wie Molch berichtete. Er engagiere sich gern für den tschechischen Spieler, den er wegen seines Charakters schätzen gelernt habe. "Dzeko ist ein herzensguter, liebenswerter Mensch", so der Mannschaftsleiter.

Auch BSC-Trainer Thomas Schreyer wünscht sich eine schnellstmögliche Genesung von Duran, der auf dem Fußballfeld in der Defensive zu Hause ist. "Wir brauchen ihn als Mannschaft. Er würde unserer Abwehr wieder mehr Stabilität verleihen", sagte Schreyer. Gegen Niesky kassierten die Kappler zwar keinen Treffer, in den Wochen davor waren es aber ein paar Gegentore zuviel.

David Duran hätte sicher nichts dagegen, in einigen Monaten wieder auf dem Platz zu stehen. Vorher muss er aber den bisher schwersten Kampf seines jungen Lebens gegen den Krebs gewinnen. "Einen herz- lichen Dank für alles. Nicht nur für die Spendengelder, sondern auch für die vielen aufmunternden Nachrichten, die nach wie vor auf meinem Handy eingehen", sagte Duran. Das sei wichtig für ihn, um weiterhin positiv zu denken. "Ich weiß dadurch, dass ich bei meinem Kampf gegen die Krankheit nicht allein bin", fügte der Familienvater hinzu.

 
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