CFC-Stimmungsbarometer am Tiefpunkt

Nach der 0:3-Klatsche bei Fortuna Köln schwimmen den Chemnitzern die Drittliga-Felle davon. Die Partie am Rhein zeigte die Schwächen der Himmelblauen einmal mehr deutlich auf.

Dass die Profis des Chemnitzer FC wieder einmal richtig nass gemacht wurden, hatte nichts mit den Regenschauern zu tun, die während der Partie über dem Kölner Südstadion niedergingen. Vielmehr waren es erneut sportliche Gründe, die das Stimmungsbarometer am Mittwochabend auf den Tiefpunkt sinken ließen. Das Team von Chef- trainer David Bergner war mit viel Optimismus und schönen Worten von Stürmer Daniel Frahn ("Es gibt jetzt keine Ausreden mehr.") Richtung Domstadt aufgebrochen - um sich eine 0:3-Klatsche gegen Fortuna Köln abzuholen. Damit werden die Sorgen des Fußball-Drittligisten im Tabellenkeller immer größer, denn der Abstand zum rettenden Ufer beträgt jetzt schon acht Zähler. Und die Konkurrenz schläft nicht, sondern punktet.

"Es ist schwierig, Worte zu finden. Eigentlich kann ich nur mit dem Kopf schütteln", sagte Kapitän Marc Endres wenige Minuten nach dem Abpfiff. "Wir hatten uns so viel vorgenommen. Doch dann hat man gesehen, wie schnell es im Fußball gehen kann", sagte Endres hinsichtlich der ersten Spielminute: Schon nach 35 Sekunden lagen die Himmelblauen 0:1 hinten. Zu diesem Zeitpunkt schien das Team gedanklich noch gar nicht auf dem Platz zu sein. Und das Trauerspiel setzte sich fort: Nach einer reichlichen Viertelstunde stand es 0:2, und spätestens in der 31. Minute war die Begegnung mit dem dritten Kölner Treffer entschieden. "Danach war es natürlich schwierig, zurückzukommen, auch wenn wir uns nicht hängen ließen. Aber das hilft uns in unserer Situation nicht weiter", sagte der Innenverteidiger und fügte hinzu: "Wir hätten auf jeden Fall den einen oder anderen Standard besser verwerten können. Am Ende bleibt es bei einem Ergebnis, das für uns extrem bitter ist."

Insbesondere im ersten Durchgang offenbarte die Abwehr der Chemnitzer erneut große Schwächen, blieb den Nachweis der Drittligatauglichkeit schuldig. "In Summe haben wir es Köln viel zu leicht gemacht", fasste Endres zusammen. In der Offensive blieb der CFC bemüht, doch den Aktionen fehlte es ebenfalls an der letzten Konsequenz und erforderlichen Präzision. Immerhin standen die Chemnitzer Kicker nach dem Seitenwechsel etwas kompakter als in der ersten Hälfte.

Das lag aber auch am Gegner - die Kölner hatten bereits deutlich Dampf aus dem Kessel genommen. "Unmittelbar nach dem Spiel auf den Tisch zu hauen, bringt sicherlich gar nichts, weil jeder mit sich selbst beschäftigt ist. Aber wir müssen die Fakten knallhart ansprechen, da dürfte es auch etwas lauter werden", kündigte der Mannschaftskapitän an. Auf die Frage, ob der Liga-Verbleib für den CFC noch realistisch ist, antwortete der 27-Jährige: "Wir sind verdammt dazu, unsere Heimspiele zu gewinnen. Da müssen jetzt ganz schnell Punkte her." Man werde am Sonntag an der Gellertstraße gegen den Halleschen FC nicht gewinnen, wenn man jetzt die Köpfe hängen lässt, ergänzte Endres.

Trainer Bergner hatte die eklatanten Abwehrschwächen immerhin erkannt, zugleich eine zweistellige Anzahl von Aktionen seiner Mannschaft im gegnerischen Strafraum gezählt. "Aber es ist bezeichnend für unsere Situation, dass wir daraus kein Kapital schlagen konnten", sagte der Coach. Dazu zählte eine Szene in der 68. Minute, als der kurz zuvor eingewechselte Okan Aydin seinem Teamkollegen Myroslav Slavov die Kugel mustergültig servierte, doch Letzterer den Ball in zentraler Position nicht verwerten konnte.

"Die gesamte Woche arbeiten wir im Training hart, nehmen uns was vor und sind motiviert. Und dann geht das Spiel los und es steht 0:1", meinte Slavov später ebenfalls kopfschüttelnd. "Man kann sicherlich keinem den Willen absprechen, doch unser schlechtes Abwehrverhalten zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Und die Spiele werden immer weniger", sagte Slavov.

Tickets Am Sonntag ab 14 Uhr empfängt der CFC im Stadion an der Gellertstraße den Halleschen FC. Eintrittskarten für diese Partie sind in den Shops der "Freien Presse" erhältlich.


Kommentar: Blamabel für die Stadt

Von Mario Schmidt

Die Leistungen des Chemnitzer FC in dieser Saison - sofern der Begriff Leistung überhaupt noch angebracht ist - schaden nicht nur dem Verein, der finanziell ums Überleben kämpft. Als Schießbude der Dritten Liga blamieren die Himmelblauen die gesamte Stadt. Der höchstklassige Fußball-Klub ist stets auch ein Marketingfaktor für eine Region, sollte ein Aushängeschild sein. Erst recht, wenn wie im Falle von Chemnitz 27 Millionen Euro Steuergeld in eine neue Arena investiert wurden.

Was der CFC im Gegenzug sportlich anbietet, ist eine Zumutung und zugleich ein Schlag ins Gesicht von Sponsoren, Nachwuchstrainern und ehrenamtlichen Helfern. Auch anderen Fußballvereinen der Stadt erweisen die Drittliga-Profis einen Bärendienst. Im Kampf um Nachwuchs mit anderen Sportarten setzen die kleineren Gemeinschaften auch auf die Vorbildrolle des CFC. In dieser Hinsicht werden sie zurzeit jedoch im Stich gelassen. Die erhoffte Fußball-Euphorie, die mit dem neuen Stadion Einzug halten sollte, ist längst Frustration gewichen. Statt künftiger Spiele in Liga zwei, für die das Stadion eigentlich gebaut wurde, dürfte es bald gegen Mannschaften wie Neugersdorf und Altglienicke gehen.

Die Tabellensituation der Himmelblauen ist ein Spiegelbild dessen, was sich in jüngster Vergangenheit an Chaos in den Führungsgremien abgespielt hat. Bleibt zu hoffen, dass sich die Mannschaft erhobenen Hauptes aus Liga drei verabschiedet und der Stadt Chemnitz weitere Blamagen erspart.

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