Der CFC-Chef im Kapuzenpulli

Andreas Georgi leitet seit Februar den Vorstand des Chemnitzer FC. "Freie Presse" hat ihn beim Spiel eins nach der Insolvenz begleitet. Und einen Mann erlebt, den die Fans als "einen von uns" feiern.

Samstagnachmittag, Arena an der Gellertstraße. Das erste Spiel des Chemnitzer FC nach dem Insolvenzantrag wird in einer Stunde angepfiffen. Andreas Georgi steht im Eingangsbereich der VIP-Zone. Seit Februar ist er Präsident des CFC. Vor vier Tagen hat er im nur wenige Meter entfernten Presseraum die Nachricht von der Pleite des Clubs verkündet. Jetzt begrüßt er gemeinsam mit dem neuen Vorstandskollegen Thomas Uhlig die Gäste persönlich. "Wenn jemand Fragen hat, soll er fragen", sagt er. Der 50-jährige Rechtsanwalt trägt Turnschuhe, Jeans und einen Kapuzenpulli. Auf den ersten Blick passt er hier nicht hin. Aber er will hier sein. Er muss hier sein. "Ich will mich nicht vor der Verantwortung drücken", hat er jüngst geantwortet, als er gefragt wurde, warum er sich das antut. "Ich bin seit Jahren Fan. Und ich will, dass der CFC wieder auf die Beine kommt."

So oder so ähnlich äußert sich Andreas Georgi auch vor den Kameras der TV-Stationen. Eine Viertelstunde vor Anpfiff der Partie gegen Meppen steht er im Innenraum des Stadions Rede und Antwort. Den Einlauf der Mannschaft verfolgt er noch aus nächster Nähe, anschließend geht es auf die VIP-Tribüne. Zwei Plätze neben ihm sitzt Klaus Siemon - der Rechtsanwaltskollege wurde zum Insolvenzverwalter bestimmt. Es gibt viel zu bereden. Die Situation um Vermarkter Infront zum Beispiel. An diesem Samstag übernimmt der Verein die Betreuung der Sponsoren und ähnliche Aufgaben selbst. "Weil die Zeichen auf Vertragsauflösung stehen. Das liegt aber nicht in unserer Hand", sagt Georgi. "Das macht der Insolvenzverwalter." Jetzt ist aber erst einmal Fußball. Der CFC geht mit 0:1 in die Halbzeitpause. Und für den Vereinschef geht es auf die "Süd".

"Seit vielen Jahren stehe ich mit meinen Kumpels zwischen den Fans auf der Südtribüne", sagt Georgi. "Das lasse ich mir auch jetzt nicht nehmen." Als Präsident könnte er die Abkürzung durch den Innenraum nehmen. Das kommt aber nicht infrage. "Mein Eingang ist an der Heinrich-Schütz-Straße", sagt er und nimmt den Weg außen herum. Am Einlass zeigt er seine Karte und lässt sich von der Security abtasten. "Gehört dazu", sagt Georgi und läuft zu den Kumpels, die auf ihn warten. "Hier lebt der Fußball", sagt er.

"Er hat eine Meise", sagt einer seiner Kumpels, angesprochen auf die neue Funktion des Freundes. "Wir haben zunächst gelacht und unsere Witze gemacht", sagt er. "Aber im Ernst: Durch seine Mitarbeit im Fanprojekt und seine Liebe zum Verein ist er der richtige Mann in der aktuellen Situation. Er packt das." Worte, die Georgi schon seit Tagen hört. "Es freut mich, dass uns so viel Vertrauen entgegengebracht wird", sagt er. "Aber noch ist gar nichts geschafft. Im Gegenteil: Die schwere Arbeit steht uns erst noch bevor."

Jetzt ist aber erst einmal Fußball. Die Mannschaft kämpft in Überzahl, schafft den Ausgleich und kassiert am Ende doch noch den Treffer zur 1:2-Niederlage. Die Anhänger auf der Südtribüne feiern dennoch ohne Unterbrechung. "Es ist alles andere als normal, wie sich die Fans des CFC aktuell verhalten", sagt Andreas Georgi. "Ich bin stolz darauf. Und ich möchte genau darauf aufbauen, um den Verein wieder nach vorn zu bringen."

Nach dem Abpfiff kommt es für den neuen Vorstandschef noch zu zahlreichen Gesprächen mit den Fans. Nachdem die Bilder der Pressekonferenz vor wenigen Tagen durch alle Medien gingen, wird Georgi des Öfteren erkannt. Und er steht Rede und Antwort - so er kann. Wie es mit der Mannschaft weitergeht, könne er aktuell nicht beantworten. "Die Verträge machen jetzt nicht mehr wir. Die macht der Insolvenzverwalter", sagt er. Und er erklärt immer wieder, warum der Schritt notwendig war: "Es wäre nicht mehr lange gut gegangen."

Seine Gesprächspartner, die Fans aus der Kurve, verstehen das. Und ihr neuer Vereinschef scheint sogar ein wenig überrumpelt davon. "Ich hoffe, wie kriegen das hin", tritt er auf die Bremse. "Wir brauchen jeden Einzelnen von Euch dafür."

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