Der verärgerte CFC-Nachwuchstrainer

Thomas Uhl ist fassungslos über die Aggressivität, die bei Kinderturnieren mitunter von den Rängen ausgeht. Spätestens nach der Endrunde der Bambini-Hallenmeisterschaft vor wenigen Tagen war für ihn das Maß voll.

Über mehrere Jahre habe er Ein- drücke gesammelt, die das Blut in seinen Adern kochen lassen. Der das sagt, heißt Thomas Uhl, ist 33 Jahre alt und in der fünften Saison Trainer der jüngsten Fußballer des CFC in den Altersklassen U 7 und U 8. Was Uhl auf die Palme bringt, ist die Aggressivität mancher Eltern während der Spiele oder Turniere ihrer Kinder. "Die Lautstärke bei Nachwuchswettbewerben ist immer groß. Und das Publikum soll die Mannschaften ja auch anfeuern, soll jubeln oder trommeln", sagt Uhl. Doch dabei bleibe es oftmals nicht. Der Trainer ist fassungslos über die Aggressivität, die teilweise von den Rängen ausgeht.

Spätestens nach der Endrunde der Bambini-Hallenmeisterschaft vor wenigen Tagen in der Jahnbaude an der Fürstenstraße war für den dreifachen Familienvater das Maß voll. Per Facebook richtete Uhl einen leidenschaftlichen Appell an die "Eltern aller Nachwuchsfußballer". Darin ermuntert er die Väter und Mütter zunächst, ihre Kinder anzufeuern, zu loben und bei Enttäuschungen aufzufangen. "Was den Fußball aber kaputt macht ist, wenn Ihr Euren Alltagsfrust, Eure selbst verfehlten Ziele oder einfach ungesunden Über-Ehrgeiz ins Spiel bringt", schreibt der Chemnitzer. Jeder, so Uhl, will fair behandelt werden, mit Respekt und Anstand. "Und dann behandelt Ihr Euch gegenseitig oder Schiedsrichter, Trainer und teilweise sogar Kinder wie das Letzte", heißt es in dem Facebook-Eintrag.

Auch bei der jüngsten Bambini-Hallenmeisterschaft sei das wieder so gewesen, berichtete Uhl im Gespräch mit der "Freien Presse". Hinsichtlich der Aggressivität mancher Eltern gebe es fast keine Grenzen mehr. "Zum Teil hört man Anweisungen wie ,Hau ihn um!' oder ,Grätsche ihn ab!'. Wird ein Spieler der eigenen Mannschaft nach einem normalen Zweikampf gefoult und bleibt vielleicht am Boden liegen, kommt es mitunter zu üblen Beleidigungen zwischen Eltern und gegenüber dem Schiedsrichter", berichtet Uhl, der die Schimpfworte lieber nicht wiedergeben will. Mitunter würden sich Väter sogar Prügel anbieten. "Manche schrecken vor nichts zurück", bemerkt der Coach. Auch er selbst sei Zielscheibe von Pöbeleien und müsse sich einiges anhören. "Als Vertreter des CFC ist man für viele der Feind Nummer eins, wird man von vornherein als arrogant abgestempelt", erklärt der 33-jährige Polizeibeamte. Er engagiere sich ehrenamtlich für den Club. "Ich erhalte lediglich eine Aufwandsentschädigung für meine Trainerarbeit", so Uhl, der sich zuvor zwei Jahre lang beim TSV Germania mit um den Nachwuchs kümmerte.

Die während der Turniere aggressiv auftretenden Eltern seien sich wahrscheinlich gar nicht bewusst, was sie mit ihrem Verhalten anrichten. "Sie erschweren damit die Arbeit von uns Trainern. Wir versuchen, den Mädchen und Jungen Werte wie Fairplay und Respekt vor dem Gegner zu vermitteln", sagt Uhl. Mit ihren Ausrastern, selbst wenn die Kinder daneben stehen, würden Eltern alles wieder zunichtemachen. "Ihre Aggressivität überträgt sich aufs Spielfeld und verdirbt den Charakter des Nachwuchses", gibt der CFC-Trainer zu bedenken.

Was ihm zusätzlich Sorgen bereitet: Ein Teil der Eltern gehe mit den eigenen Kindern hart ins Gericht, wenn sie Fehler machen. "Die Kids sind sechs, sieben Jahre alt. Indem man sie so unter Druck setzt, spielt man sie kaputt", betont Uhl. Er könne sich durchaus denken, warum Eltern einen solch über- triebenen Ehrgeiz an den Tag legen. "Für einige ist es wohl der Traum vom großen Erfolg, den sie sich selbst nicht erfüllen konnten und das Ganze jetzt auf ihre Sprösslinge projizieren, deren Profikarriere sie quasi schon vor Augen haben", vermutet Uhl.

Er versuche seinen Schützlingen klar zu machen, dass sie die Mühen des Trainings nur für sich und nicht für ihre Väter und Mütter auf sich nehmen sollen. "Ich sage auch immer: Denkt selbst darüber nach, was gerade gut und schlecht war, denn wir brauchen selbstständig denkende Menschen", unterstreicht Uhl. Mit dem Facebook-Text habe er sich seine Verärgerung einfach mal von der Seele geschrieben. Sein leidenschaftlicher Appell an die Eltern endet mit den Worten: "Fairplay ist ein zur Floskel verkommenes Wort. Lasst es doch bitte wieder die Hallen füllen. Denkt daran, Ihr seid Vorbild, die Kinder sind Euer Abbild!"

Uhl schlägt vor, dass in jedem Verein ein Ehrenkodex der wichtigsten Verhaltensregeln im Sport gut sichtbar an die Wand genagelt wird, "damit ihn sich auch die Eltern ab und zu durchlesen können".


Verband ergreift Maßnahmen

Was CFC-Kindertrainer Thomas Uhl über Turniere oder Spiele berichtet, kann Bernd Kraus als Vorsitzender des Chemnitzer Fußball-Kreisverbandes sehr gut nachvollziehen. "Uns sind diese Probleme bekannt. Die Erfahrungen besagen, dass Eltern umso aggressiver auftreten, je niedriger die Altersklasse ist", sagt Kraus. Bei den ältesten Nachwuchskickern im A- und B-Junioren-Bereich komme es kaum zu Zwischenfällen, dafür gehe es bei Spielen und Turnieren der Jüngsten teils heftig zur Sache.

Der Umgang mit Störenfrieden sei nicht einfach. "Es ist rechtlich schwierig, sie aus der Halle zu verweisen. Zwar kann die Turnierleitung Besucher auffordern, die Sportstätte zu verlassen, doch das schürt meist noch mehr Aggressionen", so Kraus. Der Verband habe schon bestimmte Maßnahmen ergriffen, um unangenehmen Zwischenfällen vorzubeugen. "Der Hallensprecher fordert Eltern und weitere Zuschauer vor jedem Wettbewerb auf, faires Verhalten an den Tag zu legen", erklärt der Kreisverbands-Chef. Leider stoße dies nicht immer auf offene Ohren.

Unter dem Motto "Fairplay-Liga" wird in den jüngsten Altersbereichen (F- und E-Junioren) versucht, Aggressionen abzubauen. Das laut Kraus vom sächsischen Verband ins Leben gerufene Modell schreibt vor, dass Besucher einen Mindestabstand von 15 Metern zum Spielfeld halten müssen. "Und die Partien werden ohne Schiedsrichter ausgetragen. Mädchen und Jungen sollen Konflikte selbst lösen", erklärt Kraus.

Schlägereien oder Abbrüche von Turnieren habe es in Chemnitz noch nicht gegeben, sagt der Vorsitzende. In anderen Regionen Deutschlands ist das hingegen schon vorgekommen. So war 2016 bei einem Nachwuchs-Wettbewerb in Hamburg-Wilhelmsburg ein Polizei-Einsatz notwendig geworden. Nach einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung gerieten die Spieler zweier Teams aneinander. Eltern und Betreuer mischten sich ein und wurden auch Kindern gegenüber handgreiflich. (ms)

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3Kommentare
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  • 11
    1
    Zeitungss
    10.03.2018

    Wer noch in dieser Welt lebt wird feststellen, dass man an dieser "SPORTART" eigentlich nichts mehr kaputtmachen kann. Die Kinder werden schon früh darauf vorbereitet mit dieser "Sportart" ihre Kohle zu verdienen und die Alten drehen dabei kräftig am Rad, wie dem Bericht zu entnehmen ist.
    Erfreulich ist, dass dieser Trainer es einmal an die Öffentlichkeit gebracht hat, mache mir bei den verbohrten Alten aber keine Hoffnung auf Besserung, denn wir leben schließlich in einer "Leistungsgesellschaft".
    Es gibt doch noch gute Nachrichten vom CFC, zumindest was diesen Mann betrifft.

  • 7
    1
    657583
    10.03.2018

    Wobei dies, das größte Problem an der ganzen Sache ist. Jeder denkt, er hat das talentierteste Kind :-)

  • 10
    1
    872889
    10.03.2018

    Dem ist absolut nichts hinzuzufügen. Wir haben unser durchaus nicht untalentiertes Kind u.a. aus diesem Grund aus dem Fußball herausgenommen. Nun spielt er erfolgreich in einer anderen Sportart mit durchweg vernünftigen Eltern am Spielfeldrand.



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