Die Schach-Leidenschaft der Familie Kapp

Der frühere Vorstands-Chef des Chemnitzer FC und seine beiden Söhne spielen in drei verschiedenen Mannschaften am Spitzenbrett. Vater Frank war vor allem von den legendären WM-Duellen zwischen Karpow und Kasparow geprägt worden.

Ein Kapp kommt in der Schach- szene der Chemnitzer Region selten allein. Vater Frank und Sohn Stefan spielen beim TSV Ifa. Stefans großer Bruder Martin hat sich im letzten Sommer vom Ifa-Verein verabschiedet und ist zum SV Erzgebirge Stollberg gewechselt. "Die beiden Jungs haben zeitiger mit dem aktiven Spiel angefangen als ich. Martin begann in der 1. Klasse an der Hans-Sager-Grundschule, Stefan sogar schon in seiner Kindertagesstätte", berichtet Frank Kapp.

Später schlossen sich die beiden Söhne den Ifa-Schachfreunden an. "1994 bin ich vom Verein zu einem Blitzturnier eingeladen worden. Dabei konnte ich auf Anhieb das Turnier der B-Gruppe gewinnen", berichtet Frank Kapp, ehemaliger Vorstands-Chef des Chemnitzer FC und Ex-Geschäftsführer der Einsiedler Brauerei. Nach diesem Erfolgs- erlebnis meldete auch er sich beim TSV an. Dabei hatte Kapp senior schon als Jugendlicher eine enge Beziehung zum königlichen Spiel. "Mich haben die WM-Duelle zwischen Anatoli Karpow und Garri Kasparow begeistert, deren Verlauf in der ,Jungen Welt' abgedruckt wurde. Ich habe sie dann zu Hause nachgespielt", erzählt der 57-Jährige, der inzwischen einen Getränkehandel betreibt.

Sportart als "Gehirn-Jogging"

Dem Schachsport geht er heute - wie seine Söhne - mit Leidenschaft nach. "Das ist Gehirn-Jogging. Man bekommt einen richtig heißen Kopf", sagt Frank Kapp. Während einer Partie, die vier, fünf Stunden dauern kann, vergesse er alles um sich herum. "Und danach bin ich völlig erschöpft", sagt der Familienvater. Als seine Söhne klein waren, habe er absichtlich schlecht gespielt, damit sie auch mal gewinnen. "Er hat das geschickt vertuscht", bemerkt Martin. Mit der Zeit klärte sich die Sache jedoch von allein: Der Vater musste einsehen, dass ihn sein Nachwuchs überholt hatte.

Gegenwärtig spielt Frank Kapp am Brett eins des TSV Ifa II in der Bezirksliga. "Bisher lief die Saison nicht gerade erfolgreich. Ich habe zu viel riskiert", gesteht Kapp. Das Team sei abstiegsgefährdet. "Wir haben noch drei Spiele, von denen wir wahrscheinlich zwei gewinnen müssen, um drinzubleiben", erklärt der 57-Jährige, dem schon einige Achtungserfolge gelangen. So konnte er vor einigen Jahren beim Wettbewerb "Lichtenberger Sommer" einen klar favorisierten Fide-Meister (die weltweit dritthöchste Einstufung im Schach) bezwingen.

Ebenfalls bei Ifa, aber in der ersten Mannschaft (1. Landesklasse), sitzt Sohn Stefan am Brett eins. Der Schach-Alltag des 28-Jährigen ist hammerhart. "Ich bin wie Vieh- futter, werde den Gegnern zum Fraß vorgeworfen", wählt Stefan Kapp drastische Worte. Er gehe als krasser Außenseiter in jede Partie, weil die Konkurrenten am ersten Brett mit sehr starken Spielern besetzt sind. "Aber ich bin schmerzfrei", ergänzt Kapp, der gerade eine Umschulung zum Zerspaner absolviert. Dem Schachsport werde er treu bleiben. "Auf diese Weise wird das Gehirn trainiert, man verkalkt nicht", so der 28-Jährige. Mit seinem Team sei er schon so gut wie abgestiegen.

Zwei Großmeister geschlagen

Leistungsstärkster Denksportler im Hause Kapp ist Martin, der kurz vor seinem Abschluss als Diplom- ingenieur steht. Sein Weggang 2014 vom TSV Ifa hatte sich angedeutet. "Das gährte ein, zwei Jahre. Der Verein hat meiner Ansicht nach zu wenig Initiative gezeigt, zum Beispiel bei der Nachwuchssuche", sagt der 30-Jährige. Er wollte sich sowieso verändern und sei über einen Freund zum Stollberger Club gekommen. Dort sei man deutlich aktiver. "Im April fahren wir ins Trainingslager nach Peenemünde. Sowas kenne ich von keinem anderen Verein", betont Martin Kapp.

Sein größter Erfolg war der überraschende Sieg bei den Landesmeisterschaften 2000 in der Altersklasse U 16. Zudem habe er im Vorjahr und im Jahr 2010 bei Turnieren jeweils einen Großmeister (höchste Einstufung im Schach) aus Deutschland beziehungsweise Russland schlagen können. "So etwas gibt Selbstvertrauen, davon kann man eine Zeit lang zehren", erklärt Martin Kapp. Mit Stollberg spielt er in der 2. Landesklasse, wobei auch er am Brett eins sitzt. Doch wie beim Vater und beim jüngeren Bruder läuft es für seine Mannschaft in dieser Saison schlecht: "Wir wollten aufsteigen. Aber das klappt nicht, weil wir zwei-, dreimal hintereinander kollektiv versagt haben."

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