Die extremen Touren eines Auerswalders

Die Freude an der Qual: Gunnar Lessig hat am Elbspitze-Radmarathon und am Rennen vom Fichtelberg zum Kap Arkona teilgenommen - Wettkämpfe, bei denen mehr als 600 Kilometer nahezu nonstop absolviert werden müssen.

Als er mit dem Fahrrad über die Ziellinie am Kitzbüheler Horn in Österreich gefahren ist, war ein weiterer Traum für ihn in Erfüllung gegangen. Gunnar Lessig aus dem Lichtenauer Ortsteil Auerswalde hatte die 615 Kilometer geschafft. Der 44-Jährige gehörte zu den 17 von 26 Teilnehmern, die beim diesjährigen Elbspitze-Radmarathon das Ziel erreichten. Dieser Wettbewerb gilt als die härteste Radtour in Deutschland. Gestartet wurde wie immer in Dresden an der Frauen- kirche. Nach gut 31 Stunden kam Lessig am Ziel an.

Der 44-Jährige liebt das Extreme, das Ausgefallene. Und das wurde ihm auch beim Elbspitze-Radmara- thon zur Genüge geboten. "Immerhin mussten auf der 600-Kilometer-Strecke 10.100 Höhenmeter überwunden werden. Und die Route wurde fast nonstop gefahren. Alle 100 Kilometer gab es lediglich eine kurze Verpflegungspause, aber keinen Nachtschlaf", erzählt der Lichtenauer.

"Alle 100 Kilometer gab es lediglich eine kurze Verpflegungspause, aber keinen Nachtschlaf."

Gunnar Lessig Extrem-Radsportler

In diesem Jahr führte die sechste Auflage von Dresden über den Erzgebirgskamm durch Plzen, den Böhmer- und den Bayerischen Wald, über Salzburg und Berchtesgaden hinauf zum Kitzbüheler Horn. Vor allem das letzte Stück habe den Fahrern alles abverlangt. "Auf 9,7 Kilometern waren 1250 Höhenmeter zu überwinden. Dabei wies die steilste Rampe sage und schreibe eine Steigung von 23 Prozent auf", nennt der 44-Jährige eine der vielen Schikanen während des Wettbewerbs. Doch für ihn war das ein "echtes "Abenteuer", denn er will herausgefordert werden, will zeigen, dass er im Stande ist, Enormes zu leisten.

Deshalb ist er bei vielen Extrem-Radtouren am Start. So nahm er am Fichkona über 601 Kilometer vom Fichtelberg zum Kap Arkona teil. Dabei soll die Strecke möglichst unter 24, aber maximal in 26 Stunden absolviert werden. "Doch der Fichkona ist mit dem Elbspitze- Marathon nicht zu vergleichen. Bei letzterem sind die Ansprüche an die Teilnehmer viel höher. Das beweist schon, dass der Elbspitze-Radmarathon nichts ans flache Meer, sondern ins Hochgebirge führt", betont der Extrem-Radsportler.

Ein Leben ohne Radfahren - nein, das könnte sich Lessig beim besten Willen nicht vorstellen. "Sogar zur Arbeit setze ich mich jeden Tag in den Sattel und fahre von Lichtenau nach Chemnitz und zurück", sagt der dreifache Familienvater. Aber auch nach Feierabend oder am Wochenende steigt Lessig aufs Rad. "Ich habe bestimmte Strecken, die ich fahre. Dazu zählt das Chemnitztal", berichtet er. Und so kann es durchaus passieren, dass er in der Woche, inklusive Weg zur Arbeit, schon mal an die 250 Kilometer mit dem Lieblings-Sportgerät zurücklegt.

Was sagt seine Frau dazu, wenn der Familienvater so häufig mit dem Rad unterwegs ist? "Sie hat volles Verständnis für meinen Hobbysport. Bester Beweis dafür war, dass sie mir zu Weihnachten im vergangenen Jahr die Start- gebühr von 180 Euro für den Elbspitze-Marathon 2014 als Geschenk überreichte", sagt Lessig, der als IT-Leiter bei einem Foto-Dienstleister arbeitet.

Doch das Radfahren allein war nicht genug für den Lichtenauer. So hat er sich dem Triathlon, bei dem neben dem Radfahren noch Schwimmen und Laufen gehören, verschrieben. "Aus dem Grund bin ich Mitglied beim Schwimmsport- und Tauchsportverein Limbach-Oberfrohna geworden. Aber Rad fahren bleibt meine Lieblings- disziplin", unterstreicht Gunnar Lessig.

Wenn mal eine längere Auszeit zwischen den Wettkämpfen ansteht, dann kribbelt es bei dem 44-Jährigen schon in den Fingern. Jüngstes Beispiel dafür war, dass der Auerswalder gut zwei Wochen nach dem Elbspitze-Marathon beim nächsten Extrem-Wettkampf, dem Challenge Roth, am Start gewesen ist. Dieser gilt unter den Triathleten als einer der härtesten Brocken und wird als Folgeveranstaltung des Ironman in Europa bezeichnet. "Da war aber die Kraft dann bei mir raus", sagt Lessig. Nach 3,8 Kilo- metern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und dem Marathon-Lauf über 42,2 Kilometer belegte er unter 2676 Teilnehmern Platz 1304 und wurde 247. in seiner Alters- klasse.

Wenn die Tage jetzt wieder kürzer werden, wird der Lichtenauer auch mit dem Training ein wenig kürzertreten. Doch er nehme sich keine große Auszeit. Denn Gunnar Lessig hat schon Pläne für das nächste Jahr. An erster Stelle stehe dabei die erneute Teilnahme am Elbspitze-Marathon. "Für einen Extrem-Radsportler ein klares Muss", betont Lessig - und schwingt sich wieder aufs Rad.

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