Drittliga-Aus für Volleyballerinnen des Chemnitzer PSV

Trotz des sportlich erreichten Klassenerhalts beantragt der Verein keine Lizenz. Selbst der Start in der Liga darunter ist aktuell noch nicht sicher.

Noch am Wochenende hatte Interims-Kapitänin Anna-Maria Nitsche gehofft, dass sich nach der jetzt zu Ende gegangenen Saison alle an einen Tisch setzen, damit die Volleyball-Damen des Chemnitzer Polizeisportvereins (CPSV) schnellstmöglich in die Erfolgspur zurückfinden und um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga mitspielen.

Gestern jedoch kam die ernüchternde Nachricht, dass es zumindest im kommenden Jahr keinen Drittliga-Volleyball mehr in Chemnitz geben wird. Der Vorstand des CPSV teilte mit, dass der Verein keine Lizenz für die dritthöchste deutsche Spielklasse beantragen wird. Selbst ein Start in der Regionalliga sei derzeit fraglich. "Dies hängt von der Leistungseinschätzung der dafür infrage kommenden Spielerinnen durch die Sektionsleitung sowie den finanziellen Voraussetzungen ab", heißt es in der Pressemitteilung.

Hauptgrund für den Rückzug des Teams sei die wirtschaftliche und organisatorische Absicherung des Spielbetriebs in der Dritten Liga. Diese sei nach Einschätzung der Vereinsführung dauerhaft so nicht zu stemmen. "Die Analyse der Situation um das Drittligateam hat zu der Einschätzung geführt, dass das Ziel eines dauerhaft höherklassigen Damen-Volleyballs mit einer eigenen Jugend als Basis beim CPSV in der derzeitigen Situation nicht mehr zu realisieren ist", sagte Vereinspräsident Volker Lange. Unter anderem sei es in den vergangenen Jahren nicht mehr gelungen, Schiedsrichter auszubilden, zudem erkannte der Landesverband dem CPSV aufgrund fehlender Erfolge im Jugendbereich das Prädikat "Talentstützpunkt" ab. "Mit einer weiteren Saison in der Dritten Liga würde nach Auffassung des Präsidiums eine weitere Aushöhlung der Basis und der breitensportlichen Belange der Sektion Volleyball drohen", heißt es in der Mitteilung der Vereinsführung. Das Hauptaugenmerk solle wieder auf der Jugendarbeit liegen.

Für die Spielerinnen der Drittligamannschaft kam die Nachricht nicht wirklich überraschend. "Es hatte sich angedeutet", sagt Daniela Espig. "Die Dritte Liga war schon immer ein wirtschaftlicher und organisatorischer Kraftakt." Espig spielt seit 18 Jahren im Verein und gilt als absolute Leistungsträgerin im Team. "Wir müssen die Nachricht jetzt erst einmal setzen lassen", sagt sie. "Viele von uns haben sich schon jetzt zum Verein bekannt. Wie es aber genau weitergeht, werden erst die kommenden Tage und Wochen zeigen."

Ob die Volleyballerinnen des CPSV weiterhin unter dem Namen Dentalservice Gust Volleys auflaufen, ist unterdessen noch offen, wie Team-Manager Matthias Demmler sagt. "Das werden die Gespräche in den kommenden Wochen zeigen", sagt er. Unternehmer Heiko Gust hatte nach eigenen Angaben eine hohe Summe in den Verein gepumpt, um den Aufstieg zu ermöglichen. Dieses Ziel wurde mit Platz sechs aber klar verfehlt.


Kommentar: Ein neuer Realismus?

Auf den ersten Blick sind es keine guten Tage für die Sportstadt Chemnitz. Der CFC ist pleite. Der ambitionierte Basketball-Zweitligist Niners hat die Playoffs verpasst. Die Handballerinnen des HV Chemnitz sind auf den Rückzug anderer Teams angewiesen, um noch eine Chance auf den Klassenerhalt in Liga drei zu haben. Die Boxer verzichten auf einen erneuten Start in der Bundesliga, die Volleyballerinnen ziehen sich aus der Dritten Liga zurück.

Aber ist das alles wirklich so schlimm? Bei genauer Betrachtung nicht. Vielmehr scheint ein neuer Realismus eingekehrt zu sein. Solides Wirtschaften statt wildem Streben nach Prestige. Beim CFC kommt dieses Denken freilich sehr spät. Die neue Vereinsführung vermittelt aber den Eindruck, dass es noch nicht zu spät sein könnte. Bei Boxern und Volleyballerinnen soll statt hoher Reise- und Personalkosten nun die Jugendarbeit in den Fokus rücken. Richtig so. Bleibt zu hoffen, dass sich die Niners nicht verkalkulieren. Eine weitere Saison ohne Playoffs sei wirtschaftlich schwer machbar, heißt es. Aber keine Panik: Bisher hatte man den Eindruck, dass Realisten die Niners führen.

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