Werbung/Ads
Menü
Passend zum neuen Job, erschien Lars Schauer zum Fototermin im himmelblauen Hemd. Der neue Kaufmännische Geschäftsführer des Chemnitzer FC hatbereits mehr als zehn Jahre Berufserfahrung im Profi-Fußball vorzuweisen.

Foto: Andreas Seidel

"Sanierung des Clubs beginnt erst jetzt"

Lars Schauer als Kaufmännischer Geschäftsführer des CFC über die finanzielle Lage des Vereins, das Bayern-Spiel und sportliche Hoffnungen

erschienen am 15.07.2017

Mit Ach und Krach hat der Chemnitzer FC die Lizenz für die Dritte Liga erhalten. Über den Berg ist der finanziell angeschlagene Verein noch längst nicht. So wartet vor allem auf den neuen Kauf- männischen Geschäftsführer der Himmelblauen, Lars Schauer, jede Menge Arbeit. Mario Schmidt sprach mit dem 40-Jährigen.

Freie Presse: Herr Schauer, wie würden Sie die derzeitige finanzielle Situation des Chemnitzer FC bezeichnen?

Lars Schauer: Als angespannt. Die Lizenzerteilung für die kommende Drittliga-Saison durch den DFB war nur ein Pflaster auf die finanzielle Wunde. Dadurch ist es überhaupt erst möglich geworden, das nächste Spieljahr zur wirtschaftlichen Stabilisierung zu nutzen.

Was heißt das konkret?

Dass die eigentliche Sanierung des Clubs erst jetzt beginnt. Und sie muss im Verlauf der kommenden Saison gelingen. Wir dürfen nicht noch einmal in eine Situation wie in diesem Jahr kommen, als uns für die Lizenz wenige Wochen vorher noch 3,8 Millionen Euro fehlten.

Der Verein muss sparen. Was sind in dem Zusammenhang die wichtigsten Maßnahmen?

Zunächst die im Sanierungskonzept geforderte Reduzierung des Spieler-Budgets von 3,4 auf 3,0 Millionen Euro. Und das hat Sportvorstand Steffen Ziffert sehr gut hinbekommen. Er konnte sogar Transfer- Erlöse für die Profis Anton Fink und Björn Jopek erzielen.

Was hat der CFC für die beiden Spieler bekommen?

Zusammengenommen eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich. Einen Neuzugang könnten wir jetzt noch finanzieren.

Wo soll noch gespart werden?

In der Geschäftsstelle ist eine Arbeitsstelle gestrichen worden. Mehr Sparpotenzial im personellen Bereich beziehungsweise im operativen Geschäft sehe ich nicht. Es gibt nicht den großen Kostenfaktor, an den wir herangehen können, sondern müssen im Detail sparen.

Zum Beispiel?

Darüber wird noch intern diskutiert.

Wie kann der CFC zu mehr Einnahmen kommen?

Eines vorweg: Um in der Dritten Liga überleben zu können, muss der Verein künftig 500.000 bis 750.000 Euro an Mehreinnahmen pro Saison erzielen. Dafür brauchen wir mehr Mitglieder. Die gegen- wärtigen 2400 sind viel zu wenig. Hier müssen wir aber auch selbst als Verein nochmals intensiv an einer Neustrukturierung arbeiten. Auch die Zuschauerzahlen mit durchschnittlich nicht mal 7000 sind für uns noch nicht zufriedenstellend. An den Eintrittspreisen kann es nicht liegen, die bewegen sich im Mittelfeld der Liga. Wir müssen den Besuchern ein emotionaleres Stadion-Erlebnis bieten.

Wie soll das gehen?

Vor allem unsere neue, junge Mannschaft kann mit attraktivem Fußball dazu beitragen. Es gilt, lieber 5:4 als 1:0 zu gewinnen. Schon der Trainingsauftakt mit 1600 Besuchern hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Diese Resonanz war aus meiner Sicht sensationell.

Muss sich Vermarkter Infront noch mehr anstrengen, um Sponsorengelder zu akquirieren?

Ich möchte betonen, dass Infront im Bereich der Geschäftskunden einen sehr guten Job macht. Vereinsintern könnten wir das nicht besser hin- bekommen.

Angeblich muss der CFC sehr hohe Provisionen an Infront zahlen.

Nein, der Vertrag ist inzwischen zugunsten des Vereins verändert worden.

Kann der Club auf Dauer nur in ruhigeres Fahrwasser kommen, wenn er die Betreibung des Stadions abgibt?

Ja, das ist so - oder er findet einen Partner. Die Community4you- Arena wird von der Marketing- und Stadiongesellschaft betrieben, einer hundertprozentigen Tochter des CFC. Dies führt dazu, dass im Lizenzierungsverfahren der Verein und die Betreibergesellschaft als eine Einheit betrachtet werden. Das wirtschaftliche Ergebnis des Stadion- betriebs schlägt sich demnach voll im CFC-Verein nieder. Ein Drittligist kann ein Stadion nicht allein betreiben, dafür fehlen ihm schlicht die finanziellen Mittel. Anfang der Woche waren wir zur Saisonauftakt-Beratung beim DFB, wo deutlich wurde, dass die Drittligisten im Durchschnitt zwischen 300.000 und 400.000 Euro für ihre Stadion- nutzung zahlen. Davon sind wir weit entfernt.

Konsequenz?

Ich wünsche mir eine Diskussion über diese Problematik - mit der Stadt, der GGG. Vielleicht ergeben sich daraus auch Ansatzpunkte für ein neues Betreiberkonzept oder einen neuen Betreiber. Fest steht: Das Stadion hat noch Potenzial als Veranstaltungsstätte, das der CFC aber allein nicht ausschöpfen kann.

Für die Lizenz hatte der Club auch Einnahmen aus einem Benefizspiel gegen Dynamo Dresden angegeben. Die Partie fiel wegen des G-20-Gipfels ins Wasser. Wird sie nachgeholt?

Auf jeden Fall. Dieses Spiel wird in Chemnitz stattfinden. Beide Vereine haben aber noch keinen Termin gefunden. Es ist denkbar, die Begegnung während einer Länderspielpause auszutragen.

Am 12. August kommt der FC Bayern München nach Chemnitz. Wie kann der CFC aus diesem Knüller finanziell das Maximale herausholen, ist zum Beispiel ein Public Viewing geplant?

Darüber denken wir nach. Konkretes lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen. Bezüglich der Eintrittspreise zwischen 19 und 69 Euro für dieses Spiel bleibt festzuhalten, dass diese sowohl mit dem DFB als auch mit Bayern München abzustimmen waren.

Wird der CFC die Bayern bitten, sämtliche Einnahmen aus dem Pokalduell behalten zu dürfen - und nicht, wie üblich, zu teilen?

Darüber denken wir sehr intensiv nach.

Noch eine persönliche Frage: Für einen 40-Jährigen können Sie auf eine hohe Anzahl an Arbeitgebern zurückblicken. Was waren die Gründe für die häufigen Job-Wechsel?

Meine Tätigkeiten bei Fußball-Profiklubs betrafen zumeist Projekte auf Honorarbasis mit kurzfristigen Zielstellungen, beispielsweise Stadionbau oder Lizenzierungsverfahren. Zum Teil ging es auch um die finanzielle Sanierung von Vereinen. Dabei musste ich stets auch unangenehme Fragen stellen und geriet teilweise vereinsintern zwischen die Fronten, was mitunter zu Schwierigkeiten führte. Doch ich bin gern der "böse Berater", der lieb gewonnene und oftmals teure Annehmlichkeiten in Vereinen streicht - im Sinne der Sache.

 
Seite 1 von 2
"Sanierung des Clubs beginnt erst jetzt"
Lars Schauer
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
 
 
 
Fußballtippspiel TOP 11
Und der Ball rollt wieder!
Fußballtippspiel

Tippen Sie mit und sichern Sie sich die Chance auf tolle Sachpreise, Tickets für regionale Sport-Events und virtuelle Pokale! Die Teilnahme ist wie immer kostenlos.

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm