Spannung am Schachbrett und beim Krimi lesen

Der gebürtige Russe Stanislav Azimov ist zweimal in Folge Stadtmeister geworden - und hat dabei manch jüngeren Gegner alt aussehen lassen.

Die Liste der Chemnitzer Stadtmeister ist lang. Zu den zahlreichen Titelträgern gehören der spätere Großmeister Mathias Womacka oder der viel zu früh verstorbene Gerd Lorenz. Sie haben die Schach-Historie der Stadt nachhaltig geprägt. Seit 2010 drückt auch Stanislav Azimov der hiesigen Denksport-Szene seinen Stempel auf. Der gebürtige Russe hat das traditionsreiche Turnier zum zweiten Mal gewonnen - und nach eigener Aussage seine bisher beste Leistung geboten. "Diesmal war ich an Nummer vier gesetzt, und die Konkurrenz ist viel stärker als beim ersten Erfolg gewesen", sagt der 61-Jährige.

Stanislav Azimov stammt aus Orjol, gut 300 Kilometer westlich von Moskau gelegen. Zum Schach wurde er von seinem Vater geführt. Doch es vergingen noch einige Jahre, bis er beim königlichen Spiel richtig durchstartete. "Ich brachte mir das Schachspielen selbst bei", berichtet Azimov. Er habe Bücher der beiden früheren russischen Weltmeister Alexander Aljechin und Tigran Petrosjan gelesen und sich "erst als Jugendlicher" einem Klub angeschlossen. Erfolge ließen dann jedoch nicht lange auf sich warten. Vorläufiger Höhepunkt sei die Ernennung zum Fide-Meister im Jahr 1996 gewesen. Dabei handelt es sich um die weltweit dritthöchste Einstufung eines Schachspielers nach den Titeln Großmeister und Internationaler Meister.

Familiäre Gründe verschlugen den studierten Informatiker mit Frau und Kind im Jahr 2007 nach Chemnitz, wo ihn sein heutiger Mannschaftskamerad Wiktor Kur- sunskij zur Universitätssportgemeinschaft (USG) holte. Inzwischen kehrt Azimov nur noch selten zu Besuch nach Russland zurück, wo seine Schwester und deren Kinder noch leben. "Wir kommunizieren jedoch regelmäßig per Skype", erzählt Azimov. Er hoffe sehr, dass sich die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland bald wieder bessern.

Die Nummer eins in seinem Leben ist ganz klar die Familie, mit der er seine freie Zeit besonders gern im Küchwald verbringt. Außer ihm könne aber nur die Tochter "ein bisschen Schach spielen". Er selbst sitzt nach wie vor zwei bis drei Stunden täglich am Brett, analysiert eigene und fremde Partien und sucht noch immer nach neuen Ideen, um seinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Den gebraucht er dann nicht nur selbst, sondern gibt sein schachsportliches und mathematisches Wissen ehrenamtlich an Kinder und Erwachsene weiter. Kein Wunder, dass der Chemnitzer Stadtmeister dem Schach in der Schule nur positives abgewinnen kann: "Neben vielem anderen fördert Schach vor allem die Entwicklung analytischer Fähigkeiten", so Azimov.

An Zielen für die nächste Saison mangelt es dem neuen Stammspieler der ersten USG-Mannschaft nicht: In jeder Partie, in jedem Turnier und bei der anstehenden Titelverteidigung als Stadtmeister bleibe es sein Anspruch, den jüngeren Kontrahenten ein Schnippchen zu schlagen. Aber auch abseits des Brettes ist für Spannung gesorgt: Zum Ausgleich liest Azimov viel und ganz besonders gerne Krimis.

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