Turnier der Schach-Elite: Großmeister lässt Federn

Ein ehemaliger Chemnitzer ist beim Turm Open als Favorit gestartet. Die Show hat ihm allerdings ein anderer gestohlen.

Seine Rückkehr hatte sich Mathias Womacka sicher anders vorgestellt. Beim internationalen Schach-Turnier Chemnitzer Turm Open, das noch bis morgen ausgetragen wird, war der Ex-Chemnitzer als ein Favorit gestartet. Gestern musste er sich allerdings einem Nachwuchs-Denksportler geschlagen geben. Der diesjährige Sachsenmeister Florian Fuchs von Eiche Reichenbrand rang Womacka in der dritten von sieben Spielrunden nieder.

"Ich hatte schon immer Schwierigkeiten gegen ihn", sagt Womacka und ergänzt: "Im entscheidenden Moment konnte ich nicht widerstehen, auf Sieg statt dem sicheren Remis zu spielen und habe verloren." Die Niederlage nahm der 49-Jährige gelassen. "Das ist nicht so dramatisch. In so einem Turnier kann man auch mal etwas ausprobieren."

Der gebürtige Karl-Marx-Städter Womacka, der das Schach spielen mit sieben Jahren gelernt hat, ist einer von zwei Großmeistern bei dem Turnier. Diesen höchsten Titel im Schach bekommen Spieler auf Lebenszeit verliehen, die kontinuierlich die besten Kontrahenten geschlagen haben. Vor anderthalb Jahren hat der langjährige Akteur des damaligen Dritt- und heutigen Viertligisten USG Chemnitz die Stadt berufsbedingt verlassen. In seiner neuen Heimat tritt er für den Erstligisten SK Schwäbisch Hall an - ein großer Sprung, wie er einräumt. "Dort spielen viele Weltklasse-Akteure. Da muss ich mich manchmal hinten anstellen."

In seiner ersten Saison absolvierte er dennoch zehn von 15 möglichen Partien, unterlag dabei zwei Mal. "Das ist ein sehr gutes Ergebnis für mich." Der Abstieg seines einstigen Chemnitzer Vereins, der mittlerweile in der vierten Liga ums Überleben kämpft, betrübt Womacka. "Es tut mir in der Seele weh, das aus der Ferne zu sehen." Eine Ursache sieht er darin, dass die Spielklassen immer stärker werden.

Das bestätigt Günter Schmidt, der das Turm-Open-Turnier mit knapp 80 Spielern - darunter fünf Frauen - aus fünf osteuropäischen Nationen und Deutschland organisiert hat. Viele Denksportler würden sich im Internet intensiv auf Partien vorbereiten, die Züge ihrer Gegner analysieren und Hilfe von Schachprogrammen nutzen. Auch deswegen seien während der Spiele in Chemnitz Smartphones verboten, so Schmidt: "Das ist eine Art Doping. Sobald so ein Gerät summt, hat der Besitzer verloren."

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