Volleys blasen zur Aufholjagd

Der Drittligist setzt seine bisher enttäuschende Saison fort. Dabei stellt sich die Frage, wie der Trainer auf Kritik seiner Kapitänsfrau reagiert.

In der Vorsaison hatten sie den Staffelsieg in Liga drei errungen, konnten aber aus finanziellen Gründen nicht in die 2. Bundesliga aufsteigen. In diesem Spieljahr sollte ein neuer Anlauf genommen werden, doch die Zwischenbilanz der Volleyballerinnen des Chemnitzer Polizeisportvereins verursacht lange Gesichter: Mit fünf Siegen und fünf Nieder- lagen dümpelt das Team auf dem siebenten Platz. "Das ist nicht das, was wir uns gewünscht haben. Doch in der Tabelle geht es sehr eng zu. Mit einer kleinen Siegesserie können wir unser Ziel noch erreichen", sagt Trainer Frieder Heinig. Platz eins bis drei hatten sich die nach einem Sponsor benannten Dentalservice-Gust-Volleys vorgenommen.

Ab morgen wollen sie zur Aufholjagd blasen: Im ersten Spiel 2018 treten die Chemnitzerinnen bei Schlusslicht TV Hammelburg in Bayern an. Aus Sicht von Heinig gibt es günstigere Momente, gegen den Letzten anzutreten. "Die Hammelburger haben die letzten spielfreien Wochen sicherlich genutzt, um sich zu sammeln und neu auf- zustellen", vermutet der 27-Jährige. Deshalb stehe seine Mannschaft vor einer schwierigen Aufgabe. Im Kader seien keine Änderungen vorgenommen worden. "Leider hat sich hinsichtlich personeller Verstärkungen noch nichts ergeben. In dieser Saison wird das auch nichts mehr", berichtet der Coach.

Er hatte das Team vor dieser Saison übernommen - und musste sich kurz vor Beginn der Spielpause im vergangenen Monat von der eigenen Kapitänsfrau kritisieren lassen. Corina Ssuschke-Voigt, 250-fache Nationalspielerin, ließ ihrer Enttäuschung über den siebenten Rang freien Lauf. Sie will gewinnen und nicht einen Mittelfeldplatz belegen, hatte die 34-Jährige im Gespräch mit der "Freien Presse" erklärt. Neu-Trainer Heinig lege viel Wert auf die Athletik. "Deswegen kommen die Einheiten am Ball kürzer weg als vergangenes Jahr", sagte Ssuschke-Voigt und stellte fest: "Athletisch haben wir uns stark verbessert. Aber volleyballerisch sind wir deutlich schlechter als in der Vorsaison."

Der Trainer spielt nach dieser Kritik nicht die beleidigte Leberwurst. "Wenn Corina das mit ihrer Erfahrung sagt, nehme ich mir das an. Mitunter waren wir unterschiedlicher Ansicht, aber das darf durchaus passieren", so Heinig. Er habe die Trainingsschwerpunkte inzwischen etwas mehr zum Spielerischen hin verändert, erklärt der angehende Sportwissenschaftler, der in Leipzig studiert und sich dort ab und an als Straßenbahnfahrer ein paar Euro dazu verdient. Was ist schwieriger: Eine Straßenbahn zu steuern oder eine Frauenmannschaft zu trainieren? "Letzteres ist schon eine besondere Herausforderung", bemerkt Heinig. (mit lumm)

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