Warum der Chemnitzer FC seinen Fans ans Geld gehen will

Sportlich steht der CFC vor einem Neuanfang in der Regionalliga. Um auch finanziell wieder auf die Beine zu kommen, sollen jetzt aus Kurvengängern Vereinsmitglieder werden. Erste Erfolge gibt es.

Der Präsident geht voran. Schon kurz nach seiner Vorstellung als neuer Vorstandschef des Chemnitzer FC hatte Andreas Georgi an die Fans des Vereins appelliert, dass es ohne ihre Unterstützung schwer werde, einen Neuanfang zu starten. Als der Noch-Drittligist nur wenige Tage später den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenz-Verfahrens stellen musste, wiederholte Georgi seine Worte nicht nur, er ließ auch gleich Taten folgen.

"Wenn jedes Vereinsmitglied ein neues wirbt, sind wir auf einem sehr guten Weg", sagte der CFC-Präsident nach dem Heimspiel gegen Meppen und sprach direkt Christian Kolasse an. Der ist seit vielen Jahren zwar Fan, Vereinsmitglied ist er aber nicht. Noch nicht. "Ich war überrascht, als wir so locker mit dem neuen Präsidenten ins Gespräch gekommen sind", sagt Kolasse. "Aber ich war auch begeistert davon, dass er einer von uns ist. Und dass er sich so für die Zukunft des Vereins engagiert." Also schlug der CFC-Fan ein, ließ sich einen Mitgliedsantrag zuschicken und zahlt nun regelmäßig in die klamme Vereinskasse ein. So wie 140 weitere Mitglieder, die seit dem Start der Kampagne "Tradition erhalten - Gemeinsam Zukunft gestalten" neu zum CFC gehören. "Das ist ein guter Anfang", sagt Fan-Beauftragte Peggy Schellenberger, eine der Ideengeber der Kampagne, die während der letzten beiden Heimspiele in der Dritten Liga lief. Auch einige Spieler, die wegen Sperren oder Verletzungen nicht auflaufen konnten, standen dabei vor dem Stadion und haben um neue Mitglieder geworben. Bei Burkhard Hummel hat die Aktion gewirkt. "Ich bin vor drei Jahren von Bekannten mit zum CFC genommen worden und fühle mich hier unter den ganzen Leuten richtig wohl", sagte er. Die Mitgliedschaft sei sein persönliches Geschenk zum 65. Geburtstag.

"Auch unsere 97 Fanclubs haben schon etliche Neumitglieder in ihren Reihen geworben. Das ist für uns ein ganz bedeutender Faktor", sagt Fanbeauftragte Schellenberger. 2565 hatte der Chemnitzer FC Anfang dieses Jahres, im kommenden sollen es bedeutend mehr sein. "Es war und ist beeindruckend, wie die Fans trotz der vielen Negativschlagzeilen zu ihrem Club halten", sagt Präsident Georgi. "Aber das reicht mir noch nicht. Es wäre wichtig, dass so viele wie möglich mithelfen, die Zukunft des Vereins aktiv mitzugestalten, indem sie auch ihren Mitgliedsbeitrag zahlen."

Verpflichten könne man dazu keinen Fan, betont Georgi. "Aber wir wollen in Zukunft mehr mit der Basis zusammenarbeiten, auf die Mitglieder hören. Also ist so eine Mitgliedschaft auch gleichbedeutend mit mehr Mitspracherecht." In diesem Zusammenhang wolle man ab sofort auch mehr Transparenz bei Entscheidungen zeigen. "Es wird keine Mitgliederversammlungen mehr geben, bei denen die anwesenden Fans von der Vereinführung vor vollendete Tatsachen gestellt werden", verspricht der CFC-Präsident, der seit Anfang dieses Jahres im Amt ist.

Um die Mitgliedergewinnung weiter voranzutreiben, wurde vom Chemnitzer FC mit dem Tierarzt Frederik Ranck ein ehrenamtlich tätiger Beauftragter für das Mitgliederwesen bestellt. Der langjährige Fan soll sich außerdem um die Betreuung der Mitglieder kümmern.


Kommentar: Zeit für positive Schlagzeilen

Der Denkzettel, den die Mitglieder des CFC ihrer alten Vereinsführung kurz vor dem Jahreswechsel erteilt haben, ist nur ein Stück Papier. Zur Vollversammlung verweigerten sie dem Vorstand die Entlastung für die Spielzeit 2016/2017. Was eher eine Trotzreaktion als eine tatsächliche Abstrafung für schlechtes Arbeiten war. Denn die verhängnisvollen Verträge mit dem Vermarkter zum Beispiel wurden bereits im Jahr zuvor geschlossen. Für dieses aber gab es eine Entlastung.

Warum? Weil es viele Fans nicht besser wissen konnten. Weil sie im Unklaren gelassen wurden, wer wann was entschieden hat. Das soll nun ein Ende haben, heißt es. Die Mitgliederkampagne und die Ankündigung von mehr Transparenz sind gute Anfänge. Denn es ist endlich Zeit für positive Schlagzeilen. Für die die Fans übrigens derzeit in beeindruckender Art sorgen.

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