Wie der CFC-Sportchef doch ein wenig Spaß am Fußball findet

Steffen Ziffert ist Trainer geworden. Allerdings knöpft er sich nach deren 1:6-Pleite nicht die Profis vor. Er kümmert sich um den Nachwuchs. Auch wenn diese Arbeit derzeit in den Hintergrund rückt.

Die Ansage ist klar. "Du musst die Fußspitze nach unten drücken. Wenn nicht, geht der Ball nicht zu deinem Mitspieler sondern an die Hallendecke", sagt Steffen Ziffert. Dem kurzen Hinweis lässt der 53-Jährige eine praktische Demonstration folgen. Die Tipps gibt er allerdings nicht etwa einem Profi des Chemnitzer FC, sondern dem sechsjährigen Jill Einenkel. Denn der Sportvorstand des Fußball-Dritt- ligisten hat sich seit einiger Zeit der Gewinnung des Nachwuchses verschrieben.

Dazu steht Ziffert immer mittwochs auf einem kleinen Spielfeld der Power-Hall in Röhrsdorf und gibt seine Anweisungen. Die Steppkes sind mit großem Eifer dabei und versuchen - mit mehr oder weniger gutem Erfolg - die Hinweise ihres Trainers umzusetzen. Dabei scheuen die kleinen Kicker keine Strecke auf der Spielfläche und gehen auch die sogenannten weiten Wege. Jill gibt keinen Ball verloren, obwohl ihm an der Intensität seiner Atmung anzumerken ist, wie sehr er sich schon nach zehn Minuten verausgabt hat. "Ich gehe davon aus, dass die Jungs heute Abend schnell schlafen werden", schmunzelt Ziffert.

Jill muss nicht erst gefragt werden, welchem Bundesligaverein er die Daumen drückt. Denn er hat sich ein Trikot von Serienmeister Bayern München übergestreift. "Wir sind quasi eine richtige Fan-Familie, denn oft sitzen wir gemeinsam mit der Mama vor dem Fernseher, wenn ein Spiel der Bayern übertragen wird", verrät der Papa des Chemnitzer Steppkes. Zwar habe es bisher noch nicht geklappt, eine Partie der Bayern live im Stadion zu verfolgen. Doch diese Reise sei schon ganz fest in die Planung aufgenommen.

Für Jill ist es in der Übungsstunde mit Steffen Ziffert nicht der erste Kontakt mit dem Fußball-Training. "Wir hatten unseren Sohn schon bei einem Chemnitzer Verein zum Training angemeldet. Aber dort wurde aus meiner Sicht zu eintönig und auch nicht altersgerecht trainiert. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, unser Kind hier anzumelden", sagt der Vater.

Dass Jill ein ausgeschlafener Junge ist, beweist er bei einer Übung. Zwei Fußbälle bilden dabei auf dem Belag die beiden Pfosten. Als Steffen Ziffert auf ihn zudribbelt, rollt er einfach eine Kugel näher zu sich, damit es der Ex-Profi schwerer hat, seinen kleinen Schützling zu überwinden.

Die Trainingsgruppe mit den Kindern ist auf eine Initiative von Ziffert ins Leben gerufen worden. "Ideal wäre es, wenn ich regelmäßig mit sechs Kindern arbeiten könnte. Bei dieser Anzahl kann ich den Kids optimal etwas beibringen", sagt er. Schließlich gehe es darum , die Mädchen und Jungs für den Fußball unter dem Dach des CFC zu begeistern.

Die Arbeit mit den Kindern ist gerade in der aktuellen Situation des Chemnitzer FC ein wichtiges Anliegen für den Sportvorstand, auch wenn dies momentan in den Hintergrund gerät. Derzeit gilt die gesamte Aufmerksamkeit dem Ziel Klassenerhalt in Liga drei.

"Die Nachwuchsarbeit allerdings macht besonders Spaß, weil die Kids ehrlich sind. Das ist ehrliche Arbeit", sagt Ziffert, der über das 1:6 der Profimannschaft in Osnabrück nicht mehr reden möchte. Nur so viel sagt er: "Ich bin natürlich stinksauer. Und das habe ich der Mannschaft auch gesagt." Der Verein stecke derzeit in einer der schwierigsten Phasen, die er jemals durchlaufen hat. In die tägliche Arbeit des neuen Cheftrainers David Bergner mische er sich nicht ein. "David macht einen guten Job. Jetzt sind die Spieler in der Pflicht", sagt Ziffert.

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