"Druck machen wir uns selbst"

Ex-Oberbürgermeister Peter Seifert über seine Ziele mit dem Leichtathletik-Club und die Situation beim CFC

Er geht in sein 25. Jahr als Präsident des Leichtathletik-Clubs (LAC) Erdgas Chemnitz: Ex-Oberbürgermeister Peter Seifert. Über die Situation in dem von ihm mitgegründeten Verein, die wichtigsten Vorhaben 2018 und zur Frage, ob er sich auch ein Amt beim angeschlagenen Chemnitzer Fußball-Club vorstellen kann, führte Mario Schmidt mit dem 76-Jährigen das folgende Gespräch.

Freie Presse: Herr Seifert, mit welchen Erwartungen in sport- licher Hinsicht gehen Sie in Ihr Jubiläumsjahr als LAC-Chef?

Peter Seifert: Im vergangenen Jahr haben unsere Athleten sechs internationale Medaillen gewonnen. Ich hoffe, dass wir 2018 dieses Resultat mindestens wiederholen und an die jüngsten Erfolge anknüpfen können.

Weil es diesbezüglich auch Druck von den Sponsoren gibt?

Nein. Leichtathletik hat heutzutage viel mit Mäzenatentum zu tun. Ihr Werbewert ist im Gegensatz zum Fußball leider begrenzt. Den Druck machen wir uns selbst, schließlich verfolgen wir im Verein ehrgeizige Ziele.

Höhepunkt in diesem Jahr ist die Europameisterschaft in Berlin. Mit den Dreispringern Kristin Gierisch und Max Heß hat der LAC zwei heiße Eisen im Feuer.

Ja, und beide können eine Medaille gewinnen. Das Leistungsvermögen dazu haben sie, müssen aber verletzungsfrei bleiben.

Wie ist der Verein im Nachwuchs aufgestellt?

Da haben wir noch Lücken. Unser größtes Talent ist derzeit Lea-Sophie Klik, die 2017 bei den U-18-Weltmeisterschaften in Kenia Silber im Weitsprung gewonnen hat. Erwähnenswert ist, dass die junge Dame zudem sehr gute schulische Leistungen zeigt und zu den besten Schülerinnen der Chemnitzer Sportoberschule gehört. Neben ihr haben vergangenes Jahr noch 14 weitere Jugendliche unseres Vereins Medaillen bei deutschen Titelkämpfen geholt.

Gelingt es, immer wieder neue talentierte Kinder für die Leichtathletik zu entdecken?

Ja, obwohl das manchmal einer Suche nach der Nadel im Heu- haufen gleicht. Unsere 22 Trainer und Übungsleiter investieren viel in diesen Bereich. In den letzten beiden Jahren konnten wir mehr als 100 Mädchen und Jungen zum LAC holen. Erstmals haben wir jetzt auch eine Bambini-Gruppe im Vorschulalter. Durch die Zuwächse ist die Mitgliederzahl im Club auf über 600 gestiegen - und damit so hoch wie noch nie.

Veranstaltungshöhepunkt des LAC ist sicherlich das Internationale Hallenmeeting am 10. Februar. Worauf kann sich das Publikum freuen?

Wir wollten um unsere beiden Dreisprung-Asse internationale Starterfelder bauen. Leider wird Kristin Gierisch verletzungsbedingt nicht antreten können. So liegt der Fokus jetzt auf dem Männer-Dreisprung mit Max Heß. Die weiteren Teilnehmer in der Königsdisziplin dieses Abends stehen noch nicht ganz fest.

Das Motto der Veranstaltung lautet also: Weniger ist mehr?

Das kann man so sagen. Vor Jahren haben wir über 150.000 Euro in das internationale Meeting investiert. Inzwischen ist es nur noch ein niedriger fünfstelliger Betrag. Mehrere Wettbewerbe mit Weltklasseathleten sind heutzutage nicht mehr finanzierbar.

Laut Stadtratsbeschluss soll das Hauptstadion im Sport- forum in den kommenden Jahren zu einer Leichtathletik-Anlage mit einigen wenigen tausend Zuschauerplätzen umgebaut werden. Haben Sie sich inzwischen mit dieser Variante angefreundet?

Was heißt angefreundet? Damit steht fest, dass in Chemnitz zum Beispiel nie wieder Deutsche Meisterschaften in der Leichtathletik ausgetragen werden können. Die Anlage wäre zu klein dafür. Das ist schon enttäuschend für uns. Ein geeignetes Stadion für solche Titelkämpfe entsteht stattdessen in Dresden.

Hat der LAC eine Information bekommen, wann die Bauarbeiten beginnen?

Bisher noch nicht.

Sie waren auch Vorsitzender des CFC-Wirtschaftsbeirates. Der angeschlagene Drittligist sucht dringend einen neuen Präsidenten. Viele Leute vertreten die Meinung, dass Sie der beste Kandidat für diesen Posten sind.

Ich bin mit meinen verschiedenen Ehrenämtern jetzt schon gut aus- gelastet. Jetzt muss eine jüngere Person mit Sachverstand, Herz für den Fußball und Durchsetzungs- vermögen gefunden werden.

Wenn der CFC überleben will, muss er vor allem von den hohen Stadionkosten herunterkommen. Wie könnte das gelingen?

Das ist das entscheidende Problem. Es ist nur in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Stadions (die Stadt - Anmerkung d. Red.) und dessen Unterstützung zu lösen. Da gibt es gute Beispiele bei anderen Drittliga-Vereinen mit vergleichbaren finanziellen Voraussetzungen.


Peter Seifert

Der gebürtige Zwickauer (Jahrgang 1941) studierte und promovierte an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt. Beruflich war Peter Seifert im Bereich der Computerentwicklung und Datenverarbeitung tätig - zunächst im VEB Robotron und später im Messgerätewerk Zwönitz. Wenige Wochen nach dem Mauerfall trat der zweifache Familienvater der SPD bei. 1993 wurde Seifert vom Chemnitzer Stadtrat zum Oberbürgermeister gewählt und im Frühjahr 1994 erstmals direkt von den Bürgern mit über 73 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Seifert war bis zum Sommer 2006, als er in den Ruhestand ging, Chemnitzer OB.

Seine größte Leidenschaft gilt von jeher der Leichtathletik, die er früher selbst erfolgreich betrieb. So lief Seifert die 100 Meter unter elf Sekunden. 1993 gehörte er zu den Gründern des LAC Chemnitz, dessen Präsident er seitdem ist. (ms)

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