Der Siegeszug der Podcasts

Die Coronakrise hat dem relativ jungen Medium noch einmal einen Schub gegeben: Podcasts - also regelmäßige Video- oder Audiobeiträge - die über das Internet verfügbar sind und abonniert werden können, werden bei den Deutschen immer beliebter.

Der Podcast ist vor allem ein Medium der jüngeren Generation. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digital-Branchenverbandes Bitkom hören 53 Prozent der befragten 16- bis 29-Jährigen Podcasts, 19 Prozent davon sogar täglich. "Podcasts sind ein modernes und junges Medienformat. Sie können jederzeit von überall gehört werden, sind vielfältig und sprechen somit viele verschiedene Zielgruppen an", sagt Sebastian Klöß, Bitkom-Bereichsleiter für Consumer Technology. "Der Produktionsaufwand ist vergleichsweise gering. Daher starten auch viele Laien eigene Podcasts als Hobby und sprechen über Themen, die sie bewegen."

Wie viele von den Machern glauben, mit dem Podcast einmal Geld verdienen zu können, hat die Umfrage nicht ermittelt. "Es gibt natürlich auch jetzt schon sehr erfolgreiche Podcasts, aber ein einzelner Podcast wird immer ein Nischenprodukt bleiben, wohingegen die Podcasts als Ganzes auf dem besten Weg in den Massenmarkt sind", sagt Martin Liss. Der 53-Jährige ist Mitinhaber des Berliner Unternehmens Podcast 360, das sich auf die Konzeption, Produktion und Forschung von und zu Podcasts spezialisiert hat. Zuvor war er gut 25 Jahre lang vor allem Radiomacher und hat als Programmdirektor des deutschen Ablegers des französischen Radiosenders Energy die Radiolandschaft in Deutschland mitgeprägt. "In der Anfangszeit haben die Radiosender die Podcasts als bessere Resteverwertung gesehen, in dem sie Interviews, die sie in der kompletten Länge nicht ausstrahlen konnten, als Podcast zur Verfügung stellten", sagt er.

Mit steigendem Interesse wurden auch die Podcast ambitionierter, Zeitungsverlage entdeckten sie, um neue Zielgruppen zu erreichen. So ist seit Kurzem auch die "Freie Presse" mit einem Angebot am Markt: In "Geteilte Ansichten" wirft "Freie Presse"-Kulturchef Tim Hofmann mit zwei Experten einen differenzierten Blick auf die DDR.

Neben den Experten, die etwas zu sagen haben, tummeln sich im Podcast-Universum auch zahlreiche Laien, die sich berufen fühlen, etwas zu sagen. Auch um die Spreu vom Weizen zu trennen, haben führende Akteure aus der Audiobranche 2020 den Deutschen Podcast Preis ins Leben gerufen. "Gesprochene Worte lassen Tag für Tag ganze Welten in unseren Köpfen entstehen. Dafür braucht es engagierte, kluge und kreative Macherinnen und Macher, die uns mit ihren Podcasts in einen auditiven Kosmos mit ganz unterschiedlichen Themen entführen",  sagt Grit Leithäuser, Geschäftsführerin der Radiozentrale und Veranstalterin des Deutschen Podcast Preises.

Nach Einschätzung von Martin Liss ist vor allem die neu entdeckte Freude der Deutschen, sich Geschichten erzählen zu lassen, ein Grund für den Podcast-Boom. Spannend werde die Frage, wie sich mit Podcasts Geld verdienen lässt. Werbung zur Finanzierung der Podcasts wird von den Nutzern gemeinhin akzeptiert, bisher fehlt aber das richtige Werkzeug, das es den Werbekunden erlaubt, zu messen, wie viele Menschen einen Podcast wirklich hören. "Die Entwicklung eines solchen Werkzeugs wird gerade vorbereitet. Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt", sagt Martin Liss. (cw)

Die ersten vier Folgen des Podcasts "Geteilte Ansichten" finden Sie hier: freiepresse.de/podcast

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