Wikipedia: 17.000 Autoren sorgen für Aktualität

Wer heute nach lexikalischem Wissen sucht, kommt an Wikipedia nicht vorbei. Das Onlinelexikon ist zu einer Institution geworden und regelmäßig unter den Top-10-Seiten in Deutschland gelistet. Mehr als 17.000 aktive Benutzer halten die Artikel auf dem neuesten Stand und gehen dabei auch Diskussionen nicht aus dem Weg.

Steffen Prößdorf ist seit gut 15 Jahren Wikipedianer - so nennen sich die aktiven Mitarbeiter am 2001 online gegangenen Wikipedia-Projekt. Rund 20 Stunden in der Woche investiert der Erfurter in die Arbeit. Geld bekommt er dafür nicht. Das verdient er als freiberuflicher Fotograf, hauptsächlich von Sportereignissen. Seine Bilder werden von Nachrichtenagenturen in alle Welt geschickt. Über die Bilder kam der 48-Jährige auch zu Wikipedia.

"Meine Bilder von aktuellen Ereignissen werden in der Regel nur einmal von den Agenturen, Zeitungen und Webseiten genutzt. Ich fand es schade, dass sie anschließend im Archiv verschwinden und stelle sie deshalb den Autoren von Wikipedia zur Verfügung", sagt er. Mehr als 16.000 Bilder hat er inzwischen bei Wikimedia Commons hochgeladen. Dahinter verbirgt sich eine internationale Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien, die frei verwendet werden dürfen. Weltweit sind 76 Millionen Mediendateien bei Wikimedia Commons hinterlegt, die meisten davon sind Bilder, die die Autoren in ihre Beiträge einbinden können.

Immer wieder streift aber auch Steffen Prösdorf durch die schon vorhandenen Artikel, nimmt Aktualisierungen vor oder fügt die passenden Bilder ein. Als angemeldeter Autor hat er eine sogenannte Watchlist, also eine Beobachtungsliste, auf der er auch sieht, wenn andere in den von ihm beobachteten Texten Veränderungen vornehmen.

Wikipedia basiert auf dem Grundsatz, dass jeder Besucher ohne Anmeldung Beiträge verfassen und ändern kann. So sollen möglichst viele Menschen am Lexikon mitschreiben können, allerdings bringt das System Probleme mit sich. So hatte Wikipedia zeitweise mit Schleichwerbung zu tun, in dem vor allem Unternehmen Autoren oder Marketingagenturen für wohlwollende Texte bezahlten. "Solche Texte werden von anderen Nutzern aber schnell erkannt, und bei vielen Unternehmen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass diese Form der Imageaufpolierung eher kontraproduktiv ist", sagt Steffen Prösdorf.

Diskussionen zu bestimmten Artikeln, Absätzen oder der Verwendung einzelner Wörter gehören bei Wikipedia dazu. Da es bei bestimmten Texten oder einzelnen Absätzen aber immer wieder zu sogenannten Bearbeitungskriegen kam, weil die von einem Autor vorgenommenen Änderungen von einem anderen Autor wieder rückgängig gemacht worden sind, können Wikipedia-Administratoren betroffene Artikel oder Teile davon für die Bearbeitung eine Zeit lang sperren. In der Regel wird dieser Seitenschutz nach einer Weile wieder aufgehoben. Darüber hinaus hat die deutschsprachige Wikipedia im Mai 2008 das System der Sichtung eingeführt. "Dadurch wird allen unangemeldeten Benutzern standardmäßig die letzte gesichtete Version eines Artikels angezeigt. Inhaltsänderungen eines Bearbeiters ohne "Sichter-Status" werden erst dann für die Allgemeinheit sichtbar, wenn ein Benutzer mit Sichter-Status sie freigeschaltet hat. Ziel des Systems der Sichtungen ist es vor allem, offensichtlichen Vandalismus, der meist durch unangemeldete Benutzer erfolgt, unattraktiver zu machen. Seit Einführung der Sichtungen ist der Vandalismus in der deutschsprachigen Wikipedia zurückgegangen", heißt es im Artikel über Wikipedia auf der deutschsprachigen Wikipedia-Seite. Und damit sind wir bei einer weiteren Besonderheit: Jeder kann die Wikipedia-Texte oder einzelne Passagen daraus ungefragt für seine eigenen Arbeiten übernehmen - selbstverständlich unter Nennung der entsprechenden Quelle.

In der deutschsprachigen Wikipedia gibt es derzeit mehr als zwei Millionen Artikel, damit liegt die Version weltweit auf Platz 4. Spitzenreiter ist die englischsprachige Version mit mehr als sechs Millionen Texten. Und auch wenn jeder einen Text verfassen kann, heißt das noch lange nicht, dass er nach der Veröffentlichung auch lange online stehen bleibt.

Ziel von Wikipedia ist es, eine Enzyklopädie aufzubauen. Die beschriebenen Dinge müssen also eine gewisse Relevanz haben - was dabei zu beachten ist, beschreibt Wikipedia für alle nachlesbar ausführlich in seinen Grundprinzipien. Wem das noch nicht reicht, der findet auch einen Beitrag zu der Frage, was Wikipedia nicht ist. (cw)

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