Die Polizei fahndet nach Farhad Ramazan Ahmad. Das Foto stammt aus dem Jahr 2016.
Die Polizei fahndet nach Farhad Ramazan Ahmad. Das Foto stammt aus dem Jahr 2016. Bild: Polizei Chemnitz
Chemnitz
Dritter Haftbefehl nach Tötungsverbrechen in Chemnitz

Freie Presse auf Google News folgen

Die Polizei fahndet öffentlich nach einem weiteren irakischen Asylbewerber. Bei einem der Inhaftierten stellt sich heraus: Seine Papiere waren gefälscht.

Chemnitz.

ChemnitzGut eine Woche nach der folgenschweren Messerstecherei am Rande des Chemnitzer Stadtfestes sucht die Polizei per Haftbefehl nach einem dritten Tatverdächtigen. Es handele sich um den 22-jährigen irakischen Staatsangehörigen Farhad Ramazan Ahmad, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Medieninformation von Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion in Chemnitz.

Der Öffentlichkeitsfahndung ist ein Foto des Tatverdächtigen aus dem Jahr 2016 beigefügt. Derzeit trage er seine Haare an den Seiten kurz und das Haupthaar länger, heißt es in der Mitteilung. Der gesuchte Tatverdächtige habe sein gewohntes Umfeld verlassen und sei womöglich bewaffnet. "Wer kann Angaben zu seinem derzeitigen Aufenthaltsort machen?", fragt die Polizei.

An seinem bisherigen Wohnort in Deutschland sei der Asylbewerber schon seit vielen Wochen nicht gesehen worden, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Ingrid Burghart, auf Anfrage mit. Wo Ahmad zuletzt gemeldet war, konnte sie auf Nachfrage nicht genau beantworten. Es handele sich aber wohl um den Raum Chemnitz.

Bereits kurz nach Veröffentlichung der Fahndung meldete sich bei der "Freien Presse" ein Mann, der den Tatverdächtigen wiedererkannt haben will. Er verwies auf ein Facebookprofil, das auf einen anderen Namen lautet, auf dem aber zahlreiche Fotos zu sehen sind, auf denen eine Person zu sehen ist, die Ramazan Ahmad stark ähnelt. Das Profilfoto zeigt die Person am Tatort.

In der Nacht zum Sonntag vor einer Woche war in der Chemnitzer Innenstadt ein 35-jähriger Deutschkubaner an fünf Messerstichen in den Oberkörper gestorben. In der Folge kam es in Chemnitz zu Demonstrationen, Ausschreitungen und Jagdszenen auf Migranten. Zwei tatverdächtige Asylbewerber waren noch am Tag der Tat festgenommen worden. Sie sind seither in Untersuchungshaft, ihre Identität ist inzwischen jedoch unklar.

Zum mehrfach vorbestraften Tatverdächtigen Yousif A., der in den Akten bislang als 22-Jähriger aus der nordirakischen Stadt Bashika geführt wird und der zuletzt in Annaberg-Buchholz wohnte, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin am Dienstag mit, der Mann habe im November 2015 einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Seine vorgelegten Papiere - Reisepass, Personalausweis und Staatsangehörigkeitsurkunde - hätten sich jedoch bei einer Überprüfung im Juni 2018 als "Totalfälschungen" erwiesen.

"Die Untersuchung der vorgelegten Dokumente hat zu lange gedauert", kritisierte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fehlten Spezialisten. Zum zweiten Inhaftierten, dem 23-jährigen Syrer Alaa S., erklärte das Ministerium, dessen Personenangaben beruhten auf einer Selbstauskunft. Sie würden derzeit verifiziert.

Zeugenhinweise nimmt die Kriminalpolizei in Chemnitz unter der Rufnummer 0371/3873448 entgegen.

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Das könnte Sie auch interessieren
22:20 Uhr
1 min.
Bombendrohung: Hauptbahnhof Zwickau kurzzeitig gesperrt
Bombendrohung: Hauptbahnhof Zwickau kurzzeitig gesperrt - Betroffen von der Sperrung des Zwickauer Hauptbahnhofs waren auch Züge der Mitteldeutschen Regiobahn von Dresden nach Plauen und Hof. (Archivbild)
Eine Bombendrohung hat den Zwickauer Hauptbahnhof am Abend kurzzeitig lahmgelegt. Doch die Bundespolizei fand nichts Verdächtiges.
22:27 Uhr
1 min.
Gordon-Wechsel zum FC Barcelona perfekt
Gordon-Wechsel zum FC Barcelona perfekt - Anthony Gordon wechselt von Newcastle United zum FC Barcelona.
Der FC Bayern hat im Werben um Anthony Gordon das Nachsehen. Der Offensivspieler wechselt von Newcastle zum FC Barcelona. Die Ablöse beträgt Medienberichten zufolge rund 80 Millionen Euro.
17.01.2025
5 min.
Fall Daniel H.: Ein Täter von 2018 kommt bald frei
Fall Daniel H.: Ein Täter von 2018 kommt bald frei - Im weißen Jackett wurde Alaa S. von Justizbeamten am Ende seines Prozesses in den Gerichtssaal geführt. Er wurde zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Jetzt soll er wieder frei kommen.
Der 29-jährige Syrer Alaa S. soll bei guter Prognose nach zwei Dritteln seiner Haft vorzeitig auf freien Fuß kommen. Das entschied das Gericht zwei Tage vor Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres. Die Staatsanwältin betont, dass politische Opportunität für juristische Entscheidungen keine Rolle spielen darf.
Jens Eumann
11.12.2024
4 min.
Ausschreitungen von 2018: Landgericht Chemnitz eröffnet weiteres Verfahren
Ausschreitungen von 2018: Landgericht Chemnitz eröffnet weiteres Verfahren - Schon 2023 wurde gegen Personen verhandelt, die am 1. September 2018 an gewalttätigen Ausschreitungen beteiligt waren. 2025 kommt es nun zu einem weiteren Prozess.
Wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung hat die Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen vier Personen erhoben. Das Landgericht Chemnitz nimmt sich des Falles an – keine Selbstverständlichkeit.
Erik Anke
29.05.2026
2 min.
Tödlicher Badeunfall am Stausee Rabenstein: Großaufgebot an Einsatzkräften suchte zwei Stunden lang nach dem Opfer
Tödlicher Badeunfall am Stausee Rabenstein: Großaufgebot an Einsatzkräften suchte zwei Stunden lang nach dem Opfer - Bei einem Badeunfall am Stausee Rabenstein ist am Donnerstagabend ein Mann ertrunken.
Mit mehreren Booten, Drohnen und Spezialtauchern wurde am Donnerstagabend ein Mann gesucht, der 25 Meter vom Ufer entfernt untergegangen war. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Mittlerweile steht seine Identität fest.
Benjamin Lummer
28.05.2026
3 min.
Das ist die meistgestellte Frage der Kunden der Oederaner Bäckerei Möbius
Das ist die meistgestellte Frage der Kunden der Oederaner Bäckerei Möbius - Mandy Kiesewalter und Markus Grimm zeigen Überraschungstüten, wie sie auch in der Filiale der Bäckerei Möbius an der Kesselgasse in Freiberg angeboten werden.
Wo landen die nicht verkauften Waren des Bäckereibetriebs? Darauf gibt es viele Antworten. Eine Variante ist jetzt entfallen. Dafür soll eine Idee in einem Freiberger Geschäft umgesetzt werden.
Jan Leißner
Mehr Artikel