Der Tuba-Bauer vom Scheibenberg

Philip Josiger ist Meister für Metallblasinstrumentenbau. In dieser Woche hat er seine eigene Werkstatt eröffnet. Dabei ist er einer der wenigen, die Tuben noch komplett selbst herstellen können.

Scheibenberg.

Wenn Philip Josiger in seiner Werkstatt arbeitet, können ihn die Passanten bei seiner Arbeit beobachten. Denn die Räume, in denen der 23-Jährige seinen Traum von der Selbstständigkeit und der Rückkehr in seine Heimatstadt Scheibenberg verwirklicht, befinden sich an der Silberstraße 37 - direkt am Markt - und ähneln mit ihren großen Schaufenstern mehr einem Geschäft denn einer Werkstatt.

Und das, was Josiger repariert, umbaut oder gleich komplett selbst neu erschafft, kann sich wirklich sehen lassen. Der 23-Jährige ist Metallblasinstrumentenbauer und Meister seines Handwerks. Spezialisiert hat er sich auf Tuben. Das hat einen einfachen Grund. Der Erzgebirger spielt dieses Instrument selbst. Begonnen hat er damit im Alter von 12 Jahren. Das beeindruckende Aussehen, der Klang: Schnell war Philip Josiger von dem Metallblasinstrument begeistert, auch wenn seine eigene musikalische Ausbildung zunächst mit einem anderen Instrument begann. Doch die Tuba ließ ihn nicht mehr los. Daher überlegte der Scheibenberger, der im Posaunenchor der Kirchgemeinde und in der Bläserphilharmonie Thum aktiv ist, sein Hobby zum Beruf zu machen. Am Ende tat er das auch, nur auf andere Weise als zunächst gedacht. Denn anstatt Berufsmusiker zu werden, kombinierte er sein handwerkliches Geschick mit der Leidenschaft für die Musik. Bereits zu Schulzeiten absolvierte er mehrere Praktika bei Instrumentenbauern. Nach dem Schulabschluss begann er mit 16 Jahren eine Ausbildung in Thüringen. Drei Jahre später wechselte er nach Leipzig. In jener Werkstatt rückten vor allem die Themen Umbau, Restauration und die Tuba in den Fokus - ein Steckenpferd seines damaligen Chefs.

Von da an wollte es Philip Josiger genauer wissen. Wie baut man eine Tuba traditionell von Hand? Bei seinen Recherchen stieß er auf Hartmut Geilert. Dieser ist unter anderem für seine Riesentuba bekannt. Bei dem Klingenthaler drückte er also quasi die Tubabau-Schulbank. "Es gibt nur noch sehr wenige Instrumentenbauer, die eine Tuba per Hand herstellen können." So wundert es auch nicht, dass es eine Tuba wurde, die Philip Josiger zu seinem Meisterstück erklärte. Seit Juli hat er seinen Meisterbrief in der Tasche. Kurz zuvor hatte er sich bereits selbstständig gemacht. Mit der Eröffnung seiner eigenen Werkstatt in seiner Heimatstadt hat er sein Ziel erreicht. Nun will der 23-Jährige eine Lücke schließen. Nach seinem Wissen gab es nämlich in der Region bis jetzt keinen Metallblasinstrumentenbauer, dafür aber viele Posaunenchöre und andere Orchester. Die handgefertigten Tuben - auf Anfrage stellt Josiger auch andere Metallblasinstrumente her - seien vor allem für Berufsmusiker interessant. Doch egal ob Profi oder Hobbymusiker: Für Philip Josiger geht es immer um den richtigen Klang und ein schönes Instrument - egal ob Tuba, Horn, Posaune und Co.

Passanten sollten die Ohren beim Vorbeilaufen nun übrigens immer gespitzt haben. Denn neben dem Drehen, Löten, Schmieden, Polieren und all den anderen Arbeitsgängen, gehört der abschließende Klangtest selbstverständlich immer mit dazu. Der Ton macht eben die Musik - und das manchmal auch in einer Werkstatt.

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