Sanierung des Opernwagens: Ende der Arbeiten in Sicht

Im Sommer 1974 avancierte ein Packwagen der Thumer Schmalspurbahn zum Filmstar. Mit immensem Aufwand restauriert eine Gruppe von Enthusiasten das Gefährt. Doch eine Entscheidung bereit ihnen Kopfzerbrechen.

HEROLD.

Es gibt noch viel zu tun, aber es ist keine unendliche Geschichte. Die Aufarbeitung des Packwagens der IG Thumer Netz geht voran. Am Wochenende haben sich die Mitstreiter der Interessengemeinschaft beim Aufbau des Gerippes für den Wagenkasten zu schaffen gemacht. Nach Abschluss dieser Arbeiten wird das Gerippe innen mit Holz und außen mit Blech verkleidet. Arbeit am historischen Fahrzeug gibt es noch genug.

2012 hat der rund 20 Mitglieder zählende Verein den Wagen von der Sächsischen Dampfeisenbahn Gesellschaft (SDG) gekauft. Die Herolder holten den im Bahnhof Cranzahl dahinsiechenden Packmeister sozusagen aus dem Dornröschenschlaf. Wohl bewusst der Tatsache, dass sie diese Wiederbelebung sehr viel Mühe kosten wird. Und nicht nur das: Der zweite Vereinsvorsitzende Sven Meyer schätzt die Kosten des kompletten Aufbaus des Wagens mit allem Drum und Dran auf rund 65.000 Euro. Dabei wird das Projekt Wagenkasten mit 40.000 Euro aus dem europäischen Leader-Programm gefördert. "Großzügige Unterstützung erhalten wir auch durch die Sparkassenstiftung", erwähnt Meyer.

Trotz der finanziellen Hilfen bleiben viele Kosten beim Verein. Bisher ist beim Fahrzeug in der RVE-Bahnwerkstatt in Marienberg der Rahmen aufgearbeitet worden. Die Herolder Schmalspurbahn-Enthusiasten haben das Teil wieder mit allen notwendigen Leitungen für die Bremsen, die Elektrik und die Heizung versehen. Unter anderen wurden Holzteile wie die Bühnenauftritte installiert und neuer Fußboden verlegt. Aufgearbeitet sind ebenso schon die Drehgestelle samt Achsen und Rädern. Sie haben auf einem 25 Meter langen Gleisstück auf dem einstigen Herolder Bahnhof Platz gefunden. "Die Stunden, die wir bisher investiert haben, können wir nicht mehr zählen", macht Sven Meyer den großen Aufwand deutlich.

2020 soll der Packmeister fertig sein. Der Wagen findet dann auf dem 2013 verlegten Gleisstück einen Ehrenplatz. "Und wir wollen den Wagen für eine kleine Ausstellung nutzen", verrät der zweite Vereinschef. Kopfschmerzen bereitet den Vereinsmitgliedern allerdings noch die Gestaltung des Schmalspurgepäckwagens bei der Farbgebung. Schließlich handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Fahrzeug.

Der Wagen besaß gelbe Verzierungen. Das nun wiederum deshalb, weil er 1974 zum Filmstar avancierte. Im Juni 1974 verfilmte das DDR-Fernsehen mit Solisten der Mailänder Scala und Kaskadeuren der DEFA in Jahnsbach und an den Greifensteinen die Räuberoper "Fra Diavolo". Dabei musste der Wagen einige Zugüberfälle über sich ergehen lassen.

Mit seinen Verzierungen lief der Packwagen bis 1975 in den planmäßigen Zügen und somit bis zum Schluss aller Schmalspurherrlichkeit zwischen Thum und Meinersdorf. Auch beim Abbau der Strecke kam er noch zum Einsatz. "Die Verzierungen passen nicht zum Bahnhof Herold, andererseits sind sie ein Alleinstellungsmerkmal. Um eine Entscheidung zu treffen, werden wir wohl noch einige Nächte drüber schlafen müssen", sagt Sven Meyer.

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