Kreisrat fordert Versammlung zum Wolf in Johanngeorgenstadt

Nach der Tötung einer Hirschkuh am Rande der Bergstadt haben die Behörden den Kadaver nicht untersucht. Daran gibt es jetzt Kritik.

Johanngeorgenstadt.

Kreisrat Jörg Neubert (SPD) ist keiner, der ständig provoziert, aber diesmal kann er nicht anders. "Wenn es zu Zeiten der Gebrüder Grimm ein Wolfsmanagement mit Forstbezirken, Unterer Forstbehörde, Unterer Jagdbehörde, Unterer Naturschutzbehörde, Wolfsbeauftragten, Wildmonitoring, Internet und E-Mail gegeben hätte, dann wäre das Märchen von Rotkäppchen anders ausgegangen", schreibt er an die "Freie Presse."

Neubert kritisiert damit die Erfahrung, die eine Frau aus Johanngeorgenstadt machen musste, nachdem sie am Waldrand den Kadaver einer Hirschkuh gefunden hatte, die augenscheinlich durch einen Biss in die Kehle getötet worden war. Eine solche Verletzung wird für gewöhnlich mit einem Wolfsangriff in Verbindung gebracht. Zweifelsfrei ermittelt werden kann dies aber nur, wenn der Kadaver von Fachleuten untersucht wird.


Die Frau wandte sich an einen Förster in Johanngeorgenstadt, der sie an den Forstbezirk Neudorf verwies. Da der Sachsenforst nicht für die Begutachtung von Rissen zuständig ist, gab er den Fall per E-Mail an das Landratsamt des Erzgebirgskreises weiter. Dort ist der Vorgang laut einer Sprecherin aber nicht bekannt. Es erfolgte keine Bewertung des Fundes, und die Chance, Landwirte vor der Anwesenheit von Wölfen zu warnen, wurde vertan.

Eine Woche nach dem Fund der toten Hirschkuh griffen Wölfe eine Schafsherde bei Oberwiesenthal an. Fünf Tiere starben. Die Halter erheben Vorwürfe gegen das Wolfsmanagement des Landkreises, das auch im Nachgang behäbig agiert habe.

"Natürlich hat die Frau richtig gehandelt", schreibt Jörg Neubert, der auch Stadtrat in Johanngeorgenstadt ist. "Der Fachmann für die Tiere des Waldes ist seit grimmschen Zeiten der Förster. Warum ruft der nicht die zuständige Behörde an? Warum handeln der nicht zuständige Förster und die zuständige Behörde nicht vertrauensvoll und unbürokratisch zusammen? E-Mail, Aktenzeichen, Protokoll - das gibt keine Sicherheit. Warum wird nicht nachtelefoniert? Eine mutmaßlich vom Wolf gerissene Hirschkuh in der Nähe menschlicher Siedlung. E-Mail, Aktenzeichen, Protokoll: Ist das der richtige Umgang mit dem Bedrohungsgefühl unserer Bürger?"

Neubert fordert jetzt eine Bürgerversammlung in Johanngeorgenstadt mit der Wolfsbeauftragten des Landkreises, Viola König. "Da soll man aber bitte nicht über wissenschaftliche Studien, Monitoring, Arten- und Wolfsschutz reden, sondern die Frage beantworten: Was tue ich, wenn mir, meinen Kindern, Freunden oder Gästen beim Joggen, Radeln oder Wandern im Wald plötzlich ein Wolf gegenübersteht?"

Sowohl das Landratsamt als auch der Sachsenforst hatten zuvor auf eine Anfrage der "Freien Presse" hin erklärt, dass sie nicht nur an Meldungen über Risse von Nutztieren, sondern auch über Risse an Wildtieren interessiert seien. Diese würden gesammelt und ausgewertet, damit sich ein detailliertes Gesamtbild ergeben könne, so die Kreissprecherin.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Tauchsieder
    02.05.2019

    Als erstes sollte man nicht vergessen den Wolf zu dieser Versammlung mit einzuladen, er muss sich ja dazu äußern können. Was die Fragen bei einer Begegnung betrifft von mir nur so viel, man sollte kein rotes Kopftuch tragen, auch keinen Korb mit Wein und Kuchen bei sich haben und auf jeden Fall nicht die Großmutter besuchen. Wer dies berücksichtigt dem ist der Wolf wohlgesonnen.



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