Sechs Tage dauert Aufbau der Pyramide

Heute öffnet die Weihnachtsschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher. Diesmal spielt eine Leihgabe aus dem Ort eine besondere Rolle.

Gelenau.

Eine große Pyramide begrüßt zur diesjährigen Weihnachtsausstellung die Besucher im Gelenauer Depot Pohl-Ströher. Nichts Außergewöhnliches, sollte man meinen. Doch der über zwei Meter große Weihnachtsschmuck im Kassenbereich gehört diesmal zu den Ausstellungsneuheiten, weist einige Besonderheiten auf und hat eine lange Geschichte.

Dass die Pyramide in Gelenau zu besichtigen ist, sei kein Zufall, berichtet Leihgeber Reiner Schiller. "Vor 90 Jahren wurde sie nach dreijähriger Bauzeit von meinem Onkel Alfred Schubert fertiggestellt", weiß der 75-Jährige und fügt hinzu: "Er hat sie hier im Ort, nur wenige Meter vom Depot entfernt, gebaut." Die meisten der zahlreichen Exponate kommen ja aus der ganzen Welt, nur der Ort selbst sei wenig vertreten. Das habe sich nun geändert.

Doch es gibt auch andere Gründe, die Reiner Schiller bei einem seiner zahlreichen Besuche im Depot zu dem Entschluss brachten, das gute Stück endlich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. "Mein Onkel hat jedes Jahr in aufwändiger Kleinarbeit die vielen Einzelteile zusammengefügt." Dafür fehlte Reiner Schiller in den zurückliegenden Jahren die Zeit - und ein wenig auch die dafür notwendige Geduld. "In den nächsten fünf Jahren können sich mein Sohn Christian und ich gemeinsam mit den Ausstellungsbesuchern an der Pyramide erfreuen." Über diesen Zeitraum hinweg erstreckt sich die Leihgabe.

Schon als Kind ging Reiner Schiller seinem Onkel beim vorweihnachtlichen Aufbau zur Hand. Später vermachte Alfred Schubert Christian Schiller Haus und Pyramide. "Um die Pyramide musste ich mich aber weiterhin kümmern", sagt Reiner Schiller, lacht und erklärt einige Besonderheiten des einmaligen Erbstücks. Während Anfang der 1920er-Jahre die Elektrizität rasanten Einzug in die Weihnachtsstuben hielt und sich in den erzgebirgischen Wohnzimmern vieles elektrisch betrieben drehte und bewegte, entschied sich der Erbauer für ein herkömmliches Federwerk als Antrieb. "Das ist für diese Zeit ungewöhnlich", bestätigt auch Depotleiter Michael Schuster und mache die Leihgabe zu einer Besonderheit der diesjährigen Weihnachtsschau.

"Woher das metallene Präzisionsteil stammt, habe ich nie erfahren", so Schiller. Das tellergroße Laufwerk im Pyramidensockel bewegt den Pyramidenkörper über eine ausgeklügelte Untersetzung nach einmaligem Aufziehen über zwei Stunden. Die porzellanene Figurenwelt auf den fünf Tellern erzählt die Weihnachtsgeschichte mit den Aposteln, dem römischen Heer und den Hirten bis in das obere Stockwerk mit der Geburt Christi. Die Pyramidenspitze stellt einen Kirchturm mit vier mechanisch betriebenen Taschenuhren nach. Alle Arbeiten wurden vom Gelenauer Zimmermann Alfred Schubert allein ausgeführt. Lediglich den dezenten Anstrich nahm ein ortsansässiger Malermeister vor.

2002 wurde die Pyramide das bislang letzte Mal aufgebaut, und Reiner Schiller war sich ganz sicher, dass er alles noch genau im Griff habe. Eine Bauanleitung gab es nicht. "Die Einzelteile sind mit Nummern versehen, doch so richtig hat mich das nicht weitergebracht", gesteht der gelernte Elektriker und hätte zu gern seinen Onkel zurate gezogen. Sechs Tage waren schließlich für den Wiederaufbau in der Weihnachtsstube des Depots notwendig. Besonders aufwändig sei die Umrüstung der Illumination gewesen. "Die Lämpchen waren mit 220Volt in Reihenschaltung angeordnet", berichtet Michael Schuster. Das sei in einer öffentlichen Ausstellung, in der sich kleine Kinderhände oft näher zu den Exponaten als gewünscht vortasten, gefährlich gewesen. Erforderlich war eine Umrüstung auf 24-Volt-Elektrik. "Doch das ist die einzige Veränderung", betont Eckhart Holler, der als Restaurator dem Leihgeber beim Aufbau behilflich war. "Alles andere ist original Baujahr 1926".

Die Weihnachtsschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher in Gelenau ist bis 29. Januar jeweils Freitag, Samstag und Sonntag von 10 bis 18Uhr geöffnet. Außerdem kann die Schau vom 27. bis 30. Dezember in dieser Zeit besichtigt werden. Eintritt: Erwachsene 6Euro, ermäßigt 4,50 Euro.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...