Beistand auf Distanz - geht das?

Am 1. März hat Pfarrer Christian Schubert die Kirchgemeinde St. Georgen übernommen. Wenige Tage später kam das Kontaktverbot - ein ungewöhnlicher Neustart.

Schwarzenberg.

Das hatte sich der neue Pfarrer von St. Georgen wohl alles etwas anders vorgestellt, als er am 1. März die Kirchgemeinde übernahm. Doch Christian Schubert hadert nicht mit der aktuellen Situation, sondern versucht, trotz des durch Corona bedingten Kontaktverbots, für seine Kirchgemeindeglieder da zu sein. Ein Anfang und Beistand auf Distanz ist ungleich schwerer. "Natürlich kann mich jeder gern anrufen. Durchaus auch jene, die einfach nur mal reden wollen. Dazu müssen sie nicht zwingend konfessionell gebunden sein", sagt der 37-Jährige. Trotz allem fühlt sich der gebürtige Auer bereits angekommen in Schwarzenberg, der mit seiner Frau und den beiden kleinen Mädchen nun in der Altstadt wohnt.

"Vieles müssen wir derzeit telefonisch machen, und doch gibt es ein Gefühl des Zusammenhalts", meint er und nennt als Beispiel die täglichen musikalischen Gebete nach dem Glockenläuten, 19.30 Uhr in der Altstadt. Dann erklingt aus vielen offenen Fenstern derzeit das Lied "Der Mond ist aufgegangen". Auch Kirchenmusikdirektor und Kantor Matthais Schubert freut sich über den zunehmenden Zuspruch, den diese Aktion findet.

Unter der gegenwärtigen kritischen Situation leiden auch die kirchenmusikalischen Aktivitäten der Kantorei von St. Georgen. So können in diesem Jahr keine Aufführungen am Karfreitag und zum Osterfest stattfinden. Die geplante Johannespassion und das Osteroratorium werden ins nächste Jahr verschoben. Auch das Kindermusical "Der verlorene Sohn", das während der Rüstzeit im Februar einstudiert wurde und das im Rahmen eines Gottesdienstes aufgeführt werden sollte, muss warten. Dafür wird noch ein Ersatztermin gesucht.

Die Absage der Veranstaltungen führe natürlich zu finanziellen Problemen. Deshalb bittet Kirchmusikdirektor Matthias Schubert all jene, die für die Johannespassion bereits Karten gekauft haben, den Kartenpreis - so es denn möglich ist - der Kantorei zu spenden. Diese habe in diesem Jahr bereits Ausgaben von über 10.000 Euro, aber kaum Einnahmen. Daher sein Wunsch: "Es wäre schön, wenn sich viele Freunde der Kantorei und der Musik in St. Georgen an der Spendenaktion beteiligen könnten." Für die bevorstehenden hohen Festtage Karfreitag und Ostern werden gegenwärtig Möglichkeiten zur Übertragung eines Gottesdienstes im Regionalfernsehen geprüft. Ebenso soll es eine Aktion unter dem Motto "Ostern vom Balkon" am Ostersonntag ab 10.15 Uhr nach dem ZDF-Fernsehgottesdienst geben. Darüber werde noch detaillierter informiert.

Die Veranstaltungen im Mai, wie das Pfingstkonzert mit "Amarcord" im Rahmen des sächsischen Mozartfestes und die zweiten Schwarzenberger Bläsertage Anfang Juli sind hingegen noch nicht abgesagt. Der Kartenvorverkauf hierfür ist zwar derzeit unterbrochen, aber es können Kartenreservierungen im Pfarramt vorgenommen werden.

"Dieses Jahr ist alles anders als sonst. Es wird uns vor Augen geführt, dass viele scheinbare Selbstverständlichkeiten nicht selbstverständlich sind", heißt es in einem Zusatz zum Gemeindebrief.

Die Kirche St. Georgen bleibe weiterhin geöffnet. Und zu den Zeiten des Gottesdienstes sei auch der Pfarrer da. Allerdings nur für Einzelgespräche und unter Wahrung des entsprechenden Abstands.

Um zahlreichen älteren Menschen in der Region, die in einem Pflegeheim leben, zum Osterfest dennoch zu signalisieren, dass viele an sie denken, haben etliche Kinder aus dem Kindergarten, der Christenlehre oder auch dem Mutter-Kind-Kreis bereits farbenfrohe Osterbilder gemalt. Diese werden noch vor den Feiertagen an die Bewohner von fünf Heimen geschickt.


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