Bockau wagt digitalen Alleingang

Nur die Räte des Laborantendorfs haben sich für die Arbeit mit Tablets entschieden. In Stützengrün und Zschorlau bleibt es dagegen bei Beschlussvorlagen auf Papier.

In Sachen digitaler Gemeinderat wagt Bockau den Alleingang. Gemeinsam mit seinem Verwaltungspartner Zschorlau und dessen Ortsteilen Albernau und Burkhardtsgrün sowie mit dem benachbarten Stützengrün inklusive Hundshübel wurden im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit schon vor zwei Jahren Fördermittel beantragt. Nun kam es zu den Beschlüssen - und nur die Räte des Laborantendorfs entschieden sich für die Arbeit mit Tablets.

Die Umstellung auf die Arbeit mit tragbaren Computern geht Hand in Hand mit dem Ratsinformationssystem, das im Zuge des Fördermittelprogramms über Leader zur Entwicklung des ländlichen Raums ebenfalls installiert wird. Aus zwei Gründen hat sich das Projekt - seinerzeit von Bockau angeschoben - in die Länge gezogen. Zum einen wurden die Gemeinderäte voriges Jahr neu gewählt, daher bot sich eine erneute Abfrage der Interessenlage an. Zum anderen brachte Corona die Einholung von Angeboten ins Stocken. "Jetzt müssen wir handeln, um das Ganze abzuschließen", so André Schleußner von der Zschorlauer Verwaltung.

Für Diskussionen sorgten in Bockau unter anderem Folgekosten. So benötigen die Tablets Service und Virenschutz, der per Abo-Lösung angeboten wird und für die 14 von Bockau benötigten Geräte Kosten in Höhe in von zehn Euro pro Monat und Tablet verursacht. "In der Regel nach vier bis fünf Jahren gewährt der Hersteller zudem keinen technischen Support mehr", so Schleußner. Erfahrungen in Nachbarkommunen fallen unterschiedlich aus. Während Vorreiter Eibenstock laut Schleußner auf die Tablets inzwischen wieder verzichtet, arbeiten einige Bürgervertreter in Lauter-Bernsbach seit Jahren damit.

Für Bockau betragen die Anschaffungskosten 7250 Euro bei einem Eigenanteil von 2175 Euro. Letztlich stimmte der Rat bei einem Nein dafür. Unabhängig davon, dass sich die anderen interkommunalen Partner gegen die Tablets entschieden haben, wird über das Projekt das Ratsinformationssystem installiert. Es listet Sitzungstermine und Beschlussvorlagen auf und generiert Informationen für Einwohner.

In Stützengrün standen für die Anschaffung der Geräte 11.350 Euro bereit, die Gemeinde hätte einen Eigenanteil in Höhe von 3405 Euro tragen müssen. In Zschorlau hatte man mit 15.000 Euro für 26 Geräte geplant bei einem Eigenanteil der Gemeinde von 4500 Euro. Verwaltung und Gemeinderäte in Stützengrün und Zschorlau sehen die Investition als wenig sinnvoll an, weil aller paar Jahre neue Geräte beschafft werden müssten. Zudem kämen auf die Kommune für die Beschaffung datenschutzkonformer Software zusätzliche Kosten zu. Stattdessen wird jetzt diskutiert, den Räten eine etwas höhere Aufwandsentschädigung zu zahlen. Dafür sollen sie sich privat Tablets für die Ratsarbeit besorgen. (mit ike/ane)

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