Eine Hundertjährige voller Dankbarkeit

Margarete Herrmann hat viel erlebt und durchlitten. Bis heute wird die Frau des ehemaligen Försters von Tellerhäuser in ihrer zweiten Heimat geschätzt.

Breitenbrunn/Tellerhäuser.

"Ich werde hundert, was für eine Ehre", sagt die Jubilarin wenige Stunden vor ihrem heutigen großen Tag.

Am 27. Januar 1920 wurde Margarete Herrmann geboren. Als Mädchen hieß sie Jeschke und kam im Riesengebirge zur Welt. Da sie stets mit ihrem Bruder Hans unterwegs war, wurden sie schnell im Dorf zu "Hans und Gretel", die im Winter auf Skiern zur Schule fuhren. "Im Sommer sind wir gelaufen, über eine Stunde. Es war eine schöne Zeit", sagt sie. Ihre Eltern führten mit der "Blausteinbaude" ein Ausflugslokal, und Margarete half, bediente die Gäste. Später wurde die Familie aus ihrer Heimat vertrieben. Diese schmerzhafte Erinnerung trägt sie bis heute im Herzen.

Die Eltern gingen nach Thüringen. Sie aber lernte alsbald Hubert Herrmann kennen, einen Förster. Mit ihm zog sie nach Tellerhäuser, half ihm oft bei der Arbeit im Wald, wie sie erzählt. Über viele Jahre hat Margarete Herrmann mit ihrem Mann in Tellerhäuser das Forsthaus mit Fremdenzimmern geführt. Die Gastgeberrolle hatten ihr die Eltern offenbar in die Wiege gelegt. Bis 2003 hat sie als Wirtin im Forsthaus fungiert. Bis heute bestehen aus dieser Zeit noch gute Verbindungen zu Stammgästen, wie beispielsweise zu einem Professor aus Leipzig, der sie regelmäßig besuchen kommt und sich auch für die Feier am heutigen Montag angekündigt hat. Denn eigene Kinder oder Verwandtschaft hat die Jubilarin nicht.

"Und dennoch ist sie keineswegs allein oder gar vergessen", sagt Rita Stoll, die im Awo-Wohnheim Breitenbrunn die Tagespflege leitet. Dorthin kommt Margarete Herrmann jeden Tag. Ja, sie kommt. Noch immer läuft sie im Zimmer ohne Rollator umher. "Nur draußen halt ich mich daran fest", sagt sie. 2005 ist sie von Tellerhäuser nach Breitenbrunn ins Betreute Wohnen umgezogen. Dort wohnt sie bis heute, fühlt sich wohl. "Ich bin hier gut aufgehoben", betont sie. "Wenn in Tellerhäuser was los ist, dann wird sie eingeladen und abgeholt", berichtet Rita Stoll, die voller Bewunderung erzählt, dass Margarete als 88-Jährige hinterm Haus noch Ski gefahren ist. Und bis heute mache sie alles mit, was an Aktionen geboten wird. Auch Sport. Beim Kreuzworträtsel sei sie noch immer die Beste, und ansonsten schaut sie gern Fernsehen: "Da kommt die Welt ins Haus", so die Jubilarin.

Zur Feier freue sie sich auf Kaffee und Kuchen. "Danke", sagt Margarete Herrmann wieder und wieder. "Sie bedankt sich für jeden Handgriff", so Stoll. "Das gehört sich doch", fügt diese liebenswerte Hundertjährige leise hinzu.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.