Eisenwerk Wittigsthal lötet an seiner Zukunft

Viele Erzgebirger kennen die Badeöfen des Traditionsbetriebs noch aus DDR-Zeiten. Zwar werden sie weiter produziert, der Fokus des Unternehmens liegt aber auf einem anderen Bereich. Ganz neue Produkte steuert eine Partnerfirma bei.

Johanngeorgenstadt.

Die Würste sind nicht echt. Der Grill, auf dem sie liegen, schon - auch wenn er für manch ältere Sachsen nach einem Badeofen aussieht. Das hätte die Grillstation der Partnerfirmen Eisenwerk Wittigsthal und Systemtechnik Erzgebirge in Johanngeorgenstadt auch werden können. Denn der Bratrost wurde aus dem Unterteil eines Badeofens gebaut. Er ist eine Sonderanfertigung, kostet um die 350 Euro und wird nur auf Nachfrage hergestellt, wie Prokurist Dennis Schäfer erzählt.

Groß einsteigen in den Grillmarkt will Jochen Browa, Chef beider Firmen, aber nicht. "Wir konzentrieren uns auf Bereiche, wo mehr Nachfrage zu erwarten ist", sagte der Unternehmer zu den Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière und Alexander Krauß sowie Landtagskandidat Falk Haude (alle CDU) in dieser Woche bei einem Rundgang durch die Betriebe, die direkt nebeneinander liegen. Die 2010 gegründete Systemtechnik ist quasi die Tochter des Eisenwerks. Schwerpunkt des jüngeren Betriebs ist der Bereich Haustechnik, also der Bau von Warm- und Kaltwasserzählern sowie Verteilern für Fußbodenheizungen. Das Unternehmen arbeitet derzeit auch an der Entwicklung von Industrieverteilern für Supermärkte oder Unternehmen.


Das sei zwar ein Nischenmarkt, sagt der 34-jährige Dennis Schäfer. "Aber dort sehen wir Potenzial." Für das Projekt arbeitet der Betrieb sogar mit der Justizvollzugsanstalt in Dresden zusammen. Häftlinge sollen dort Schweißarbeiten erledigen. Noch steht das Vorhaben aber am Anfang.

Mit dem Eisenwerk Wittigsthal, jetzt Wittigsthal GmbH, bildet die Firma Systemtechnik fast eine Einheit. Eisenwerk-Inhaber Jochen Browa hat den Betrieb ins Leben gerufen und Geschäftsbereiche dorthin abgegeben. Zusammen machen beide Firmen rund zwölf Millionen Euro Umsatz jährlich und haben knapp 90 Mitarbeiter.

Im Jahr 1651 gegründet, wurden im Eisenwerk zu DDR-Zeiten rund 1000 Badeöfen pro Tag gefertigt. Heute seien es noch 3000 im Jahr. Den größten Teil des Umsatzes erwirtschaftet "Wittigsthal", wie Mitarbeiter die Firma nennen, mit der Verarbeitung von Blechteilen, etwa zu Lüftungsgittern oder Verteilerschränken. Badeöfen seien nur noch ein kleines Segment, sagt Inhaber Jochen Browa. Er hat das Eisenwerk 2008 gekauft. Damals arbeiteten dort noch 35 Leute. Seither ist der Betrieb, und ab 2010 auch die Partnerfirma, gewachsen. Auch, weil die Systemtechnik Erzgebirge vor einigen Jahren ihren größten Konkurrenten übernehmen konnte. Die Firma aus Westdeutschland habe sie zuvor noch aus dem Großhandel mitHaustechnikgerätenverdrängt, sei dann aber in die Insolvenz gegangen. Browa holte die Geschäftsbereiche nach Johanngeorgenstadt. "Das lief also genau umgekehrt, wie sonst oft", kommentierte Politiker Thomas de Maizière.

Nicht das Einzige, was bei den Bergstädter Firmen anders ist, als häufig üblich. So wollen die Betriebe nicht mit niedrigen Preisen punkten. "Wir haben teilweise das teuerste Produkt am Markt, und das beste", sagte Jochen Browa. Kunden in China seien bereit für Qualität "Made in Germany" hohe Preise zu zahlen. Weil beide Firmen breit aufgestellt seien, könnten sie auch verkraften, wenn ein Bereich schwächelt, sagt Browa. Weggebrochen ist vor Kurzem etwa die Produktion von Rückenlehnen-Blechen für den VW Caddy. Da hatte das Eisenwerk als Zulieferer für einen Hersteller gearbeitet, der in Insolvenz ging. Die zwei betroffenen Mitarbeiter seien aber nicht entlassen worden.

Perspektivisch kann sich Browa den Bau einer neuen Halle vorstellen, wenn die Bedingungen stimmen. Er ist froh, dass der einst vom Wismut-Bergbau genutzte mögliche Standort nun saniert wurde.

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