Erste Kontakte waren praktischer Natur

Mauerfall 89: Schwarzenberger und Wunsiedler haben schnell Kontakte geknüpft. Lustig oder doppeldeutig mutet da heute die Frage nach einer Kehrmaschine an.

Schwarzenberg/Wunsiedel.

"Auch wenn die Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten noch nicht schriftlich fixiert ist, so ist sie doch in fast allen Bereichen mit Leben erfüllt. Was vor fünf Wochen begann, hat sich in einer Weise entwickelt, die wohl niemand ahnen konnte, sich aber jeder gewünscht hat." Mit diesen Worten wurde Schwarzenbergs Bürgermeister Klaus Knauer in einem Artikel der Zeitung "Der neue Tag" im Januar 1990 zitiert. Man sprach bei diesem Besuch der Wunsiedler in Schwarzenberg von einer bereits "unwahrscheinlichen Entwicklung".

Bei diesem Besuch war unter anderem auch der zweite Bürgermeister der Stadt Wunsiedel, Otto Rothe, mit dabei, der zur darauffolgenden Wahl im Mai 1990 zum neuen Bürgermeister gewählt werden sollte. Die Schwarzenberger hatten erstmals auch Pastor Helmut Schönfeld mit eingeladen, der zu diesem frühen Zeitpunkt der gesellschaftlichen Veränderungen im Land nicht nur als Vertreter der Kirchen begrüßt wurde, sondern in Schwarzenberg den Runden Tisch leitete. Denn dieser wurde in der Erzgebirgsstadt bereits am 7. November 1989 ins Leben gerufen. An jenem Dienstagabend trafen sich im "Haus der Einheit" (heute wieder Ratskeller) der damalige Ratsvorsitzende Dr. Werner Runge sowie Vertreter anderer Parteien und Vereinigungen, wie Eberhard Dürigen, Werner Lobeck, Dietmar Leiter, Josef Didier, Hubert Protzel, Arthur Petzold, Wolfgang Meinel, Dietmar Dedores, Otto Merzdorf, Jochen Pfob und Rainer Paprodtka. Kurze Zeit später übernahm Pastor Helmut Schönfeld die Leitung dieser Runde.

Im Rahmen des Besuches der Wunsiedler äußerte Schwarzenbergs Stadtchef schließlich auch folgende Wünsche: Ob es möglich sei, dass Wunsiedel ihnen zwei- oder dreimal im Jahr die Kehrmaschine ausleihen könnte? Oder: Ob es denkbar wäre, über einen Kredit oder gemeinsamen Fonds ein Feuerwehrauto für Schwarzenberg zu kaufen? Während es bezüglich der Kehrmaschine eine sofortige Zusage gab, hieß es zur Beschaffung eines Feuerwehrautos, dass man versuchen wolle, "möglicherweise über die Sparkasse" zu helfen.

Bleibt noch die Frage offen: Weshalb wurde dann die Partnerschaftsurkunde mit Wunsiedel erst im September 1990 unterzeichnet? Das lag unter anderem an der damals bereits bestehenden Partnerschaft zwischen Wunsiedel und der französischen Stadt Mende. Bürgermeister Kurt Walter betonte, dass er Wert darauf lege, dass auch diese Partner zustimmen und eingebunden werden.

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