Erzgebirger verkauft Hitler-Räuchermännchen

Ein Mann hat im Internet weihnachtliche Dekoration vertrieben, die das Nazi-Regime verherrlicht. Das könnte nun ein Fall für die Polizei werden.

Aue/Schwarzenberg.

Mitten in der Adventszeit hat ein Mann beim Onlinehändler Ebay-Kleinanzeigen einen ganz besonderen Weihnachtsschmuck angeboten. Unter mehrere Fotos, die es zeigen, schrieb er: "Etwas ausgefallenes zum Fest. Hergestellt in Handarbeit im Erzgebirge, kein China-Müll." Zu sehen ist jedoch kein klassisches Volkskunstmotiv, sondern ein Räuchermännchen in Gestalt von Adolf Hitler. Der rechte Arm ist gehoben, am linken Arm hängt eine rote Binde. Über der Offerte steht: "Raachermannel Adolf H. Erzgebirge."

Das Angebot macht im Internet derzeit die Runde, ist inzwischen aber nicht mehr aufrufbar. Eine Auerin, die die Annonce vor wenigen Tagen zufällig entdeckte und sich an "Freie Presse" wendete, sagt empört: "Ich war geschockt. Weihnachten hat eigentlich etwas mit Liebe zu tun." Doch im sozialen Netzwerk Facebook hätten einige den Verkäufer der Räucherfigur - der aus dem Erzgebirge stammen soll - noch verteidigt. "Es hieß, das ist doch nur eine Comicfigur und das wäre lustig", sagt sie. Ein Nutzer habe ihr sogar geschrieben, dass es gar keine Konzentrationslager gegeben hätte. "Ich war bestürzt." Für sie steht fest: "Die Figur zeigt Adolf Hitler." Es fehle nur noch der Verbrennungsofen.

Mit einem Hilferuf wendete sich die Auerin an den Eibenstocker Bürgermeister Uwe Staab. Der sagt dazu: "Wir haben versucht, es entfernen zu lassen, aber da war es nicht mehr auffindbar." Zu der Figur findet er klare Worte: "Das ist ein Nazi-Symbol und geschmacklos." Und es sei ein Zeichen dafür, dass einige Leute die Geschichte vergessen. Viele Tote, ein zerstörtes Land, die Teilung Deutschlands: Die jüngere Generation blende heute die Folgen des Zweiten Weltkriegs aus.

Auf eine Anzeige bei der Polizei verzichtete Staab allerdings. Doch nach Einschätzung der Polizei könnte die Figur durchaus einen Verstoß gegen Paragraf 86a des Strafgesetzbuches darstellen - also gegen das Verbot von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. "Wir sehen einen Anfangsverdacht", sagt eine Sprecherin auf Anfrage. "Bei der Überschrift in Verbindung mit dem Räuchermännchen wird klar, was ausgedrückt werden soll."

Die Hitler-Figur erinnert an einen vergleichbaren Fall von Anfang des Jahres. Damals war ein Glauchauer zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er Weihnachten 2016 das Foto einer als Räucherhäuschen gestalteten Miniatur des Konzentrationslagers Auschwitz ins Netz gestellt hatte - zusammen mit dem Text "So, da werden wir mal das Räucherhaus anfeuern".

Ebay-Kleinanzeigen hat derweil auf die Räucherfigur "Adolf H." reagiert - und die Anzeige am Donnerstag gelöscht. Wie Unternehmenssprecher Pierre Du Bois erklärt, war sie bereits vom Verkäufer deaktiviert worden. "Das heißt aber, dass er sie jederzeit wieder hätte aktivieren können." Die Firma habe deshalb von ihrem "digitalen Hausrecht" Gebrauch gemacht. Die Figur selbst wertet Du Bois als "klaren Verstoß gegen die guten Sitten" - und damit als Verstoß gegen die Grundsätze der Firma.

Wie viele Figuren - das Stück soll 60 Euro gekostet haben - in den vergangenen Tagen den Besitzer wechselten, ist unklar. Mit einer Geldbuße müssen die Käufer aber voraussichtlich nicht rechnen. Denn strafbar macht sich nur, wer die verbotenen Kennzeichen verbreitet oder öffentlich zeigt. Vor allem viele ältere Leute haben noch Überbleibsel aus der NS-Zeit mit verbotener Symbolik zuhause im Schrank. Unproblematisch wertet das die Polizei - zumindest solange sie nicht einem größeren Publikum gezeigt werden.

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