Firmenchef droht mit "Flucht" seiner Exulanten nach Böhmen

Riesige Holzfiguren sollen im Zentrum von Johanngeorgenstadt die Gründungsgeschichte der Bergstadt erzählen. Nach einem Jahr des Wartens platzt dem Initiator der Geduldsfaden.

Johanngeorgenstadt.

Vor kurzem hat Siegfried Ott die mannshohen Eichenholzfiguren auf dem Hof seiner Firma, der ATJ-Autotechnik GmbH in Johanngeorgenstadt, in Reih und Glied aufstellen lassen. Tom Pote, Vorsitzender des örtlichen Erzgebirgszweigvereins, hat dann Blöcke gefertigt, welche die Sockel der Skulpturen miteinander verbinden. Jetzt könnten die Exulanten eigentlich ins Stadtzentrum umziehen. Stattdessen wurden sie erneut in einer Lagerhalle von Otts Firma eingemottet. Bis wann, ist unklar.

"Das dauert mir alles zu lange", sagt Ott. "Es gibt noch keinen Termin. Vielleicht gehen die Exulanten wieder zurück nach Platten." Soll heißen: Ott überlegt, ob er die 14 Figuren nicht in seiner Heimatstadt aufstellt, sondern sie der tschechischen Bergstadt Platten (Horní Blatná) vermacht. "Wenn ich zum Bürgermeister von Platten gehe, ist das in einem Monat geregelt", sagt er.

Vor einem Jahr hatte Ott die Großfiguren von namhaften Holzbildhauern aus dem Erzgebirge, Thüringen und Bayern anfertigen lassen. Sie sollen künftig als Touristenattraktion zwischen dem Pferdegöpel und der Riesenpyramide stehen. Otts Firma übernimmt alle Kosten. Bevor das Kunstwerk jedoch an Ort und Stelle aufgestellt werden kann, muss erst noch die Wismut das Gelände sanieren.

Zwischen 1947 und 1954 wurde hier aus dem Schacht Nummer 42 Uran gefördert. Neben der Abraumhalde ist auch der Schacht noch vorhanden. Rund 900.000 Euro gibt die Wismut aus ihrem Altstandorteprogramm aus, um das Areal in einen Park zu verwandeln, in dem dann auch die Figurengruppe der Exulanten Platz finden soll. Die Schachtsanierung läuft inzwischen und soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Für die Halde gibt es noch keinen verbindlichen Zeitplan.

"Wir warten noch immer auf die Genehmigung des Vorhabens, die inzwischen beim Landratsamt des Erzgebirgskreises liegt", sagt Manfred Speer, der bei der Wismut für die Altstandortesanierung zuständig ist. "Wir wollen im Winter die Bäume auf dem Baufeld fällen und im April oder Mai mit der Haldensanierung beginnen." Man unterstütze das Projekt, die Figuren im fertigen Park aufzustellen. "Sie sind in unseren Plänen fest mit drin", versichert Speer. Wann es soweit ist, lasse sich aber nicht verbindlich sagen.

Siegfried Ott hat der Wismut indirekt ein Ultimatum gestellt. "Die Landtagswahl im kommenden Jahr ist ein guter Anlass, um die Figurengruppe einzuweihen", sagt er. Das wäre der 1. September 2019 - und dieser Termin ist praktisch nicht zu halten. Ob der Unternehmer dann seine Drohung wahr macht?

Die Exulanten sind eng mit der Gründungsgeschichte von Johanngeorgenstadt verbunden. Sie waren Protestanten, die vor Repressalien flüchteten, die ihnen die katholischen Habsburger auferlegten. Am Fastenberg durften sie sich mit Erlaubnis des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. niederlassen.

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