Geschäftsleute hoffen auf Kundentreue

Tage der offenen Tür kennt man. Doch wie geht es jenen, die derzeit die Türen zu ihrem Geschäft geschlossen halten müssen? Eine Phase zwischen Duldung, Furcht und Weitermachen.

Schwarzenberg.

Mit einem bittersüßen Lächeln zeigt Siiri Ullmann das kleine Zimmer unterm Dach ihres Brautausstatters am Unteren Markt in Schwarzenberg, wo derzeit mehr als 100 festliche Kleider hängen. Die meisten davon weiß - vorgesehen, bereits probiert, angepasst und angezahlt für den schönsten Tag im Leben. Darunter auch eine Stange voller farbiger Kleider für Jugendweihen und Konfirmationen.

All diese großen Feierlichkeiten, zu denen sich jeder in besonders feiner Robe zeigen will, sind aufgrund der Corona-Krise verschoben oder gar ganz abgesagt. Für die Inhaberin des Brautmodengeschäfts ist dies ein massiver Umsatzeinbruch. "Es hätte wirklich ein sehr gutes Jahr werden können", sagt sie mit Blick auf das Bestellbuch. Jetzt hängen mehr als 100 Kleider als reserviert auf der Stange, und sie weiß nicht, ob letztlich alle auch verkaufen werden. Die große Zahl der Kleider und Anzüge, die als Ware im Laden zur Auswahl hängen, noch nicht mitgerechnet. "Jeder, der seine Hochzeit nur verschieben möchte, kann sicher sein, dass wir die Sachen aufheben und notfalls noch mal neu anpassen", sagt Siiri Ullmann.

Hochzeiten werden verschoben. Gleiches gilt für einige Jugendweihen im Erzgebirgskreis. "Doch bis spätestens Oktober sollen auch die alle nachgeholt worden sein", heißt es vom ausrichtenden Verein für Jugendarbeit und Jugendweihe.

Zu einer Eheschließung gehören auch Trauringe. Sie sind das Metier der Goldschmiede und Juweliere. Aber auch die haben zurzeit Sorgen und Nöte. "Wir sind Handwerker, aber unsere Kunst ist Luxus", sagt Bertram Wurlitzer, der nach wie vor täglich in seine Werkstatt geht, auch wenn die Ladentür zu bleiben muss. "Unsere Werkstatt arbeitet weiter" - verkündet der Zettel im Schaufenster, der Kunden ermutigen soll, doch einfach anzurufen. Natürlich können Goldschmied, Uhrmacher und Holzbildhauer an der Oberen Schlossstraße in ihren Werkstätten weiterarbeiten, aber letztlich leben sie alle vom Verkauf der Dinge, die sie mit ihren Händen schaffen. In allen Schaufenstern hängen nun Hinweise wie: "Besuchen Sie uns auf der Internetseite oder rufen Sie an. Wir sind weiterhin für Sie da!" Jeder Aushang kommt einem Hilferuf gleich, und lässt die Bitte mitschwingen: Kauft bei uns und nicht im Internet. Das schreibt so keiner, aber jeder hofft auf die Kundentreue.

"Es gibt liebe Leute, die anrufen und fragen: Habt ihr das da, kann ich das über Sie bekommen?", erzählt Mario Münzner, der in der Schwarzenberger Altstadt das flächenmäßig wohl größte Geschäft am Markt unterhält. Momentan stapelt sich auch bei ihm die Osterware. Als er diese 2019 eingekauft hat, war an Corona noch nicht zu denken. "Wir stellen jetzt die Osterware auf unsere Internetseite. Und ja, momentan überlegen wir auch, ob wir einen richtigen Onlineshop einrichten", so der Geschäftsmann. Doch ob die Leute dann auf seine Seite klicken und sich umsehen, oder nicht doch bei dem Versandriesen Amazon kaufen, sei ungewiss. Was er aber besonders betont, dass sein Vermieter von sich aus auf ihn zu kam und signalisiert habe, dass er sich bezüglich der Mietzahlung jetzt keine Sorgen machen soll. Man werde sich dann einig, wenn er wieder "festen Boden" unter den Füßen hat. Eine Geste, die Münzner in besonderer Weise zu schätzen weiß und gut findet.

Dass der Onlinehandel auch regional gut funktioniert, das können die ortsansässigen Buchhändler bestätigen. Sowohl Sandra Winterstein vom Blätterwerk als auch Michael Schneider von der Bücherwelt sind bemüht, die Kundenwünsche nach Lektüre zu erfüllen. "Auf unserer Netzseite kann sich jeder etwas Passendes aussuchen, und wir bringen die Bücher gern vorbei, oder es wird ein Abholtermin vereinbart", sagt Sandra Winterstein. So nutzen immer mehr Geschäftsleute das Internet, die digitalen Wege und Möglichkeiten, und werden - der Not gehorchend - kreativ.

Derzeit hofft jeder Geschäftsinhaber, egal ob in Schwarzenberg, Aue oder Schneeberg, dass die Einwohner ihrer Stadt und die treue Kundschaft aus dem Umfeld nach der Krise vielleicht gezielt den hiesigen Geschäftsleuten, Gastronomen, Handwerkern und Händlern den Rücken stärken. Denn eigentlich gibt es kaum etwas, was man nicht auch hier kaufen kann - nur später.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.