Grenzenlose Tourismusregion liegt Gästen des Turms zu Füßen

Für Besucher der Region gibt es keine Grenzen, schon gar keine Stadt- oder Ortsgrenzen. Gäste nehmen das Erzgebirge stets als Ganzes wahr. Deshalb ist der Schritt zur engen Zusammenarbeit ein längst überfälliger.

Grünhain-Beierfeld.

Diese Familie stellt nur vier der etwa 20.000 Besucher im Jahr, die vom Spiegelwaldturm aus aufs Erzgebirge blicken. "Wunderschön diese Landschaft", schwärmt die Mutter. "Tolle, klare Luft", sagt der Vater. "Gehen wir heute noch shoppen?", fragt die zwölfjährige Tochter leicht genervt. "Und wo ist das Bergwerk?", legt der fünfjährige Bruder nach. - Eine Familie von vielen, die das Erzgebirge besuchen und hier gemeinsam ein paar Urlaubstage verleben. Dafür gibt es keinen festen Plan. Also fragen sie nach im Tourist-Büro des Turmes, was sie wo noch alles erleben können, werden eingedeckt mit bunten Flyern. Zurück in der Ferienwohnung halten sie Familienrat.

Der Blick vom Spiegelwaldturm bietet Gästen eine grenzenlose Tourismusregion. Die wollen sie erkunden. Erleben, was möglich ist. Ob das Einkaufszentrum für die Tochter in Schwarzenberg oder das Schaubergwerk in Waschleithe für den kleinen Bruder. Stadt- oder Ortsgrenzen sind da völlig sekundär.


Der Tourimusverband Erzgebirge (TVE) hat erst in dieser Woche die Umsatzzahlen der Branche in der Region benannt - mit rund 900 Millionen Euro im Jahr ist das ein solides Standbein der regionalen Wirtschaft. Zudem hat der TVE den Schulterschluss der Kommunen gepackt. Nun ist es an den Kommunen, sich effektive Strukturen zu geben, um Synergien zu entwickeln. Dafür haben die drei Städte Schwarzenberg, Grünhain-Beierfeld und Lauter-Bernsbach in diesem Jahr ein Pilotnetzwerk gestartet. Seit dem Frühsommer haben dazu schon mehrere Modellwerkstätten stattgefunden. Betreut und begleitet wird die Netzwerkgründung von Alexander Schuler, Geschäftsführer der Berliner Tourismus- und Regionalberatung (BTE). Er agiert als Netzwerkbotschafter, berät in Sachen Vermarktungsstrategien.

"Uns geht es darum, im Verbund mit den Nachbarkommunen zu noch mehr Qualität und Leistungsfähigkeit zu kommen", sagt Heidrun Hiemer, Oberbürgermeisterin von Schwarzenberg. "Es ist einfach an der Zeit, die derzeitigen Strukturen zu hinterfragen. Uns zu fragen, was noch besser laufen könnte", meint Joachim Rudler, Stadtchef von Grünhain-Beierfeld. Er ist zugleich seit Jahren Chef des Tourismusverbands (TZV) Spiegelwald, der wiederum bislang nur die Anrainerkommunen des Spiegelwaldturmes wie Lauter Bernsbach im Fokus hatten. Doch nur einen Steinwurf davon entfernt im Tal liegt Schwarzenberg. "Mit unserem Tourismuszweckverband ist ja schon eine Struktur da. Die braucht man nur zu öffnen, und Schwarzenberg hat eine sehr gute Touristinformation - Leute, die touristisch denken", sagt Rudler. Die geplante, noch engere Vernetzung der Nachbarkommunen im Interesse der Gäste ist das gemeinsame Ziel der drei Städte. Der Spiegelwaldturm könnte das herrausragende Dach dafür sein, bleibt Rudler im landschaftlichen Bild.

Das gemeinsame Gästeverzeichnis von mehreren Kommunen aus der Region, das erstmals 2015 erschienen ist, sei ein erster Schritt gewesen, so Hiemer. Jetzt wolle man weitere Verknüpfungspunkte finden, Gäste weitergeben, wie das in anderen Tourismusregionen längst üblich ist. Auch an einen weiteren Ausbau der Tourismus-Informationen sei da gedacht. "Es geht um Effektivität und Professionalität", betont Rudler. Auch Thomas Kunzmann, Bürgermeister von Lauter-Bernsbach, erhofft sich von dieser Zusammenarbeit mehr Kenntnisse und noch mehr Kundenservice.

Alle drei Städte haben dies in einer gemeinsamen Absichtserklärung bereits schriftlich fixiert. Monatlich triff man sich, um gemeinsam über die weiteren Vorhaben zu beraten. Das Berliner Büro entwickelt gleichlaufend ein Konzept.

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