Herkuleskeule liefert Rundumschlag

Politisches Kabarett per excellence hat es in Grünhain gegeben. Mit Beifall und Lachen wurde das quittiert, aber auch mit nachdenklichen Mienen.

Grünhain-Beierfeld.

Man nehme ein Superweib (Birgit Schaller), das scheinbar alles verkörpern kann: Helga Hahnemann, eine Frau, der wohl kein Mann widerstehen kann, oder die biedere Sängerin einer erzgebirgischen Mundartgruppe. Man packe dieses Superweib zwischen einen echten Jungspund (Hannes Sell) mit Charme und einen alten Hasen (Jürgen Stegmann), den nichts mehr aus der Ruhe bringt, und fertig ist ein gelungener Abend.

Das, was die Herkuleskeule am Samstag in Grünhain im Treffpunkt auf Einladung des Osterlamm Teams Waschleithe gezeigt hat, das war kritisches, politisches Kabarett par excellence. Auch wenn es zunächst mit Erich Kästner und "Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag" losging. Ja, da musste man schon die Ohren spitzen, um es richtig zu verstehen: Ist Jesus umsonst gestorben? Und was haben die Menschen dazu gelernt? Die ersten richtigen Lacher gibt es bei der Aussage "Jesus war ja auch ein Abgehängter". Ja, auch da musste man ein bisschen nachdenken, um es richtig zu verstehen. Was Kästner folgte, war ein zweistündiges Programm über Unzufriedenheit, Proteste und Verlustängste.

Das Kabarettprogramm "Freibier wird teurer", das aus der Feder von Wolfgang Schaller stammt, führt dem Publikum unverblümt die Zerrissenheit der Gesellschaft vor Augen - ohne Hemmung, ohne Tabus und letztlich auch ohne Lösung. Denn das Ensemble wollte ja nur mal andenken, weiterdenken, nachdenken, so die Aufforderung, muss zum Schluss jeder Einzelne selbst. Es schwingt bei allem Humor einfach mit, sich nicht alles gefallen zu lassen, aber vielleicht auch das eine oder andere zu verstehen.

Zu Beginn des Abends wird ein Kanon angestimmt. "Allen geht es gut, aber allen geht es schlecht - keiner weiß Bescheid, aber alle haben Recht", so lautet der Text des Vierzeilers, in den natürlich sehr schnell das Publikum im ausverkauften Treffpunkt einstimmt. Der Abend ist ein Abend voller Gegensätze und voller Facetten. Sie wettern über Social Media. Dort würden sich alle nur so darstellen, wie sie sein wollten. Dort könne man 500 Facebook-Freunde haben, aber trotzdem einsam sein. Die Kabarettistin bekennt, dass sie gern Zeitung liest und das Rascheln beim Umblättern so mag.

Sie kommen zur Kenntnis, dass der Russe immer schuld ist - und natürlich auch für die Vergiftung des Geheimagenten Skripal verantwortlich ist, selbst dann, wenn ganz viele offene Fragen bleiben. Der Russe habe schließlich auch den deutschen Endsieg 1945 vermasselt. Sie kritisieren im gleichen Atemzug, dass der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Putin einen lupenreinen Demokraten nennt. Wer daran glaube, der sei auch davon überzeugt, dass Donald Trump auf dem Kopf einen blonden Pudel habe. Merkels Kabinett und ihre Herausforderer bei der Wahl zum CDU-Vorsitz werden genauso angezählt, wie strenge Vegetarier und überzogener Umweltschutz. Im Laufe des Abends zeigt sich, dass es längst nicht mehr um uns da unten und die da oben geht, sondern dass es einen Riss in der Gesellschaft gibt. Es spiegelt sich auch im Beifall und im Lachen wieder. Worüber ein Teil herzlich lachen kann, lässt andere nachdenklich, vielleicht sogar pikiert zurück.

Das Programm wird aber nicht nur durch Wortwitz und den Rundumschlag getragen, sondern - wie es sich für politisches Kabarett gehört - von Musik, die ebenso kritisch ist und die für die Bühne inszeniert wurde. Jens Wagner und Volker Fiebig zeichnen dafür verantwortlich.

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